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Kult um Kurt Kretschmann

Lobte die Verdienste Kurt Kretschmanns: Umweltministerin Anita Tack (Linke) betonte in ihrem Grußwort, dass der Naturschützer schon früh europaweit dachte. Sein Erbe liege beim Haus der Naturpflege in guten Händen, lobte sie den Bad Freienwalder Verein. D
Lobte die Verdienste Kurt Kretschmanns: Umweltministerin Anita Tack (Linke) betonte in ihrem Grußwort, dass der Naturschützer schon früh europaweit dachte. Sein Erbe liege beim Haus der Naturpflege in guten Händen, lobte sie den Bad Freienwalder Verein. D © Foto: Andreas Karpe Gora
Inga Dreyer / 02.03.2014, 19:57 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Am 2. März wäre Kurt Kretschmann 100 Jahre alt geworden. Aufzuzählen, welche Impulse er anderen Menschen gegeben hat, würde weitere hundert Jahre in Anspruch nehmen. Das bewiesen die Grußworte und Vorträge bei der Festveranstaltung am Sonnabend.

Freigeist, Kriegsgegner, Naturfreund, Musikliebhaber und Verfechter der vegetarischen Lebensweise - Kurt Kretschmann hat mit seinen Idealen und Leidenschaften die unterschiedlichsten Menschen inspiriert.

Zu seinem 100. Geburtstag hatte der Verein Haus der Naturpflege für Sonnabend in die Bad Freienwalder Konzerthalle eingeladen. Zahlreiche Anekdoten und Puzzlestücke aus seinem Leben setzten sich im Laufe des Nachmittags zu einem Mosaik zusammen. Doch trotz der länger als vier Stunden dauernden Veranstaltung ließ keiner der Vortragenden einen Zweifel daran, dass noch viel mehr hätte gesagt werden können.

Umweltministerin Anita Tack betonte in ihrem Grußwort, innere Beweggründe seien für das Gedenken wichtiger als ein Jubiläum. Kurt Kretschmann habe ein aufrichtiges und bescheidenes Leben geführt. Sie hob seinen pragmatischen Ansatz hervor, den energischen Kampf für seine Ideale und den Weitblick, den er gehabt habe. "Er war ein Mensch, der schon früh europaweit dachte und Kontakte pflegte." Neben der Unterstützung durch die Stadt Bad Freienwalde und Mitgliedsbeiträge sei die kontinuierliche Förderung durch das Land die dritte Säule, auf der die Vereinsarbeit ruhe, unterstrich Vereinsvorsitzende Sybille Knospe und dankte der Landesregierung.

Der Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz (CDU) hob hervor, dass Kurt Kretschmann ein unbequemer Geist gewesen sei, der sich für Umweltschutz engagiert hat, obwohl es dem politischen Betrieb und der Industrie nicht passte. "Auf solche Menschen sind wir bis heute angewiesen."

Landrat Gernot Schmidt lobte Kretschmanns Kampf für Frieden, die Schöpfung und die Liebe zur Heimat. Freienwaldes stellvertretende Bürgermeisterin Marianne Beise indes wählte einen persönlichen Ansatz und berichtete, wie die Kretschmanns ihr und anderen "den Blick für die kleinen Wunder am Wegesrand" öffneten. "Hut ab vor den Regenwürmern", habe Kurt Kretschmann gefordert.

Jochen Schmidt vom Antikriegsmuseum in Berlin, das auch Ausstellungen über Kretschmann organisiert, beleuchtete dessen Einsatz für den Pazifismus. Kretschmann sei lange vor allem als Umweltschützer und nicht als Kriegsgegner bekannt gewesen. Noch heute wüssten Aktivisten beider Bereiche wenig voneinander, sagte Schmidt.

Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises und Freund von Kretschmann, stellte die Arbeit seiner Stiftung vor, die in Schwellenländern Landwirtschafts- und Naturschutzprojekte unterstützt. Regine Auster vom Haus der Natur in Potsdam unterstrich, dass Kretschmann einen modernen Heimatbegriff mitgeprägt habe, der davon ausgeht, dass man seine Umwelt selber gestalten kann. Sehr lebendig und engagiert beschrieb Christoph Kaatz vom Storchenhof Loburg das gemeinsame Engagement für die Weißstörche. Kerstin Götter vom Haus der Naturpflege warf einen Blick auf Kretschmanns Alterswerk - insbesondere auf seine Experimente mit Mulchgärten.

Zum Abschluss wurde ein Dokumentarfilm von Schülern der Bad Freienwalder Erna- und Kurt Kretschmann Oberschule gezeigt. Bei dem Projekt kitzelten sie aus Zeitzeugen Erinnerungen an den Bad Freienwalder Ehrenbürger heraus. Dadurch wurde das Bild des Menschen Kurt Kretschmann an diesem Abend noch ein bisschen lebendiger, als es ohnehin schon war.

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Claudia Oettler 03.03.2014 - 19:21:42

Er und Erna haben es verdient

Gerade weil sie so klar, bescheiden und entschlossen waren, haben sie diesen "Kult" zu seinem 100. verdient. Sie haben sich um den Erhalt von Kultur(landschaft) und Natur ebenso verdient gemacht, wie um die antimilitaristische Prägung vieler Menschen, die u.a. meinen Mann davon abhielt Soldat zu werden und womöglich in Afghanistan für sehr unklare Interessen kämpfen zu müssen. Pazifisten und Nazurschätzer verbindet der Respekt vor dem Leben, das wertvoller ist als jeder Profit und jede Ideoligie.

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