Frankfurt (Oder) (moz) „Es war wie immer“, erinnert sich Walter Womacka, „die Auftraggeber hatten keine Ahnung, was sie eigentlich wollten.“ Aber die Idee für ein Kunstwerk an der Fassade des Bauministeriums in Ostberlin lag ja nahe: Womacka versah einen fröhlich grüßenden Bauarbeiter 1968 mit Insignien von Wissen und Fortschritt. Warum er das 15 Meter hohe und sechs Meter breite Wandbild auf bunten Kacheln „Der Mensch, das Maß aller Dinge“ nannte, ist dem heute 84-Jährigen auf Anhieb nicht mehr in Erinnerung. „Bauen, na, das ist doch etwas ganz Wesentliches, hat mit dem Menschen zu tun“, sagt er.
Womacka, einst Rektor der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und Vizepräsident des Verbandes der Bildenden Künstler der DDR, hörteam Donnerstag zum ersten Mal, dass sein Wandbild in der Breiten Straße in Berlin nicht bleiben soll. Das Haus wird abgerissen, ebenso wie das einstige DDR-Zentralamt für Statistik in der Otto-Braun-Straße, in dem bis vor zwei Jahren die Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen saß. Geplant sind neue Wohn- und Geschäftshäuser. Im „Rittersaal“ in der Otto-Braun-Straße hängt aber noch das „Lob des Kommunismus“ von Ronald Paris. Ein Hauptwerk des heute in Rangsdorf lebenden Malers, wie der Kunsthistoriker Peter Feist meint. Die Bundesanstalt für Immobilienfragen will nun beide Wandbilder verschenken. Die Geste hat natürlich einen Haken. Allein das elf Meter lange Werk von Paris „umzubetten“ kostet über 18 000 Euro.
Walter Womacka erlebte 1995/96 vergebliche Versuche, seine Wandgestaltungen im einstigen Außenministerium zu retten. Die hatten nicht viele DDR-Bürger gesehen, bevor das Gebäude am Marx-Engels-Platz abgerissen wurde. Der Maler nannte die 1967 direkt auf Innenwände aufgetragenen Werke des Zyklus’ „Der Mensch gestaltet seine Welt“ später seine besten. Er verarbeitete den Verlust im Ölbild „Rückbau“. Erhalten blieb sein berühmtes Natursteinmosaik am einstigen Haus des Lehrers in Berlin. Aber auch in Eisenhüttenstadt sind mehrere baugebundene Arbeiten des durchaus umstrittenen DDR-Künstlers zu sehen.
Ein Womacka-Freundeskreis versucht seit 2007 darüber zu wachen, dass nicht noch mehr Arbeiten dem Abriss von Gebäuden zum Opfer fallen. Womacka selbst sieht das fast schon gelassen. Baugebundene Kunst sei eben auch an den jeweiligen Bau gebunden, sagt er. „Das Bild zu sichern wäre natürlich gut, aber das Vorhaben scheint mir nicht sehr erfolgversprechend.“
Die Linken im Bundestag haben inzwischen zu den Berliner Wandbildern die Meinung ihres Berliner Genossen Thomas Flierl, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, eingeholt. Flierl spricht von öffentlichem Kunstbesitz, für dessen Bewahrung der Bund zuständig sei. Er kritisiert also die Abwälzung dieser Kosten auf eventuelle Erwerber.
„Das müssen ja keine Privatpersonen sein. Vielleicht will auch ein Museum die Bilder haben“, wagt Frank Beseke von der Kunstverwaltung des Bundes zu hoffen. Gestern hatte er für das Paris-Bild einen Bewerber aus Reichenbach an der Strippe. Das Angebot steht allerdings schon seit dem vorigen Sommer im Internet und bisher sind alle Interessenten am „Lob des Kommunismus“ wieder abgesprungen. Sie scheuen die Folgekosten.
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