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Golzower Filmmuseum eröffnet fünf Audio- und Videostationen

So laut wie Dreschmaschinen

Dorothee Torebko / 18.09.2013, 07:03 Uhr
Golzow (MOZ) Ein achtjähriges Mädchen mit weißer Minnie-Maus-Schleife im Haar und Pferdeschwanz lächelt von einem Foto im Golzower Filmmuseum. Es war eines der Kinder von Golzow, die der Dokumentarfilmer Winfried Junge zusammen mit seiner Frau über Jahrzehnte begleitete. Am Sonntag hat das Mädchen im Museum eine Stimme bekommen. Mittels einer Video-Aufnahme ist Elke Hinkelmann, mittlerweile 59 Jahre alt, auf einem Bildschirm inmitten der Ausstellung zu sehen und zu hören.

Damit ist sie nicht allein. Daniel Küchenmeister hat fünf Audio- und Videostationen mit Interviews gestaltet. Darunter sind Gespräche mit dem Regie-Duo Junge, mit dem Historiker und Gründer des Dokumentationszentrums für DDR-Alltagskultur in Eisenhüttenstadt Andreas Ludwig, aber auch Ausschnitte aus dem ersten Film von 1961.

Wer sich die Aufnahmen ansieht, sollte Ausdauer mitbringen. Teils sind die Aufnahmen - so zum Beispiel die Interviews mit den Junges - 30 Minuten lang. Dafür geben Winfried und Barbara Junge Einblicke in ihre Arbeit an Bandmaschine und Uralt-Kameras. Diese sollen etwa so laut gewesen sein wie Dreschmaschinen. Barbara Junge schildert auch, wie eine Filmrolle nur vier Minuten Drehmaterial speichern konnte. "Meistens kamen die interessanten Details aber danach." Und so arbeitete sie oft mit Off-Tönen, die das Gesagte zusammenfassten.

Bei den Audio- und Video-Stationen soll es aber nicht bleiben. Um Kommentare auf Tafeln, die die Filme historisch einordnen, soll die Ausstellung erweitert werden. Einen ersten Ansatz gibt es in dem Interview mit dem Historiker Andreas Ludwig. Er verweist darauf, dass die Filme nicht die DDR-Wirklichkeit in der Gänze darstellen können. Sie sind Ausschnitt und Dokument der Zeit - und als solches unverzichtbar. Gerade heute, da sich Beschäftigung mit DDR-Vergangenheit zwischen Ostalgie-Welle und Diktatur-Diskurs bewegt, sei dies wichtig.

Fazit: Die Audio- und Video-Kommentare sind fundierte Ergänzungen zu den Info-Tafeln der Ausstellung. Sie erklären und versuchen, historisch einzuordnen. Großes Plus: Die Aufnahmen werden nach einiger Zeit durch andere Interviews ausgetauscht. Einziges Manko: Man hätte die Fragen ins Interview schneiden sollen. Denn so braucht der Hörer einige Minuten, um den Kontext zu begreifen.

Öffnungszeiten Filmmuseum: Di-Fr 11-17 Uhr, Sa 11-18 Uhr

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