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"Museum geschlossen" - und keiner hat's gemerkt

Dirk Bunsen / 29.10.2013, 17:00 Uhr
(MOZ) Vor elf Jahren wurde das Brandenburger Forstmuseum in Fürstenberg an der Havel mit Prominenz eröffnet, auch der damalige Landwirtschaftsminister Brandenburgs Wolfgang Birthler war anwesend. Jetzt stehen Besucher vor verschlossenen Türen. Anfang August, ein Jahr nach dem zehnjährigen Bestehen, musste das Haus schließen. Keiner wollte es mehr so richtig haben. Dabei hatte die Historikerin Christine Schläfer viel Zeit, Kompetenz und Kraft hineingesteckt.

Alles hatte so gut begonnen. Fürstenberg an der Havel sollte sein erstes Museum erhalten, und dann gleich eines mit landesweiter Bedeutung - das Brandenburger Forstmuseum. Die Bedingungen schienen gut zu sein. Das Forstamt saß in der Stadt und damit viele Forstfachleute. Und da Forstämter bzw. Oberförstereien sich stets zum Ziel setzen, eine gute Öffentlichkeitsarbeit zu leisten - ob mit einem "Grünen Zimmer", waldpädagogischen Angeboten oder musealen Sammlungen - hatten die Fürstenberger Forstleute in den 90er Jahren damit begonnen, die DDR-Forstgeschichte aufzuarbeiten und zu bewahren. Im ganzen Bundesland wurde gesammelt, damit in Fürstenberg - damals noch Waldstadt, heute Wasserstadt - ein Forstmuseum entstehen konnte. Auch die Stadt gab ihren Segen, sollte Fürstenberg doch Erholungsort werden. Und da macht sich ein überregionales Museum gut. Die Stadt hatte sogar ein attraktives Gebäude dafür: ein altes Fachwerkhaus, in dem bis 1993 eine Kita untergebracht war. Es stand leer und sollte abgerissen werden. Nun wurde es, auch mit Geldern der EU und des Landes, saniert. Der gegründete Förderverein, mit vielen Forstleuten als Mitglieder, sowie weitere Partner kümmerten sich um den Inhalt der Dauerausstellung "Waldwege". 600 Quadratmeter standen zur Verfügung. Im Jahr 2002 war es soweit: Das Museum wurde eröffnet - mit dem damaligen Landwirtschaftsminister Wolfgang Birthler. Ein großer Bahnhof also.

Doch mit der Eröffnung schien die Herrlichkeit zunächst vorüber zu sein. Bereits zwei Jahre zuvor war das Forstamt in Fürstenberg aufgelöst worden und hat seinen neuen Standort in Templin erhalten. Damit waren auch die Forstleute nicht mehr vor Ort, die einst von "unserem Museum" sprachen. Noch aus der Ferne beobachtete die Fürstenbergerin Christine Schläfer das Geschehen. Die Historikerin und Archivarin sah, dass die Museumsarbeit völlig einschlief. "Es fehlten Sonderausstellungen, pädagogische Angebote, Aktionen. Keiner kümmerte sich um die Frage, was in den weniger frequentierten Wintermonaten geschehen soll. Die verstreut lebenden Vereinsmitglieder dachten, es genüge, das schöne Haus aufzuschließen. Doch ein Museum muss leben", erzählt sie. "Außerdem musste der umfangreiche Sammlungsbestand gepflegt werden."

Fast schien es so, als spielten die Beteiligten nur Museum. Negativ wirkte sich jetzt auch der Umstand aus, dass die Stadt keine Erfahrung mit Museen hatte. "Es muss sich seine Besucher erkämpfen", sagt sie. "Wenn Nachbarn des Forstmuseums mir sagten, sie hätten gar nicht gewusst, dass das Haus für alle öffentlich, sondern nur für Forstleute zugänglich ist, dann muss etwas schiefgelaufen sein." Nach einer Schließzeit wurde sogar einfach vergessen, das Museum wieder aufzuschließen.

Als Bürgerin der Stadt wurde Christine Schläfer schließlich daraufhin angesprochen, ob sie nicht mal einen Blick auf die Museumsarbeit werfen kann. Das war im Jahr 2006/07. Also klopfte sie beim Vereinsvorstand an und fragte, ob sie einige Tipps geben kann. Da der Zustand auch für den Vorstand nicht mehr haltbar war und er sich überfordert fühlte, die inhaltliche und finanzielle Museumsarbeit zu bewältigen, gab es bereits Stimmen, den Verein aufzulösen.

Da kam Christine Schläfer gerade recht. Jetzt brachte sie mehr Schwung ins Museum. Sie organisierte zeitweilig zwei oder drei Sonderausstellungen pro Jahr zu Themen wie "Das Harz der Märkischen Wälder", "Heinrich Schliemanns Fürstenberger Jahre" oder "Wolf und Mensch". Sie präsentierte Wurzelobjekte eines Künstlers oder altes Handwerk und veranstaltete im Außengelände Schauvorführungen zu Holzarbeiten. Die Wertschätzung stieg. Sie wurde wegen Ausstellungsstücken von anderen Museen angefragt oder zur großen Ausstellung "Jahr des Waldes" 2011/2012 im Berliner Historischen Museum kontaktiert, um Anregungen zu geben. Auch bei der "Grünen Woche" sollte sich das Forstmuseum darstellen.

"Doch letztlich war es Selbstausbeutung", sagt sie. Es glich einem Vollzeitjob auf Ehrenamt-Basis. Zudem war eine kontinuierliche Finanzierung schwierig. Die Stadt ist Eigentümer des Gebäudes, thematisch gehört das Museum zu den Forstämtern und dem Landesbetrieb Forst Brandenburg. Da es als Brandenburgisches Forstmuseum existierte, war auch das Landwirtschaftsministerium gefragt, und der Verein für Forstgeschichte, Regionalgeschichte und Umweltbildung kümmerte sich um die inhaltliche Arbeit. "Immer wieder wurden wir von einem zum anderen geschickt. Die Zuständigkeiten waren nie richtig geklärt. Wir liefen ständig im Kreis."

Im Januar dieses Jahres war dann klar: Es geht nicht mehr weiter. Der Verein, getragen von vielen älteren Forstleuten, die nicht mehr in der Region wohnten und arbeiteten, konnte nicht mehr die Trägerschaft gewährleisten. Und die Stadt zeigte auch kein gesteigertes Interesse, einschließlich des Bürgermeisters. "Aber ich wollte wenigstens noch die Saison bis Ende Juli beenden", erklärt Christine Schäfer enttäuscht. Kurz vor der Auflösung des Vereins übernahm sie dann den Vorsitz. "Man kann schließlich nicht einfach zuschließen. Es gibt Verpflichtungen aus den Förderungen, der Depotbestand und die Leihgaben müssen noch betreut, Finanzierungsfragen geklärt werden."

Noch ist das Museum eingerichtet, noch lädt die Homepage zum Museumsbesuch ein, ebenso wie die Internetseite der Stadt, aber an der Eingangstür hängt ein Zettel: Vorübergehend geschlossen. "Vielleicht bewegt sich ja doch noch etwas", hat Christine Schäfer die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben.

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