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Nationalpark lässt Einfluss der Industrieparks auf Tourismus prüfen

Windräder oder Naturkulisse

Bei Crussow sollen neue Windräder gebaut werden. Schon die alten prägen das Bild am Deich.
Bei Crussow sollen neue Windräder gebaut werden. Schon die alten prägen das Bild am Deich. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Andrea Weil / 12.07.2013, 07:40 Uhr
Schwedt (MOZ) Mit den geplanten Erweiterungen von Windparks beschäftigen sich nicht nur Anwohner, sondern auch der Nationalpark Unteres Odertal. Dabei geht es nicht allein um Tierschutz, sondern auch um Tourismus. Das Kuratorium hat bei der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde eine Studie in Auftrag gegeben, die die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch mehr Windräder analysieren soll.

"Besucher erwarten Natur pur im Nationalpark", erklärt Kuratoriumsvorsitzender Karsten Stornowski. "Das mag eine verklärte Vorstellung sein, die wir aber bedienen müssen." Sonst habe der Nationalpark bald Vermarktungsprobleme. Die Schwierigkeit ergibt sich durch die langgestreckte, schmale Fläche des Nationalparks. Das Schutzgebiet ist im Schnitt fünf Kilometer breit, an beinahe jeder Stelle kann der Wanderer oder Radfahrer aus dem Nationalpark hinausschauen - und auf die Industrieanlagen.

Susanne Pätzold, Geschäftsführerin des Tourismusvereins Nationalpark Unteres Odertal, sagt: "Wir haben von Kanu- und Naturführern gehört, dass Gäste im Gespräch meinten: "Es gibt ja kaum eine Ecke, wo kein Windrad steht'." Bei einer großangelegten Studie zum Tourismus im Unteren Odertal aus dem Jahr 2008 nannten befragte Touristen Windräder als Störfaktor neben landwirtschaftlichem Verkehr, Autos, gesperrten Deichen und lauten Mit-Touristen. Allerdings beschwerten sich nur drei Prozent und sahen das noch längst nicht als Grund, den Nationalpark als Reiseziel nicht weiterzuempfehlen.

Die Befürchtung jedoch bleibt, vor allem, wenn in Regionen wie Crussow neue Windräder geplant sind. "Jeder Tourist ist eine Einnahmequelle", sagt Karten Stornowski. Eine Hochrechnung ergab für das Jahr 2008, dass etwa 206 000 Menschen jährlich den Nationalpark nutzen. 65 Prozent sind Einheimische, der Rest Touristen. 15 000 Übernachtungsgäste hat laut der damaligen Studie der Nationalpark der Region eingebracht. Von Seiten des Naturschutzes sei das Kuratorium zufrieden mit dem Beteiligungsverfahren durch die Regionale Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim, betont Karten Stornowski. Flugrouten von Gänsen und Kranichen, die zwischen Fress- und Schlafplatz hin und her pendeln, seien ausreichend berücksichtigt worden. "Aber die Ästhetik darf man nicht unterschätzen." Deshalb erstellt die Hochschule nun eine Landschaftssimulation, die nachvollziehbar macht, wie stark Windräder das Bild des Nationalparks künftig prägen werden.

Dass eine Bürgerinitiative gegen die Windräder in Crussow Naturschutz und Tourismus als Argumente anführt, wertet Karsten Stornowski positiv: "Das zeigt, dass der Nationalpark in der Bevölkerung mittlerweile als Vorteil angesehen wird."

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Maulwurfbeobachter 16.07.2013 - 12:47:23

Hier sind viele Träumer unterwegs

Das Thema mit den Windrädern ist doch längst zu einem "Hase....Igel...Spiel" geworden. Bevor man sich wo anders im Grünen ohne Windräder ein Häuschen bauen kann, steht doch schon eine Windrad daneben, bevor der Rohbau fertig ist. Den "Igel" muß man abschießen, dann hat der Hase seine Ruhe.

Zugenzogener 16.07.2013 - 11:12:15

Uckermark mit Windkraftanlagen bereits übervoll...

Danke und sehr gut und richtig, dass sich der Nationalpark mit dem Thema Ausbau der Windkraft befasst! Man kann es kaum mit ansehen, wie die eigentlich schöne Uckermark durch immer mehr Windkraftanlagen verunstaltet wird. Dies wird Auswirkungen auf die Tierwelt und damit die ganze Natur haben. Wie sollen hier Menschen hierher ziehen, die in der Stadt arbeiten und in ihrer Freizeit die Natur geniessen wollen? Oder will man das gar nicht? Sollen nur mit Steuergeldern finanzierte Einrichtungen überleben? Dann weiter so...ich jedenfalls werde alle warnen, die sich hier ein Häuschen suchen und selbst meine Konsequenzen ziehen, wenn man nicht anfängt, den Ausbau mit Augenmaß zu betreiben und nicht gegen Natur und Mensch. ...

