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Das Haus der tausend Kleinigkeiten

Jede Menge zu sehen: Es gab schon Besucher im Dorf-, Torf- und Schulmuseum in Protzen, denen die drei Stunden Öffnungszeit nicht ausgereicht haben.
Jede Menge zu sehen: Es gab schon Besucher im Dorf-, Torf- und Schulmuseum in Protzen, denen die drei Stunden Öffnungszeit nicht ausgereicht haben. © Foto: MZV/Melzer-Voigt
Judith Melzer-Voigt / 03.03.2014, 18:07 Uhr
Protzen (MZV) Neu strukturiert, besser durchdacht und mit vielen kleinen Kniffen: Wenn das Dorf-, Torf- und Schulmuseum im Protzener Gutshaus am 23. März um 14 Uhr wieder seine Türen für Besucher öffnet, erwarten die Gäste einige Neuigkeiten. Diejenigen, die sich in der Einrichtung auskennen, werden merken: Irgendwie ist alles ein bisschen verändert worden.

Das fängt schon mit dem Eingang an. Begann die Führung vor der Sperrung des Protzener Gutshauses für den Publikumsverkehr (RA berichtete) im ersten Obergeschoss rechts, geht es nun links entlang. "Wir haben jetzt einen richtigen Rundgang", erklärt Elke Wildt vom Insel-Verein Protzen, der das Museum betreibt. Das ist möglich, weil nun drei Räume mehr genutzt werden können. Nun gibt es insgesamt elf Zimmer, in denen sich alles um die Leben auf dem Dorf dreht.

Am neuen Eingang wird derzeit eine kleine Feuerwehrausstellung aufgebaut. Außerdem entsteht gleich neben dem Kassenbereich eine Leseecke. Die Exponate rund um den Brandschutz stammen aus einer Sonderausstellung anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Protzener Einheit. Als diese Schau vorbei war, wurden alle Ausstellungsstücke wieder fein säuberlich verpackt. Nun - durch das Plus an Platz - können sie jedem Besucher des Museums gezeigt werden. Allerdings gilt das nicht für alle Exponate, denn es sind einfach zu viele. "Dann müssen wir eben mal wechseln", so Wildt. Den Anfang jedenfalls machen Infos zu alten Uniformen.

"Auch für uns ist es interessant, wenn wir immer mal wieder etwas Neues aufarbeiten können", erklärt Elke Wildt. Beispielsweise habe es in den 1970er Jahren einen Bohrturm in Protzen gegeben, mit dessen Hilfe Erdöl oder Erdgas aufgespürt werden sollten. "Da sind wir aber noch am recherchieren", so Wildt. Bis zum 23. März werden die Vereinsmitglieder zu diesem Thema nicht genug Informationen gesammelt haben, doch eine Sonderausstellung dazu ist in Planung. Gleiches gilt für die Kita im Dorf. "Das ist unsere große Baustelle", sagt Elke Wildt. Die Einrichtung gab es schon in den 1930er Jahren. Nun hofft der Verein, dass die Nachfahren der Gutsbesitzer in Protzen vielleicht noch Aufzeichnungen besitzen, denn die Gutsherren initiierten die erste Kita im Dorf.

Unabhängig von diesen großen Projekten gilt es für die Ehrenamtler im Insel-Verein derzeit, ihre gesamt Dauerausstellung wieder auf die Beine zu stellen. Hier und da finden sich noch Lücken an den Wänden, doch ein Grundkonzept ist schon jetzt deutlich erkennbar. "Wir hatten ja viereinhalb Jahre geschlossen", erklärt Elke Wildt. Damals fiel in einigen Räumen im Gutshaus Putz von der Decke. Bis sich Gemeinde und Firmen geeinigt hatten, wer den Schaden trägt verging viel Zeit. Die Zimmer des Museums waren zwar nicht von dem herabfallenden Putz betroffen, aber auch dort wurden Proben entnommen. Außerdem war das Gutshaus an sich gesperrt, an einen Besucherverkehr war also nicht zu denken. "Es kamen viele Leute zu uns und meinten, es sei schade, dass das Museum geschlossen ist", so Wildt. Doch es habe auch solche gegeben, die Ausstellungsstücke vorbeigebracht haben. "Die Leute haben sich immer an das Museum erinnert, es ist ihnen im Bewusstsein geblieben." Schwierig wird es jetzt nur mit den Reisegruppen, für die Protzen zum sicheren Ziel gehört hat, als das Museum noch offen war. "Da müssen wir gucken, wer überhaupt noch da ist."

Im vergangenen halben Jahr haben die Mitglieder des Insel-Vereins mehr oder weniger im Gutshaus gelebt. Es gab so viel zu tun, dass sogar das Abendessen oft dorthin verlegt werden musste. Das sei eine anstrengende Zeit gewesen, so dass einige Mitglieder dem Verein den Rücken gekehrt haben. "Und das ist vollkommen verständlich", so Wildt. Sie hofft aber dennoch, dass die zwölf Mitglieder wieder etwas Verstärkung bekommen, denn zu tun gibt es genug. Es werden auch nicht nur Leute gesucht, die in alten Akten wühlen - im Gegenteil. Auch solche, die gern basteln oder Hobby-Modellbauer sind, sind willkommen und werden gebraucht. So soll beispielsweise ein detailreiches Modell von Protzen entstehen - dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Wie wichtig den Vereinsmitgliedern die Kleinigkeiten und Details sind, wird schon in den ersten Räumen der Ausstellung klar. Der Besucher betritt ein Zimmer und fühlt sich plötzlich wie auf einer Dorfstraße. Mitten im Gutshaus wurden Kulissen im Fassadenstil errichtet - eine in Fachwerk-Technik für ein Wohnhaus und eine für den Kindergarten. Sogar Fenster und Dachziegel gibt es dort. Diese Genauigkeit setzt sich dann auch hinter den Mauern fort: Im Wohnraum steht ein Bett samt Schrank. Auf dem Küchentisch aus Holz scheint jemand eine Waage vergessen zu haben und auch die Kaffeemühle und die Rührschüsseln stehen in greifbarer Nähe. Alles scheint genau durchdacht. "Wir haben hier viele Dauerleihgaben", sagt Elke Wildt mit Blick auf das liebevoll eingerichtete Zimmer.

Hin und wieder finden Besucher Computerecken. Dort werden Gäste all das sehen können, für das es keinen Platz im Museum gibt: Bilder oder auch die Eröffnungsrede von Fehrbellins Bürgermeisterin Ute Behnicke anlässlich der Eröffnung der neuen Protzener Kita. Doch die Computer sind so hingestellt worden, dass sie erst beim zweiten oder dritten Blick auffallen, denn die Geschichte, das Alte, soll im Vordergrund stehen. So erfahren Gäste tausend Kleinigkeiten über das Dorfleben, das Schulleben und auch die wirtschaftliche Vergangenheit des Dorfes. "Manchen reichen drei Stunden nicht, um alles zu sehen", sagt Elke Wildt. Die Mitglieder des Vereins stört das nicht. Sie lassen das Museum dann einfach etwas länger offen.

Das Museum hat ab 23. März sonntags von 14 bis17 Uhr oder auf Nachfrage unter (03 39 32) 7 04 31 geöffnet.

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