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Verband: Millionen Analphabeten ziehen sich aus Alltag zurück

Jeder siebte Erwachsene in Deutschland kann nicht richtig lesen und schreiben.
Jeder siebte Erwachsene in Deutschland kann nicht richtig lesen und schreiben. © Foto: dpa
27.10.2013, 08:32 Uhr
Nürnberg (dpa) Jeder siebte Erwachsene in Deutschland kann nicht richtig lesen und schreiben. Viele Betroffene ziehen sich deshalb aus dem Alltagsleben zurück. "Neueste Studien haben gezeigt, dass es in Deutschland circa 7,5 Millionen Erwachsene zwischen 16 und 65 Jahren gibt, die so rudimentäre Lese- und Schreibkenntnisse haben, dass sie ihr Leben nicht eigenverantwortlich gestalten können", erklärt Ralf Häder vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung. Von diesem Montag an richtet der Verband in Nürnberg einen Fachkongress zum Thema aus.

"Die Betroffenen stoßen ständig an Grenzen: Bei jedem Einkauf, bei jedem Weg von A nach B. Diese Grenzen führen dazu, dass sie sich oft komplett zurückziehen", sagte Häder der Nachrichtenagentur dpa. Um den Alltag zu meistern, bauten sich viele ein regelrechtes "Schutzsystem" auf oder setzten auf die Hilfe ihrer Partner und Familien.

Häder ergänzte: "Es leben auch nicht alle schlecht damit, viele haben einen Job und eine Familie. Aber es gibt mindestens genau so viele, die darunter leiden und selbst den Ausweg nicht finden." Betroffene gebe es in allen Altersgruppen, unter Männern und Frauen ebenso wie unter Einwanderern und Deutschen.

Hilfsangebote werden unter der kostenlosen, anonymen Hotline 0800 53334455 vermittelt. In spezialisierten Kursen können auch Ältere noch lesen und schreiben lernen. "Schon nach kurzer Zeit hat man andere Menschen vor sich, die wieder aufrecht gehen und an Selbstbewusstsein gewinnen", schilderte Häder seine Erfahrungen.

Ein großes Problem bestehe jedoch darin, dass Analphabetismus erst langsam aus der Tabu-Ecke herauskomme. Betroffene ernteten häufig Unverständnis und bekämen die Schuld für ihr Unvermögen zugeschoben, berichtete Häder. Er würde deshalb nie pauschal allen Betroffenen raten, ihr Umfeld einzuweihen. Umgekehrt empfiehlt Häder, Menschen bei einem entsprechenden Verdacht anzusprechen und Hilfe anzubieten - etwa wenn der Kollege immer gerade dann keine Brille zur Hand hat oder dringend weg muss, wenn es ein Formular auszufüllen gilt.

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wirklich informierter Bürger 27.10.2013 - 22:15:58

@uninformierter Bürger

Lieber vorher mal "informieren", denn Bildungspolitik ist Ländersache(in der Hochschule klappt dann das Lesen & Schreiben).

informierter Bürger 27.10.2013 - 14:22:01

Und das sind die Konsequenzen

Da, neuesten Studien zufolge, jeder siebte Erwachsene in Deutschland nicht richtig lesen und schreiben kann tarnen sie sich im Alltagsleben gekonnt und tauchen ab in ihre Welt. 61,8 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, den 18. Deutschen Bundestag zu wählen. Darunter waren drei Millionen Erstwähler. Ca."7,5 Millionen Analphabeten" sorgten sicherlich dafür das wir in diesem Land, bei der Bundestagswahl 2013, dieses Ergebnis bekamen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestagswahl-2013-wahlergebnis-grafik-bundestag-wahlkreis-a-923496.html Auch diese Erwachsenen die rudimentäre Lese- und Schreibkenntnisse haben, dass sie ihr Leben nicht eigenverantwortlich gestalten können, verhalfen somit der Kanzlerin, Angela Merkel, auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Mit einem Traumergebnis nahe der absoluten Mehrheit haben CDU und CSU bei der Bundestagswahl triumphiert und Merkel die dritte Amtszeit gesichert. Ein schöner Erfolg für Merkel, aber kein Grund zum Feiern. Zitat:Viele Betroffene ziehen sich deshalb aus dem Alltagsleben zurück. Hätten sie es getan, nun ist nichts mehr zu retten. Der Bürger dankt auch diesen Wählern und Wählerinnen herzlich. Tausend mal Danke, dafür!

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