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Maria Neuendorff 10.02.2014 18:52 Uhr

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Gute Aussichten für die Plattenbausiedlung

Berlin (MOZ) Vor 30 Jahren wurde in Hohenschönhausen der Grundstein für eine neue Plattenbausiedlung gelegt. In nur fünfeinhalb Jahren entstanden 30 000 Wohnungen für 90 000 Menschen. Die Mieten sind bis heute erschwinglich - was dem Stadtteil im Nordosten Berlins inzwischen wieder Zuzug beschert.

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Rolf Meyerhöfer auf dem Dach eines Hochhause in der Zingszter straße in Hogenschönhausen (Berlin). Er gehörte 1985 zu den ersten Mietern die in den neuen Stadteil zogen.

© MOZ

Die erste Nacht schlief Rolf Meyerhöfer mit seiner Familie auf Luftmatratzen. Um sie herum drehten sich 1985 überall Kräne. Sie lebten quasi auf einer Baustelle. Doch sie waren glücklich. Endlich eine Vierraumwohnung, für jedes Kind ein eigenes Zimmer. Endlich keine Kohlen mehr schleppen. "Stattdessen kam das warme Wasser, ohne dass man etwas tun musste. Das war schon was Tolles", sagt der pensionierte Lehrer, der damals aus Neubrandenburg in die Hauptstadt der DDR gezogen war, weil er einen Job in der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften bekommen hatte. Er und seine Familie gehörten zu den ersten Mietern dieser auf dem Reißbrett geplanten Großsiedlung. "Regelmäßig spazierten wir durch das Viertel und staunten, wie die Häuser in die Höhe wuchsen, so etwas kannten wir vorher nicht", erinnert sich der heute 71-Jährige.

Die Geschwindigkeit, in dem die Neubausiedlung hochgezogen wurde, beeindruckt ihn bis heute. In einer hundertseitigen Chronik über den Lichtenberger Ortsteil erinnert Meyerhöfer unter anderem an den Jugendbrigadier Klaus-Dieter Krohn. Der "Held der Arbeit" hatte in einer Schicht 67 Großplatten montiert und damit einen Rekord aufgestellt. "An jedem Tag wurden 20 Wohnungen übergeben. Das Tempo war ungeheuer", berichtet Meyerhöfer. Gearbeitet wurde im Dreischichtsystem. Eine neue Winterbautechnologie ermöglichte auch ein Weiterarbeiten bei strengem Frost. Bei dem ehrgeizigen Bauprogramm, das in Ost-Berlin bis 1990 die Wohnungsnot beheben sollte, wurden erstmalig vollmontagefähige Abwassernetze erprobt. In den Nasszellen, die per Reichsbahn und Schwerlasttransporter angekarrt wurden, waren Wannen, Toiletten- und Waschbecken schon vorher eingebaut worden.Die Platten hatten unterschiedliche Farbtöne. Manchmal musste eine wieder ausgetauscht werden, weil die Bauarbeiter in der Dunkelheit nicht gesehen hatten, dass sie nicht zum Rest passt.

"Doch aus vielen Fehlern, die vorher in Marzahn gemacht worden waren, hatte man gelernt", berichtet der Ortschronist. "Zum Beispiel, dass die Straßen und Bordsteine nicht erst hinterher angelegt, und die neuen Bewohner nicht durch Schlamm und Dreck laufen müssen." Doch das Rathaus und die Kultureinrichtungen waren auch in Hohenschönhausen erst für ganz zum Schluss geplant. Die Plätze, auf denen sie entstehen sollten, sind bis heute leer. Die Wende kam, die graue Eintönigkeit sorgte dann auch für den Wegzug von jungen Erwachsenen. Doch ganz so drastisch, wie in vielen anderen ostdeutschen Plattenbausiedlungen kam es nie. "Das liegt daran, dass die städtische HOWOGE direkt nach der Wende in Hohenschönhausen alles zügig durchsaniert hat", erklärt Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD). So gebe es heute in dem Stadtteil die niedrigsten Betriebskosten in ganz Berlin. Der Ortsteil erfahre seit ein paar Jahren wieder Zuzug. Der Leerstand liegt bei unter zwei Prozent. Pro Quadratmeter zahle man durchschnittlich 5,50 Euro. 25 Straßenbahn-Minuten entfernt, rund um den Alexanderplatz in Mitte, sind es 13 Euro.

Damit der allgemeine Preisdruck nicht das Quartier rund um den Prerower Platz erreicht, werden auch dort inzwischen wieder neue Wohnungen errichtet. Viele Fördermillionen flossen zudem in Parks und Kinderspielplätze. "Die Schulen, die vor ein paar Jahren abgerissen wurden, werden jetzt wieder aufgebaut", sagt Rolf Meyerhöfer, der mit seiner Frau immer noch in derselben Wohnung lebt. Heute engagiert er sich im Förderverein Schloss Hohenschönhausen. Wenn das alte Gutshaus fertig rekonstruiert ist, soll dort auch endlich die Kultur Einzug halten, die trotz aller bunten Wandmalerei bis heute im Quartier fehlt.

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