R.Ebeling 14.07.2013 - 17:19:56

Ästhetischer Blick auf Windräder

Wie immer ist das Maß der Dinge ausschlaggebend.Als es los ging mit dem Windradausbau haben sich einige Kommunen echt Gedanken dazu gemacht,6 Windräder,nicht so hoch und grün angestrichen sollten es sein. Davon ist aber aktuell nicht die Rede, wir reden jetzt von 20 Stk. und mehr 200m hohen Industrieanlagen.Das ist dann nicht mehr Ästhetisch und so sehen es die Touristen auch, was sie auch schon in Unterschriftenlisten dokumentiert haben.Wenn man dann in den Nationalpark kommt, der damit wirbt Gebiete wieder der Natur zurück zu geben, und man im Totalreservat steht und auf 200m hohe Windräder blickt an denen kein Vogelzug mehr vorbeikommt ist das nicht so prickelnd. Und ja, als Bürger einer Nationalparkgemeinde identifiziert man sich auch damit.

Benno Koch 12.07.2013 - 23:12:51

Windkraftanlagen sind die beste Naturkulisse

Ich persönlich freue mich über jede Windkraftanlage in Brandenburg und bevorzuge diese Regionen für Veranstaltungen. Ich finde Sie ästhetischer als sagen wir mal das Haus Polderblick in Schwedt. Oder den Parkplatz davor. Und die Fahrradtouristen die ich in die Uckermark bringen darf sehen das mehrheitlich ebenso - in den letzten Jahren waren es einige Tausend. Woher kommen eigentlich immer wieder Aussagen, gerade naturliebende Touristen hätten etwas gegen Windkraftanlagen? Selbst im Artikel der Märkischen Oderzeitung sagt die Chefin des Tourismusvereins es würden sich nur drei Prozent beschweren, den Nationalpark aber trotzdem weiterempfehlen.

Don Quichooooote 12.07.2013 - 19:24:57

@energieberater

Das, was mich hierbei immer stört ist, dass die MOZ und eben auch die Politiker es nie schaffen oder auch nicht wollen, mal alle Zahlen in wahren Verhältnisse darzustellen. Wenn von den "EE" prinzipiell erst mal 60% des Stromes sofort vernichtet wird, weil er nicht abgenommen werden kann, dann ist das ein Fakt der den Normalbürger erst mal 60% zu viel Umlagekosten abverlangt. Genau darin sind doch die wieder erhöhten Umlagekosten enthalten. Was sollen wir denn bezahlen an Umlagekosten, wenn bis 2020 noch der Rest der Windräder, der angeblich fehlen soll, doch noch aufgestellt wird??? Das ist doch ein Faß ohne Boden.

Mark Ucker 12.07.2013 - 17:08:05

Es sind noch lange nicht genug!

Ob hier der Frust abreagiert wird oder nicht, es sind noch lange nicht genug Windräder !? Dank Merkel und Platzek, wird´s die Windkraftlobby schon richten. Wozu gibt es denn sonst die "Regionalen Planungsgemeinschaften"? Doch nur um überregionale Interessen durchzusetzen, denn die Region hat nicht davon.

Energieberater 12.07.2013 - 17:00:31

@Don Quichooooote :

Behälter für Windstrom nicht direkt, aber wenn alle ihre Akkus von Handy, Notebook oder Damenbartschneider nur bei Wind aufladen würden, könnte man in Deutschland 1,6381 konventionelle Kraftwerke vom Netz nehmen.

Don Quichooooote 12.07.2013 - 16:39:11

@naturfreund

Sie gehören auch zu dehnen, die nie wahr haben wollen, dass wir nur an ca. 100 Tagen im Jahr Wind haben und dann auch nur spontan. Also bleiben alle konventionellen Kraftwerke auch immer in Betrieb. Ist doch echt alles Quatsch mit dem Wind. Oder haben Sie "Strombehälter" zum Abfüllen des Windstromes erfunden?????????????????????????????????????????????????????

Hartmut Konipanzki 12.07.2013 - 16:05:25

"Windfelder" nicht Windräder!

Wir Crussower haben nichts gegen Windräder, vor unseren Fenstern stehen schon 13 Stück - akzeptiert, trotz Unterschreitung des Mindestabstandes! Sie erzeugen soviel Elektroenergie, damit ist unser Ort über 65 mal voll zu versorgen! Wir geben Ihnen, lieber Naturfreund gerne ein paar ab, auch nur 800 m von Ihrer Wohnung. Sie werden dann unter Lärm über der erlaubten Norm leben, Sie müssen die Fensterläden herunterlassen, um die Schlagschatten ohne Nervenschädigung zu überleben. Und die Vögel / Fledermäuse werden Ihre Heimat verlassen, die Scheuchwirkung ist in Gutachten dokumentiert.) Oder sie finden diese Kreaturen "geschreddert" im Umfeld der Mühlen. Dass "Naturfeunde" so etwas gutheißen, tut mir sehr weh!

Naturfreund 12.07.2013 - 15:52:27

immer wieder...

...die Disskusion um die Windfelder. Vielleicht sollte einfach mal ins Bewusstsein der Naturliebhaber rücken, dass jedes Windrad zur sauberen Stromgewinnung beiträgt. Dadurch Kohle- und Atomkraftwerke die nicht nur die Optik sondern auch die Natur zerstören überflüssig werden. Die andere Konsquenz wäre, alle Sicherungen raus und wieder wie im 18.Jahrhundert leben.

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