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Viele alte Wirtschaftsgebäude des Tabakanbaus in Vierraden stark gefährdet

Die Retter der Scheunen

So sieht eine echte uckermärkische Scheune aus: Bei Anja Brüske in Vierraden herrscht Ordnung auf der Tenne. Sie hat Handwerksgerät, Raritäten und ein Sammelsurium aus Gebrauchsgegenständen museumsartig zur Schau gestellt.
So sieht eine echte uckermärkische Scheune aus: Bei Anja Brüske in Vierraden herrscht Ordnung auf der Tenne. Sie hat Handwerksgerät, Raritäten und ein Sammelsurium aus Gebrauchsgegenständen museumsartig zur Schau gestellt. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Oliver Schwers / 10.09.2013, 07:46 Uhr
Vierraden (os) Sie sind akut in Gefahr: Die alten Tabakscheunen der Uckermark haben oft keinen Sinn mehr. Viele der unbequemen Bauten verschwanden, anderen droht der Abriss. Am Denkmaltag zeigten Privateigentümer, wie sehr sie die alten Wirtschaftsgebäude immer noch lieben.

Eine Last aus Feldstein, Mörtel und Holz. 2500 Kubikmeter umbauter Raum. Wofür? Im Grunde für nichts. Für Nostalgie, für Geschichte, für die Familientradition. Ganz so unromantisch betrachtet Anja Brüske die feldsteinerne Tabakscheune ihrer Vorfahren nicht. Der relativ gut erhaltene repräsentative Bau zeigt bis heute, dass der Tabak den Vierradenern einst Wohlstand brachte. Auch durch DDR-Zeit hindurch. Denn die Scheune entstand nach einem Kriegsbrand in den Jahren 1946/47 neu. Bis heute hat sie gut gehalten.

Unten gibt es die beiden großen Tordurchfahrten für die Fuhrwerke und Platz für den Dreschkasten. Oben hing der Tabak. Sogar ein Keller empfängt die Besucher. Und ein illustres Sammelsurium alter Gerätschaften, Krüge, Äxte, Körbe, zusammengetragen von Familienangehören, Bekannten und Nachbarn. Wer Platz hat, muss das Erbe der Vergangenheit bewahren. Anja Brüske kennt das und macht mit. Obwohl sie gar nicht mehr in der Uckermark arbeitet, kehrt sie regelmäßig aufs große Bauerngrundstück nach Vierraden zurück. "Wir kommen her und strampeln uns ab, obwohl wir den ganzen Platz gar nicht brauchen", sagt sie und fügt schmunzelnd hinzu: Schließlich wolle man sich dereinst von der Vorfamilie nichts nachsagen lassen.

Im September startet die Teilsanierung der großen Feldsteine. Damit ist wieder eins der so typischen Bauwerke des Tabakstädtchens gerettet. Vor 20 Jahren standen noch wesentlich mehr. Gerade die im Außenbereich liegenden haben es schwer. "Hier habe ich 1961 noch selbst Tabak aufgehängt", berichtet Johann Schützler. Der 74-Jährige steht in der alten Holzscheune am Rande des Ortes, die früher zum Bauernhof von Bertha Becker gehörte, dann von der LPG genutzt und nach der Wende in desolatem Zustand zurückgegeben wurde. Heute steht sie wieder so sicher wie zur Erbauungszeit Ende des 19. Jahrhunderts. Privateigentümer Holger Schwers baute sie aus Lust und Leidenschaft wieder auf, "weil ich sie nicht abreißen wollte".

Überall in Vierraden sind die gleichen Menschen am Werk. Sie handeln aus Achtung vor der Geschichte, aus Scham vor dem Abriss, aus Verantwortung für das bauliche Erbe. Doch das Interesse an der so einzigartigen Geschichte Vierradens ist groß. Neben den Besuchern, die am Denkmaltag mit einem Traktor-Kremser zu ausgewählten Objekten reisen, finden sich auch Leute, die einfach mal sehen wollen, "was aus dem alten Ding geworden ist".

Zum Beispiel ein Kulturzentrum. Klaus Hirsch, personifizierte Triebkraft der Mustersanierung an der alten Rohtabakfabrik Lange, kann wieder einmal aufatmen. Vom Landkreis wie auch von der Stadt Schwedt fließen Zuschüsse für den nächsten Teilabschnitt des großen Areals, das heute von Künstlern bevölkert wird und der Öffentlichkeit für Ausstellungen und Musik zur Verfügung steht.

Kommentare

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Sturz Jochen 11.09.2013 - 13:40:57

Abstellung

Darf das überhaupt sein das dort Monatelang Montagearbeiter untergebracht sind wenn die ganze Immobilie mit Fördermitteln erstellt wurde? So richtig für die gemeinde hat der Herr auch noch nichts getan, gnädigerwesie darf man aber wohl jetzt die Villa für Feiern mieten.

Schwe67 11.09.2013 - 12:17:32

"von Künstlern bevölkert"

Was für ein Unsinn ! Nur weil man sich 1 oder 2 mal im Jahr trifft. Bevölkert haben das Gelände eher Montagearbeiter, was fraglich ist bei der Fördermittelvergabe. Nee, nee. Die Qualität der MOZ nimmt immer mehr ab. Aus einem guten und wichtigen Thema hat man einen völlig banalen und oberflächlichen Artikel fabriziert. Wann merkt man endlich, daß die Themen tiefgründiger angegangen werden müssen. Will, darf oder kann man das nicht ?

Sybille Rauch 10.09.2013 - 21:17:14

Bei

"Zum Beispiel ein Kulturzentrum. Klaus Hirsch, personifizierte Triebkraft der Mustersanierung an der alten Rohtabakfabrik" Bei 1,6 Millionen€ Fördermitteln ist auch gut eine "Triebkraft" sein. Wer redet da schon über schamlos ausgenutze 1€ Jobber und Studenten die für Drecksarbeiten rangekarrt wurden.... Da ist gut glänzen für Herrn Hirsch!

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