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Selbstbewusste junge Musiker

Temporäres Gitarren-Duo: Emily Hoheisel und Lutz Schumacher sind es gewöhnt, vor Publikum aufzutreten.Foto: Heike Weißapfel
Temporäres Gitarren-Duo: Emily Hoheisel und Lutz Schumacher sind es gewöhnt, vor Publikum aufzutreten.Foto: Heike Weißapfel © Foto: MZV
Heike Weißapfel / 10.02.2014, 20:00 Uhr
Glienicke (MZV) "Ich bin der glücklichste Gitarrenlehrer der Welt", sagt Lutz Schumacher über sich. Seit dreieinhalb Jahren unterrichtet er das Instrument in Glienicke. Dort ist er auch Leiter des Schulchores. Jedes Jahr wird eine eigene CD aufgenommen. "Ich will die Kinder stark machen", erklärt Schumacher.

Emily Hoheisel hat ihren Gitarrenlehrer Lutz Schumacher kennengelernt, als sie in der ersten Klasse war. Zwei Schulfreundinnen haben sie überredet, mit in den Chor zu gehen, erzählt sie."Ich fand aber blöd, dass in dem Chor nur der Lehrer Gitarre gespielt hat und kein Kind." Dass ihr Vater auch Gitarre spielt, war ein Grund mehr.

Inzwischen ist Emily zehn und in der fünften Klasse. Selbstbewusst kommt sie in den kleinen Musikraum im Schulgebäude, den Schumacher gemietet hat, schnappt sich eine Gitarre und singt gefühlvoll und mit klarer Stimme ein Liebeslied: "Ich weiß, ich kann dir nicht sagen - ohne dich ist einfach alles schwarz."

"Bei dem Stück treffe ich manchmal die Griffe nicht", hatte Emily vorher noch fast entschuldigend erläutert. Doch dann ist ihr keine Unsicherheit anzumerken. Es ist schon ein Jahr her, dass sie es selbst komponiert, den Text geschrieben und das Lied im Studio in Friedland aufgenommen hat - und auch damals brachte Emily sogar bereits Erfahrung mit. Denn es ist schon die zweite CD der Coolen Kids, auf der die junge Singersongwriterin vertreten ist.

Emily hat genau das Selbstbewusstsein, das sich Lutz Schumacher für alle seine Schüler wünscht. "Die Kinder sollen stark sein", sagt Schumacher. Dazu will er mit Gitarre und Gesang beitragen.

Gitarren, Notenständer, eine Tafel, Stühle im Kreis und ein paar Bänke füllen das kleine Zimmer. "Meine zehn Gitarristen sind mein ganzer Stolz", erzählt der energiegeladene Musiker, der an die 60 Schüler, darunter auch einige Erwachsene, unterrichtet. Für die Kinder wechselt er auch die Saiten und stimmt das Instrument.

"Der Unterricht ist oft lustig, aber es wird auch viel gearbeitet. Ich mache klare Ansagen, und wer stört, muss gehen. Ich sehe mich als liebevoll, aber autoritär", erklärt er seinen Stil. "Und die Kinder mögen das. Manchmal ist in diesem Raum kein Sauerstoff mehr. Wir haben bei den Übungsstunden öfter viele Zuschauer, die dann eine Stunde lang stillsitzen müssen."

Dass die Kinder eigene Lieder schreiben und diese bei einem gemeinsamen Wochenende im mecklenburgischen Friedland aufgenommen werden, gehört zum Konzept. Schumacher hört heraus, in welche Richtung ein Song geht, was die Kinder ausdrücken wollen, er hilft vorsichtig bei Reim und Grammatik nach, bis alle mit dem Ergebnis zufrieden sind. Am Ende hält jeder das gepresste Ergebnis in den Händen und ist stolz, dass der eigene Name auf dem Cover steht.

"Manchmal guckt einer aus dem Fenster und singt plötzlich eine Zeile über den Schnee", sagt Schumacher, der den größeren Kindern auch mal die Gitarren-Hausaufgaben erlässt und sich freut, wenn sie von den eigenen Klängen inspiriert werden, sich hinsetzen und "klimpern".

Vielseitige CDs sind entstanden. Die Kinder singen von Ferien und Weltreisen, von der kleinen Schwester und von Helloween. Mal wird gerockt, mal gerappt, und in jedem Lied lassen sich die Kinder ein bisschen in die Seele schauen. "Dazu gehört viel Mut", so Schumacher.

Chor und Gitarrenschüler ergänzen sich gegenseitig. Alle können die Lieder auf den CDs auswendig, das ist Ehrensache - und außerdem gibt es öfter mal die Gelegenheit für Bühnenauftritte in der Gemeinde.

Lutz Schumacher hat allerhand Berufserfahrungen gesammelt, bevor er vor dreieinhalb Jahren in Glienicke den Chor aufgebaut hat. Ursprünglich wollte der Berliner mit seiner Band "Quid pro quo" professionell als Musiker arbeiten. Er hat als Koch und als Gärtner sein Geld verdient, hat Bücher geschrieben und viele Jahre in einem Kinderheim sowie in der Tagespflege gearbeitet. Seinen ersten Kinderchor hat er in Marzahn-Hellersdorf geleitet. Eine Band ist daraus entstanden, die "Zickengörlz". Auch da ging es Schumacher darum, Selbstbewusstsein zu fördern.

Das führt er nun in Glienicke weiter, auf Honorarbasis für die Gemeinde, als Chorchef für die drei Formationen der "Coolen Kids" und als selbstständiger Gitarrenlehrer. "Die Kinder schaffen was Eigenes, und die Gitarre ist dazu im wahrsten Wortsinn Instrument."

Seit einem Jahr ist Lutz Schumacher auch nach Glienicke umgezogen - der Arbeit hinterher, wie er gerne sagt. Für die nächste CD wird schon fleißig komponiert.

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