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Wenn der Weihnachtsmann Ohrringe trägt

Gedankenaustausch an einem Prötzel-Motiv: Malerin Gisela Rüdiger im Gespräch mit Eberhard Klemke vom Förderverein Schlosskirche
Gedankenaustausch an einem Prötzel-Motiv: Malerin Gisela Rüdiger im Gespräch mit Eberhard Klemke vom Förderverein Schlosskirche © Foto: MOZ
Thomas Berger / 02.12.2013, 19:40 Uhr
Prötzel (MOZ) Dass ein Berliner Junge nicht geringes Erstaunen zeigt, wenn der Weihnachtsmann zu seiner tiefen Stimme plötzlich auch noch einen ungewohnten bayrischen Zungenschlag hat, dürfte verständlich sein. Noch größer ist aber die Verwunderung bei Hänschen, dass der Weißbärtige mit der roten Mütze auch noch Ohrringe trägt - die er offensichtlich Tante Grete entwendet hat. Immerhin hat sie die Stücke aber zurück, als sie wenig später zur Festgesellschaft stößt.

Aus dem Hänschen des Jahres 1947, wegen der prekären Lage in Berlin damals zu Familienfreunden ins Allgäu geschickt, ist inzwischen ein gestandener Mann geworden. Hans Döring, der nicht nur mit diesem Beispiel eine Auswahl witziger wie auch nachdenklicher Kurzgeschichten zum Dezember bot, ist in der Prötzeler Schlosskirche längst kein Unbekannter mehr. Schon öfter hat er wie jetzt am Sonntag die beiden Malerinnen Gisela Rüdiger und Manuela Hinkeldey mit seinen vielgestaltigen Talenten unterstützt.

Ein Adventsnachmittag besonderer Art sollte es diesmal sein, gekennzeichnet einerseits durch eine aktuelle Ausstellungseröffnung, bereichert aber durch die Lesung, die Döring wiederum mit zwei Stücken auf der Orgel einleitete und abschloss - um ganz zum Ende mit dem verbliebenen harten Kern der insgesamt gut 50 Personen zählenden Besucherschar zur Gitarre noch ein paar Weihnachtslieder anzustimmen.

Die Dezember-Stories, unterhaltsam aufbereitete eigene Lebenserinnerungen, sind teils jüngeren Datums, vielfach aber Exkurse in die Kindheit und Jugendzeit. 1946 versammelte sich die Familie um den heißen Topf mit Brotsuppe zum Beispiel, 1948 ist vom Bleigießen mit Bleibuchstaben aus der Setzerei allerhand Erzählenswertes im Gedächtnis geblieben. Gern hätten er und sein Bruder ja die besonders gewichtigen Exemplare wie M und W zerschmelzen lassen. Doch wer will bei M schon "Mist oder Mumps" als Wünsche fürs neue Jahr? Die beiden Künstlerinnen malen ihre Bilder immer an Ort und Stelle - weshalb die Auswahl an Wintermotiven nicht ganz so umfangreich ist. Zu jedem der Werke, Prötzeler Ansichten oder auch solche aus dem Spreewalddorf, wo sie öfter bei ihrem Dozenten zu Gast sind, muss sich der Betrachter beim Entstehungsprozess die kalten Füße, laufenden Nasen und eine Thermoskanne mit Glühwein dazudenken.

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