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Sonnenschein der Filmkinder wird 60

Fachsimpelei: In der Genschmarer Sammlung von Knut Milleville (r.) nahm Christian Struwe auf einer der Schwalben Platz. Sein erstes Moped war ein SR 1, den er von seinem Opa geerbt hatte
Fachsimpelei: In der Genschmarer Sammlung von Knut Milleville (r.) nahm Christian Struwe auf einer der Schwalben Platz. Sein erstes Moped war ein SR 1, den er von seinem Opa geerbt hatte © Foto: Johann Müller
Ulf Grieger / 26.04.2014, 07:45 Uhr - Aktualisiert 26.04.2014, 07:46
Golzow (MOZ) Etwa die Hälfte der Filmkinder der Langzeitdokumentation "Kinder von Golzow" feiert in diesem Jahr 60. Geburtstag. In wenigen Tagen ist es auch bei Christian Struwe so weit. Anlass für uns, mit ihm von seinem heutigen Wohnort bei Müncheberg nach Golzow zu fahren.

Das große Publikum hat Christian Struwe zuletzt vor knapp zehn Jahren gesehen. Im ersten Teil des Abschlussfilms "Und wenn sie nicht gestorben sind" ist dem heute 60-jährigen Vorruheständler ein Porträt gewidmet. Eines, bei dem etwas verwundert hat, warum diesem Protagonisten eigentlich in den Filmen zuvor so wenig Aufmerksamkeit gewidmet war. Dieses "Nebenrollen-Dasein" ging so gar so weit, dass bis vor kurzem selbst Filmemacher Winfried Junge der Meinung war, Christian Struwe gehöre erst seit der 5. Klasse zu den Filmkindern. Dabei stieß er bereits in der Dritten zu Petra, Gudrun, Jochen, Winfried und Bernd, der schließlich sein bester Schulfreund werden sollte.

Nur selten ist Christian Struwe ernst oder gar verlegen zu erleben. Dabei hatte er es nicht leicht. Körperlich etwas behindert, mit fünf Geschwistern auf dem großelterlichen Hof nahe der LPG aufgewachsen, kommt er der Kamera stets selbstbewusst und ausgeglichen entgegen. Christian Struwe bleibt, zumindest im Film, stets der Sonnenschein der Klasse. Er ist der gute Freund, der gern herumalbert. Einer, der den Fragen Winfried Junges mehr ausweicht, weil er fühlt, dass eindeutige Antworten einseitig sind. "Ich hatte gar nicht gewusst, was Junges dann doch alles von mir gefilmt hatten", sagt er auf der Fahrt von Müncheberg ins Oderbruch. Da gibt es die Schulfreunde, die mit Klassen-Hündin Joana, einem Colli, durchs Dorf ziehen und die Mädchen mit einer Maus erschrecken. Da muss er die Prometheus-Sage interpretieren, doch Schuldirektor Hardy Templin lässt ihm kaum Zeit zum Nachdenken. Und in der Deutsch-Prüfung reicht sein Wissen über "Kabale und Liebe" zur Drei. Wir kennen ihn als Schlosserlehrling in Müncheberg mit Bernhard Guderjahn und Eckhard Hoppe als ebenso selbstbewusst wie bei der Geburt seiner Tochter. Und so ausgeglichen ist er geblieben.

Nun geht es ins Filmmuseum, in dem gerade die Umbauarbeiten zur Brandschutzsicherung begonnen haben. Dort gestaltet das Museumsteam zu jedem der Jubilare unter den Filmkindern Sondertafeln. Die erste war voriges Jahr für Dieter Finger entstanden. Nun ist Christian Struwe "dran". Dank einer Schenkung von Reginald Schenk kann er sich dort Farbbilder von seiner Einschulung 1960 anschauen. Auf einem Foto ist sogar seine Muter zu sehen, die vor 14 Jahren verstorben ist. Seinen Vater besucht er regelmäßig. Der ehemalige Lehrer Kurt Struwe imkert leidenschaftlich gern und ist mit seinen 87 immer noch ein passabler Autofahrer.

Der Film hatte Christian Struwe 2005 verlassen, als er technischer Mitarbeiter der KfW-Bank war. Seit einem Jahr nun genießt er seinen Vorruhestand mit seiner dritten Frau Gabriele, die als Altenpflegerin arbeitet. "Die Entscheidung, beruflich kürzer zu treten, war gefallen, als ein befreundeter Kollegen starb. Der war viel jünger als ich. Den Schritt in den Vorruhestand habe ich nicht bereut. Zu tun habe ich genug. Aber wenn ich will, dann gibt es den See in der Nähe, zum Angeln." Mit einem jedoch will er nicht seine Zeit verschwenden: dem Internet. Ein Handy ist das einzige Zugeständnis an die vernetzte Welt.

In der Genschmarer Sammlung von Knut Milleville, der zahllose Alltagsgegenstände aufbewahrt, schwelgt der 60-Jährige in Erinnerungen: an den ersten, roten Kassettenrekorder "Sonett", an die ersten Mopeds und vieles mehr.

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