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Vorurteile gegen Flüchtlinge abbauen

Maria Ugoljew / 18.12.2013, 19:12 Uhr
Oranienburg (MZV) 2014 sollen in Oranienburg zwei Asylbewerberheime eröffnet werden. Wann und wo die Flüchtlinge ihre Notunterkünfte beziehen, steht noch nicht fest. Doch schon heute macht sich eine Initiative Gedanken, wie Bürger den Menschen helfen und wie Vorurteile gegenüber den Fremden abgebaut werden können.

Als im sozialen Netzwerk Facebook vor wenigen Wochen eine heftige und teils rechtspopulistische Diskussion zum Thema Asylbewerberheime in Oranienburg entfachte, war Enrico Rossius eines sofort klar: Es muss etwas passieren, um gegen die rassistischen Vorurteile vorzugehen. "Der Rassismus soll sich gar nicht erst hochschaukeln", sagt der Vorsitzende von Die Linke in Oranienburg. Gemeinsam mit den Mitgliedern des Forums gegen Rassismus und rechte Gewalt regte er deshalb die Initiative "Willkommen in Oranienburg" an. Am Dienstagabend hat sich die Gruppe zu einem ersten Gespräch im Bürgerzentrum getroffen.

Mit am runden Tisch saßen neben Vertretern von den Parteien Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen auch Schüler des Runge- und des Louise-Henriette-Gymnasiums. Als Ehrengäste luden die Veranstalter auch Mitglieder des Hennigsdorfer Vereins u.r.i. united against racism and isolation (zu deutsch: gemeinsam gegen Rassismus und Isolation) ein, die in der Flüchtlingsarbeit schon viel Erfahrung gesammelt haben. Leben doch in Hennigsdorf bereits mehr als 100 Asylbewerber.

"Es sind Menschen wie du und ich", sagt Marina Schneider, die sich in der Hennigsdorfer Bürgerinitiative Ratschlag stark macht. "Sie wollen auch nur leben", betont sie. Das müsse den Bürgern klargemacht werden. Mit Angst und Vorurteilen komme man nicht weit. Die Hennigsdorferin organisiert unter anderem die Aktion Lernpatenschaft, in der deutsche und ausländische Schüler sich treffen und in lockeren Gesprächen die Sprache des jeweils anderen lernen - und ganz nebenbei auch die fremde Kultur kennenlernen.

Tobias Becker vom Verein u.r.i. berichtet davon, wie er Asylbewerber bei Behördengängen unterstützt oder immer wieder im Heim vor Ort ist, um Kontakt zu den Menschen aufzunehmen und so von ihren Sorgen und Nöten zu erfahren. "Sie haben hier nicht das Recht, eine Ausbildung anzufangen oder zu arbeiten, sie leben auf engstem Raum mit Menschen, die sie nicht kennen und die sie sich nicht aussuchen können," sagt Tobias Becker. Da seien Probleme vorprogrammiert. Hinzu komme, dass die Flüchtlinge aus Krisenregionen stammen und oftmals traumatisiert sind. "An psychologischer Betreuung mangelt es jedoch", so Tobias Becker. Seine Hilfe aufzwingen könne man jedoch niemandem. "Nicht jeder will das", sagt er, "und auch nicht jeder ist nett und freundlich. Im Wohnhaus nebenan leben ja auch nicht nur liebe Menschen." Darauf sollten die freiwilligen Helfer in Oranienburg vorbereitet sein.

Derzeit plant u.r.i. eine Veranstaltungsreihe, in der Flüchtlinge an Schulen über ihren Alltag, ihre Herkunftsländer und Fluchtgründe sprechen. Dass Aufklärung bei den jungen Menschen notwendig ist, bestätigt auch einer der Schüler des Runge-Gymnasiums. "Viele wissen nicht, wie es um die Menschen steht", sagt der junge Mann. Ein Vorurteil sei beispielsweise, dass sie viel zu viel Geld bekämen. "Dabei bekommen sie weniger als Hartz-IV-Empfänger", so Tobias Becker.

Das nächste Treffen der Initiative "Willkommen in Oranienburg" findet am Dienstag, 28. Januar, im Bürgerzentrum, Albert-Buchmann-Straße 17, ab 18.30 Uhr statt. Interessierte Bürger sind herzlich willkommen.

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