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Kopfhörer aus Altpapier

Jagd und Nachhaltigkeit - passt das zusammen? Die Macher der Jagdmesse und der Nachhaltigkeitsbörse finden ja. Foto: Winsmann/dpa
Jagd und Nachhaltigkeit - passt das zusammen? Die Macher der Jagdmesse und der Nachhaltigkeitsbörse finden ja. Foto: Winsmann/dpa © Foto: fremd
Daniel Dzienian / 19.09.2013, 19:12 Uhr
Liebenberg (MZV) Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Die Ressourcen der Welt werden immer knapper, die Müllberge wachsen dafür. Die Betreiber von Schloss Liebenberg wollen da schon seit einiger Zeit nicht mehr mitmachen. Der Integrationsbetrieb setzt schon länger auf Nachhaltigkeit. Erstmals in diesem Jahr soll parallel zur Jagdmesse am 28. und 29. September die erste Nachhaltigkeitsbörse mit dem Titel "SinnStiften" stattfinden.

Was ist eine Nachhaltigkeitsbörse? Das neudeutsche Modewort Nachhaltigkeit bedeutet zukunftsorientiert, vorausschauend, sorgsam, nicht verschwenderisch. Die Börse oder Messe dazu findet zeitgleich zur Jagdmesse von 10 bis 18 Uhr statt. Zwölf Anbieter sozialer, ökologischer oder ökonomisch sinnvoller Produkte oder Dienstleistungen werden in Liebenberg ausstellen. Dazu gehört unter anderem das Kinderhaus Berlin-Mark Brandenburg, das Ökodorf Brodowin oder die Fachhochschule Potsdam. Produktdesigner der Hochschule haben etwa mit der Stiftung für gesellschaftliches Engagement der Deutschen Kreditbank (DKB) eine Produktserie entworfen, in der Gebrauchsgegenstände aus Altpapier herstellt werden. Das reicht tatsächlich vom Kopfhörer über Zelte bis hin zu einem kleinen Spielplatz. Diese Produktserie wird beispielsweise dort vorgestellt. Weitere Aussteller auf 200 Quadratmetern sind die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, die Flächenagentur Brandenburg, die Stiftung "Waldwelten & Natura 2000" oder das Projekt "Stadt macht satt", wo es um den Gartenbau mitten in Ballungsräumen geht. Aus der Gegend ist das Zehdenicker Mehrgenerationenhaus "Bienenstock" oder die Imkerei Lehmann mit von der Partie.

"Wir werden sehen, wie die Messe ankommt", sagt Genia Börner-Hoffmann von der DKB-Stiftung. "Wir haben in relativ kurzer Zeit recht viele Aussteller bekommen. Entweder kann die Börse künftig immer parallel zur Jagdmesse laufen oder sie wird eine ganz eigene Veranstaltung." Bei der Jagdmesse auf 1 200 Quadratmetern, der größten in den neuen Bundesländern, präsentieren sich renommierte Hersteller von Waffen, von Jagdbekleidung, Ferngläsern und vielem mehr. Der Eintritt kostet fünf Euro.

Was haben Jagd und Nachhaltigkeit miteinander zu tun? "Jagd ist aus unserer Sicht eine Form von Nachhaltigkeit", erklärt Genia Börner-Hoffmann. Auf dem Schloss und Gut wird Jagd mit der Hege und Pflege der Natur, einem grünen Grundgedanken und einer schonenden Produktion von Fleisch gleichgesetzt. Am Freitagabend vor Beginn der Jagdmesse wird eine neue Produktreihe von in Liebenberg hergestellt Wildprodukten präsentiert, darunter Salami und Schinken, die in einigen Supermärkten und auch vor Ort erhältlich sein sollen.Was tun die Stiftung Liebenberg gGmbH und die DKB noch in Sachen Nachhaltigkeit? Die DKB-Bank hat in ihren Büros und auch Schloss und Gut Liebenberg haben sogenannte Wertstoffboxen aufgestellt. Darin werden wiederverwertbare Dinge aus dem Alltag gesammelt. Wer Wertstoffe loswerden will, also Kleidung, Schuhe, Taschen, Spielzeuge, Möbel, elektronische Geräte oder Werkzeuge, kann die in Liebenberg übrigens kostenlos abgeben. Mitarbeiter des Integrationsbetriebes recyceln sie dann zu Gebrauchsgegenständen, die in der Geschenkmanufaktur angeboten werden. Aus alten Veranstaltungstransparenten werden etwa Umhängetaschen oder Sitzkissen, aus alten Aktenordnern werden Tragevorrichtungen. "Wir haben auch mal einen alten Fallschirm bekommen, daraus werden Haltegriffe für Tüten", so Genia Börner-Hoffmann. Die Stiftung nimmt übrigens auch Bücher als Spenden an. Die gibt sie dann an Kindereinrichtungen weiter. Zur Nachhaltigkeitsmesse wird auch eine Leseecke für junge Literatur-Fans eingerichtet sein. Bei ihren Veranstaltungen werden Teller, Becher und Besteck ausschließlich aus recycelbarer Maisstärke verwendet.

Zudem hat die DKB.Stiftung eine federführende Rolle bei der Neugründung eines Verbandes übernommen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen (bag-if) hat einen Brandenburger Ableger ins Leben gerufen. Sie hat den ebenfalls etwas sperrigen Namen Landesarbeitsgemeinschaft der Integrationsfirmen in Brandenburg. DKB-Stiftungsvorstand Oliver Kahn ist Sprecher der Gruppe. Die Stiftung betreibt in Liebenberg einen der größten Betriebe in Brandenburg, der Menschen mit Behinderungen oder Krankheiten beschäftigt. Mitglied ist in der Gruppe unter anderem auch die "Lebenshilfe Oberhavel Nord" aus Zehdenick.

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