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Viola Petersson 20.04.2014 08:00 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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Ausgezogen und angekommen

Chorin (MOZ) Im Mai 2004 hat Andreas Bogdain das Forsthaus Amt Chorin 10 gekauft. Schritt für Schritt baute er das Grundstück aus und um - zu einer Galerie und seinem Atelier. Ostern eröffnet der Künstler die neue, seine zehnte Saison.

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Andreas Bogdain gehörte 1991 zu den Gründungsmitgliedern des Eberswalder Kunstvereins "Die Mühle".

© privat

Zehn Jahr AB in C. Viel hat sich verändert. Nicht nur auf dem Anwesen, das idyllisch am Wegesrand zwischen Kloster und Alter Klosterschänke liegt. "Die langen Haare sind weg. Ich bin grau geworden." Auch das Rauchen habe er aufgegeben. "Aber die Hüte sind noch da", sagt der 55-jährige Bogdain. Sein Markenzeichen. Und sein weißer Käfer. Beide haben sozusagen überlebt.

Ja, der Künstler spricht bewusst vom Überleben. Auch bei der Frage, woran er aktuell arbeitet. "Am Überleben." Es sei zwar kein tagtäglicher Kampf mehr, aber irgendwie doch ein immer fortwährender. Wobei für ihn schon ein Erfolg sei, dass er diese zehn Jahre durchgehalten hat. "Ich habe überlebt. Und darauf bin ich stolz."

Eine Garantie gab's nicht. Das Wagnis hätte auch scheitern können. Aus finanziellen Gründen oder etwa aufgrund von Krankheit. "Ich bin tatsächlich mal von der Leiter gefallen - und war ziemlich schwer verletzt", fügt der 55-Jährige ein. Letztlich aber sei seine Idee, am Standort einen Mix aus Wohnen, Atelier, Galerie und Malschule zu schaffen, aufgegangen. Und - seit voriger Woche könne er sagen: "Das Darlehen, das ich damals für das Grundstück aufgenommen habe, ist größtenteils getilgt. Abgesehen von einer kleinen Restsumme." Es ist also fast geschafft.

Andreas Bogdain ist nicht nur erleichtert. Er ist auch dankbar. "Als ich 2004 darüber nachdachte, dieses Anwesen hier zu kaufen, war ich immerhin arbeitslos", erinnert sich der gelernte Maschinen- und Anlagenmonteur, der vor der Wende im Britzer Fleischwerk SVKE gearbeitet hat, genau. An Kreditwürdigkeit im herkömmlichen Sinne sei nicht zu denken gewesen. Es war seine Konzeption, die den Vorstand des Geldinstituts überzeugte.

Trotz der Starthilfe - der Erwerb des Grundstückes und der Weg in die Selbständigkeit waren ein Risiko, ein Abenteuer. "Ich hatte ja auch überhaupt keine Ahnung von Eigentum, von Sanierung, von Gartenarbeit und all diesen Dingen. Ich kam aus einer Mietwohnung. Da musste ich mich um nichts kümmern", beschreibt der Künstler in der Rückschau die anfänglichen Schwierigkeiten und seine eigene Skepsis.

Heute sagt er: "Ich habe mich an den Garten gewöhnt." Um sogleich ein "Und der Garten sich an mich." nachzuschieben. Überhaupt habe er seinen "Weg gefunden". In der Freiberuflichkeit, auf dem eigenen Anwesen. Es sei diese Mischung aus eigener künstlerischer Tätigkeit, Unterricht und Ausstellungsarbeit, die ihn erfülle. "Ich mag diese Vielfalt. Das ist das Spannende", sagt Bogdain, der selbst nie eine Kunsthochschule besucht hat, die Oberbarnimer Kulturszene aber nach 1990 entscheidend mitgestaltete und prägte.

Atelier und Galerie seien variable Größen, "da kannst du nicht mit einem kontinuierlichen Umsatz rechnen". Und prompt fällt ihm die eine oder andere Anekdote mit Galeriebesuchern ein. Der Klassiker: "Ich muss nur mal schnell Geld holen" - und der zunächst kaufinteressierte Besucher ward nie mehr gesehen, schmunzelt Bogdain.

Natürlich profitiere er auch von der Nähe zum Kloster, gibt der Maler zu. "Es war dieser Standort, der meine Kaufentscheidung damals beeinflusst hat." Ein magischer Ort, der ihn selbst inspiriert. Immer wieder male oder zeichne er das historische Gemäuer. Und immer wieder nähere er sich dem Denkmal, der Landschaft mit einem anderen Blick, einer anderen Technik.

Mit der Malschule und einigen Projekten, wie der Arbeitsgemeinschaft Kunst an der Eberswalder Karl-Sellheim-Schule, habe er sich zusätzliche Standbeine, "feste Größen", geschaffen. Wobei Bogdain keinen Hehl daraus macht, dass er auch gern Auftragsarbeiten ausführt. "Solange ich nicht in meiner künstlerischen Freiheit eingeschränkt werde, ist das okay." Auf diese Weise hat sich seine "Produktpalette" erheblich erweitert - von der Jahresgrafik für den regionalen Klinikkonzern GLG über einen Strauß für Strausberg bis hin zur Sargbemalung.

Besonders am Herzen liegt Bogdain aber die Galerie, mit der er Künstlerkollegen, Malern, Grafikern, Keramikern aus der Region, eine Plattform bietet. Mit der Galerie war der Neu-Choriner damals 2004 gestartet. Er baute den alten Stall auf dem Hof um. Wo einst Hühner oder anderes Getier gehalten wurden, präsentiert er seit zehn Jahren Plastiken, Bilder, Fotografien. Von Anfang an dabei sind Eckhard Herrmann, Catrin Sternberg und Peter Schirmer. Und natürlich eigene Arbeiten. "Die Ausstellung ist ständig in Veränderung - durch neue Werke, zum Teil durch neue Künstler."

Nein, es müsse nicht die Art Cologne sein. Auch das kleine Unternehmen "ARTelier+Galerie AB" sei eine Herausforderung. "Ich bin angekommen." Und trotzdem ist er auf dem Weg.

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