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Emanzipation in der Kaserne wird zur Normalität

Berlin . Andere Maßstäbe gelten nur beim Sporttest. Vor zehn Jahren öffnete der Europäische Gerichtshof (EuGH) den Weg für Frauen an die Waffe, heute leisten insgesamt knapp 17 000 Soldatinnen ihren Dienst bei der Bundeswehr. "Ich freue mich, dass Frauen in der Bundeswehr heute zur Normalität gehören", sagt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Ein Ministeriumssprecher betont: "Die Frauen legen Wert darauf, dass sie gleich behandelt werden." Seit dem vergangenen Jahr stehen außerhalb des Sanitätsdienstes die ersten Kompanien unter weiblicher Führung. Auch Kampfjets werden inzwischen von Frauen geflogen. Mehr als 380 Soldatinnen sind im Auslandseinsatz. Einzig bei der Eignungsprüfung variiert die Zahl der geforderten Sit-Ups noch im Vergleich zu den männlichen Kollegen.

Mit der Bewerbung von Tanja Kreil für einen Posten in der Waffen-Instandsetzung startete die Gleichberechtigung, wenn zunächst auch holprig. Die Bundeswehr in Hannover lehnte die gelernte Energieanlagen-Elektronikerin ab, da Frauen laut Grundgesetz der Dienst an der Waffe nicht erlaubt sei. Kreil stritt vor dem EuGH, der die Regelung mit dem Hinweis auf die EU-Richtlinie zur beruflichen Gleichstellung von Mann und Frau kippte. Der Präsident des Gerichtshofes verkündete am 11. Januar 2000: Auch Deutschland muss bei seinen Streitkräften den Dienst an der Waffe für Frauen öffnen.

Daraufhin änderte der Bundestag das Grundgesetz. Bis dahin hieß es im Artikel 12a: "Sie (Frauen) dürfen auf keinen Fall Dienst mit der Waffe leisten." Nun heißt es: "Sie dürfen auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden."

Die Emanzipation im Tarnanzug wurde von mancher Prognose über die Entwicklung der Bundeswehr zu einer Berufsarmee begleitet. "Die Wehrpflicht wird immer wackeliger", befürchtete der frühere Bundeswehr- und NATO-General Gerd Schmückle damals. Das hat sich ein Jahrzehnt später noch nicht bewahrheitet. Heute gilt vielmehr die geplante Verkürzung der Wehrdienstdauer von neun auf sechs Monat als Risiko für die Wehrpflicht.

Nach der erfolgreichen Klage in Luxemburg dauerte es noch ein Jahr, bis Frauen nicht nur zum Sanitäts- oder Musikdienst antreten durften, sondern auch bei der Marine, Luftwaffe oder beim Heer. Insgesamt hat sich die Zahl der Soldatinnen seitdem mehr als verdreifacht - sie stellen inzwischen neun Prozent der deutschen Streitkräfte. "Wir streben einen Anteil von 15 Prozent an", erklärt der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Im Sanitätsdienst sollen es sogar 50 Prozent sein. Bei den Einstellungsjahrgängen werden diese Vorgaben laut Verteidigungsministerium heute bereits erfüllt.

Die Vorkämpferin für die Chancengleichheit der Frauen in der Bundeswehr hat allerdings nie eine Kaserne von innen gesehen. Tanja Kreil trat nicht mit an, als im Januar 2001 die ersten 705 Frauen ihre Mannschafts- und Unteroffiziers-Laufbahnen begannen. Bereits ein gutes halbes Jahr nach ihrem Sieg vor Gericht hatte sie ihre Bewerbung im August 2000 zurückgezogen.

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