to_top_picture
Anmelden
Anmelden

Freitag, 28. April 2017
ABO-ButtonePaper-ButtonKONTAKT-Button


Sie haben 8 von 10 Gratis-Artikeln gelesen.
x
Registrieren Sie sich jetzt und lesen Sie im Monat bis zu 20 Artikel kostenlos.
Jetzt kostenlos registrieren
Bereits registriert? Bitte anmelden

Cornelia Hendrich 25.02.2014 06:37 Uhr
Red. Bad Freienwalde, freienwalde-red@moz.de

artikel-ansicht/dg/0/

Ein einfaches, bescheidenes Leben

Bad Freienwalde (MOZ) Um die Lebensphilosophie von Kurt Kretschmann ging es bei einem Vortrag von Günter Queißert, seinem langjährigen Freund, im Haus der Naturpflege. Er erzählte vieles, das einigen neu sein dürfte, etwa über das Liebesdreieck Kurt, Erna und Herbert.

artikel-ansicht/dg/0/1/1250056/
 

Bei Kaffee und Kuchen: Günter Queißerts Vortrag fand im Haus der Naturpflege interessierte Zuhörer.

© Cornelia Hendrich

Es gehe um die Philosophie Kurt Kretschmanns, so Günter Queißert. "Ich spreche dabei nicht über Wortakrobatik," sagte er, "sondern von der in der Realität gelebte Philosophie."

25 Jahre war Günter Queißert mit Kurt Kretschmann, dem Naturschützer und Vater der Naturschutzeule, bis zu seinem Tod befreundet und führte lange Gespräche mit ihm. Er erinnert sich an Kurt Kretschmanns Witz: So hätte bei Kurt einmal ein Zettel an der Wohnungstür gehangen: "Wenn Besuch kommt, bitte mich wecken, alle Türen sind offen". Die Zuhörer im Haus der Naturpflege mussten lachen. Eine typische Lebenseinstellung für Kurt Kretschmann sei dies gewesen, sagte Günter Queißert.

"Ich habe mich niemals bemüht, viel Geld zu verdienen", hatte Kurt Kretschmann immer gesagt. "Aber mich bemüht, das, was ich richtig fand, durchzusetzen." "Wir (er und seine Frau Erna) streben nach innerem Reichtum. Den hat nur der Mensch, der über sich selbst hinauswächst, sich an der Natur und Tieren erfreut, eine Mission hat, sich um anderes kümmert als sich selbst", das war seine Meinung. Die Welt sei so schön, und die Menschen sähen sie nicht, hetzen, bauen auf, bauen ab und sterben schließlich in ihrem zusammengerafften Besitz. Warum erkennen so wenige die Pracht dieser Erde?, fragte sich Kurt Kretschmann.

Er und seine Frau Erna waren da ganz anders, erzählt Günter Queißert. Durch bis nach unten geschraubte Bedürfnislosigkeit, durch ein spartanisch einfaches Leben wollten sie den inneren Reichtum erhöhen. Sie machten sich, soweit es nur irgend ging, frei von allem Besitz und lebten mit der Natur. Sie hatten das, was viele nicht hatten - Zeit. Die verbrachten sie mit Nachdenken und mit vielen, vielen Büchern, Émile Zola, Dostojewski, Hermann Hesse, erzählt Günter Queißert. Wobei Erna bei Büchern Kurt weit voraus war, wie Kurt selbst zugab. Sie ernährten sich pflanzlich, auch aus ethischen Gründen.

Aber das war, als Kurt Erna bereits kennengelernt hatte. Davor, als junger Mann, hielt er von Frauen eher Abstand. Er war unterwegs mit seinem Freund Herbert Marquardt. Die "Modetorheiten" der Frauen und dass diese sich nur für Tanz und Film zu interessieren schienen, war nichts für sie. Bis Erna kam, die mit ihrem "köstlichen Frohsinn" und dem weichen, empfänglichen Gemüt das Herz beider junger Männer brach. "Ihre Seele war noch begeisterungsfähig", sagt Kurt über sie. Er mochte ihr "stilles, gütliches Geben". Erna gab den jungen Männern den Glauben an die Frauen zurück. Es dauert jedoch seine Zeit, denn Erna lebte damals noch in einer "verfehlten Ehe", während Kurt und Herbert wie Geschwister zusammenlebten.

Die spätere Ehe zwischen Kurt und Erna sei sehr glücklich gewesen, so Günter Queißert. Jeder hätte sie darum beneidet. "Erna ist eine Frau, in die man sich noch in ihrem 80. Lebensjahr verlieben kann", sagte Kurt. Doch darin steckte auch eine Dreiecksbeziehung. Denn Herbert liebte Erna auch, das geht aus seinen Briefen hervor, die er von der Front schrieb, auch wenn er sich nie zwischen Kurt und Erna stellen würde und ihr Glück immer unterstützen wollte. Herbert hatte mit 27 noch keine Frau. Es war eine feste Dreiecksbeziehung. Sei hatten sich vorgenommen, zu dritt ihr Lebensglück zu finden. Sie waren einander alle sehr eng verbunden, bis Herbert 1941 an der Front den Tod fand.

Kretschmann schrieb später dazu das Buch "Erinnerungen an meinen im Hitler-Krieg gefallenen Freund Herbert Marquardt". Kurt und Erna Kretschmann lebten weiter auf dem von ihnen eingeschlagenen Weg: einfach und bescheiden. Und sie ernährten sich sehr gesund. Kretschmann ärgerte sich unter anderem über sexuell aufgemachte Zeitschriften. Wobei Kurt Kretschmann nichts gegen Nacktheit hatte, sondern vor allem die Art anprangerte, wie damit Geld verdient werde. Sie stellten sich weiter gegen den Konsum, gegen Mammon als höchstes Lebensziel.

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

Artikel kommentieren   Lesezeichen setzen   Nachricht an die Redaktion   Druckversion

Regionalnavigator

Landkreiskarte Brandenburg Ostprignitz-Ruppin Potsdam-Mittelmark Brandenburg/Havel
MOZ

Ort, PLZ oder Redaktion