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Manja Wilde 10.01.2014 07:52 Uhr
Red. Fürstenwalde, fuerstenwalde-red@moz.de

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Angst um das Dach über dem Kopf

Reichenwalde (MOZ) Lutz Thormeyer hat Angst. Angst um seine Existenz. "Ich wäre der erste Obdachlose von Reichenwalde", sagt der 55-Jährige. Die Worte klingen wie ein Witz, denn Thormeyer steht vor seinem Haus. Doch nach Späßen ist ihm nicht zumute.

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© MOZ

Es ist jetzt anderthalb Jahre her, dass Lutz Thormeyer das erste Mal vom Bauordnungsamt des Kreises aufgefordert wurde, die illegalen Anbauten an seinem "Wochenendhaus" abzureißen. Und nicht nur er. Auch Nachbarn erhielten Post, weil sie entweder fest in ihren Häusern leben oder Anbauten vorgenommen haben. Beides ist auf den Parzellen an der Silberberger Straße, einem Sondergebiet "Wochenendhaus", nicht möglich.

Der Fall ist kompliziert. Denn der ehemalige Bürgermeister von Reichenwalde, Harry Schwarz, hatte zum Beispiel Lutz Thormeyer damit "geworben", dass er sich ein Wohnhaus bauen darf. "Das war auch die Absicht unserer Gemeinde, um die Einwohnerzahl zu erhöhen und Steuern einzunehmen", sagt der 76-Jährige heute. Darum habe man Gas- und Wasserleitungen legen lassen. "Es gab aber Gegenwind vom Kreis. Und wir setzten uns nicht mehr genug dafür ein."

Lutz Thormeyer erhielt 2000 die Baugenehmigung für sein Wochenendhaus, errichtete es, meldete seinen Hauptwohnsitz an, baute an und hoffte, dass die Umwandlung in Bauland erfolgen würde. Vergeblich. Zwischenzeitlich ließ er mit Hilfe der Gemeinde sein komplettes Haus sogar ins Grundbuch eintragen.

Das "Wochenendgebiet" umfasst elf Grundstücke, alle mit Bungalows oder Finnhütten. Seit die ersten Verfügungen eingingen, setzten sich die Eigentümer zusammen. "Im September 2012 baten wir die Gemeindevertretung um Hilfe", sagt Thormeyers Nachbarin, Christa Heide. Das Land Brandenburg signalisierte daraufhin, dass Reichenwalde genug Bauland habe und kein neues hinzukommen könne. Parallel dazu brachten die Grundstückseigentümer eine Klarstellungssatzung auf den Weg, um bestehende Bauten zu legalisieren und Wohnrecht zu erhalten.

Verabschiedet ist die Satzung bis heute nicht. Die Stellungnahme des Umweltministeriums steht seit sechs Monaten aus. Thormeyer und den anderen läuft aber die Zeit davon. Im September erneuerte das Bauordnungsamt seine Forderungen: Auszug und Abriss. Die Frist läuft im März ab.

Im Dezember machte Christa Heide sich daher erneut in der Gemeindevertretung Luft, zählte das Amt Scharmützelsee an, sich zu wenig einzusetzen. Unverständlich sei auch, dass das Gebiet Außenbereich ist, obwohl Nachbarn Baugenehmigungen nach Innenbereich erhielten, sagt sie. "Es findet eine Entwertung unserer Grundstücke statt."

Amtsdirektor Carsten Krappmann lässt das nicht gelten. Er spricht von "hausgemachtem Leid", da bewusst "illegale Anbauten" getätigt wurden. Auch mit der Satzung "wird es nicht möglich sein, all das zu genehmigen", sagt er. Vor Weihnachten mahnte das Amt das Land erneut wegen der Stellungnahme an, nahm auch mit dem Bauordnungsamt des Kreises Kontakt auf. Auf MOZ-Nachfrage teilte die dortige Sachgebietsleiterin, Petra Schmidt, mit: "Die untere Bauaufsichtsbehörde wird erlassene Ordnungsverfügungen nicht vollstrecken, solange die Gemeinde zu erkennen gibt, mit planungsrechtlichen Mitteln eine Zulässigkeit von Bauvorhaben zu erreichen." Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Auch mit der Satzung können "Wohnhäuser bzw. ein Wohnen in Wochenendhäusern nicht genehmigt werden", teilt Petra Schmidt weiter mit. Der Grundbucheintrag habe darauf ebenso keine Auswirkung.

Lutz Thormeyer, Christa Heide und deren Ehemann Michael wollen die Hoffnung dennoch nicht aufgeben. Sie möchten wenigstens das Recht auf Duldung erwirken. Dies kann unter besonderen Umständen, zum Beispiel Alter oder Krankheit, gewährt werden.

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