Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Selbst ernannte Raumpioniere beleben Areal der Papierfabrik Wolfswinkel / Kündigung zum Ende März

Hilferuf der Wagenburg-Bewohner

Überzeugungstäterinnen mit Kaufabsichten: Melanie Ulmer, Amelie Wienecke und Susann Nietzsche (v. l.) stehen auf dem Gelände der einstigen Papierfabrik, das sie für ein selbst verwaltetes Projekt nutzen.
Überzeugungstäterinnen mit Kaufabsichten: Melanie Ulmer, Amelie Wienecke und Susann Nietzsche (v. l.) stehen auf dem Gelände der einstigen Papierfabrik, das sie für ein selbst verwaltetes Projekt nutzen. © Foto: MOZ/Sven Klamann
Sven Klamann / 05.02.2014, 20:58 Uhr - Aktualisiert 05.02.2014, 23:51
Eberswalde (MOZ) Auf dem Areal der alten Papierfabrik Wolfswinkel steht Eberswaldes einzige Wagenburg vor dem Aus. Ihre Bewohner, die sich als Raumpioniere sehen, suchen dringend Unterstützer.

Acht Erwachsene und Kinder leben aktuell in der parkähnlichen Anlage an der Bundesstraße 167, die keinem Ortsfremden auffällt und nur wenigen Eberswaldern bekannt ist. Nicht etwa in den Villen und Produktionsgebäuden des seit kurz nach der Wende in Liquidation befindlichen Betriebes, die scheinbar unaufhaltsam verfallen. Sondern in sieben Bauwagen ohne Stromanschluss und fließend Wasser. Seit fünf Jahren schon gibt es das selbst verwaltete, alternative Projekt, das Wohnen, Leben und Arbeiten in einer fast dörflichen Struktur vereint. Die Gemeinschaft seit nicht aus einer Notlage heraus entstanden. "Wir sind Überzeugungstäter, die sich der Belebung, Bewirtschaftung und dem Erhalt eines aus der Nutzung gefallenen industrie-historischen Geländes angenommen haben", sagt Susann Nietzsche (28), die an der Eberswalder Hochschule arbeitet und zu den Wagenburg-Bewohnern zählt, die erst seit wenigen Monaten dabei sind. Hingegen gehören Amelie Wienecke (35) und Melanie Ulmer (31), beide Studierende an der Hochschule, zu den Aktivistinnen, die vor fünf Jahren auf dem 5,4 Hektar großen Grundstück den Anfang machten. "Und dies keineswegs als Besetzerinnen, die einfach so über fremdes Eigentum hinweggehen", hebt Amelie Wienecke hervor. Und Melanie Ulmer verweist auf das Nutzungsrecht, das ihr und ihren Mitstreiterinnen von Ursula Gripekoven, der Liquidatorin der Papierfabrik Wolfswinkel, eingeräumt wurde. "Auf der Grundlage dieses Vertrags beleben wir dieses vergessene Eberswalder Kulturerbe als Raumpioniere und wirken so aktiv Vandalismus entgegen", sagt Melanie Ulmer.

Schon vor drei Jahren hätten die Liquidatorin und der sie beratende Erbenermittler Arnd Siegel aus Osnabrück (Niedersachsen) den Wagenburg-Bewohnern das Gelände zum Kauf angeboten, blickt Susann Nietzsche zurück. Die Gemeinschaft sei nach reiflicher Überlegung einverstanden gewesen und in Verhandlungen eingestiegen. Sie habe eine notarielle Beglaubigung vorgelegt, ein Bodengutachten erstellen lassen und sogar eine gemeinnützige GmbH gegründet, die Projekte auf dem Grundstück vorantreiben sollte. "Wir hoffen immer noch, dass es dazu kommt", betont Amelie Wienecke. Schließlich hätten sich beide Vertragspartner auf einen Kaufpreis geeinigt - "einen Betrag im mittleren fünfstelligen Bereich". Doch der Geschäftsabschluss sei aus für die Wagenburg-Bewohner unerklärlichen Gründen immer wieder verschoben worden.

Im November vorigen Jahres sei der bis dahin wohlwollende und freundliche Kontakt durch schriftliche Auflagen und Anschuldigungen ersetzt worden. "Ende November 2013 wurde uns mit einer absurd kurzfristigen Zwangsräumung von drei Wochen gedroht", berichtet Melanie Ulmer. Die Bewohnergemeinschaft habe daraufhin einen Anwalt eingeschaltet, der eine fristgerechte Kündigung zum 31. März 2014 erstritt. "Seit Ende Januar ist uns der Zugang zu Wasser aus dem Sanitärhaus der ehemaligen Papierfabrik verwehrt", sagt Susann Nietzsche. Daran habe sich bis heute nichts geändert, obwohl das Eberswalder Amtsgericht einem Eilantrag der Wagenburg-Bewohner stattgegeben habe.

Mit der Bitte um Vermittlung haben sich die Raumpioniere unter anderem an Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski und Baudezernentin Anne Fellner gewandt. Mit dem Verweis darauf, dass ihre Art der Nutzung die einzige sei, die das Gelände mittelfristig ohne horrende Investitionen bewohnbar mache. "Zum Stadtentwicklungs- und zum Kulturamt stehen wir ohnehin in engem Kontakt", betont Susann Nietzsche.

Der Erbenermittler kündigt eine anwaltliche Stellungnahme an. Die Vermarktung des Areals beginne, wenn der Status quo wiederhergestellt sei.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG