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Elektromagnetisches Läutewerk beendet Handarbeit im Kirchturm von Berkholz

Der Ruf nach Frieden

Oliver Schwers / 05.05.2014, 06:55 Uhr - Aktualisiert 07.05.2014, 13:41
Berkholz (MOZ) Kirchenglocken sollen nicht nur zum Gottesdienst rufen. Sie sollen auch böse Dämonen verjagen. So ihre ursprüngliche Aufgabe. Ob das in Berkholz möglich ist, müssen die Glocken der Dorfkirche zeigen. Am Wochenende wurde das neue elektromagnetische Läutewerk eingeweiht.

Mit einer allgemeinen kunstgeschichtlichen Einleitung zur Glocke unterhielt Pfarrer Gunter Ehrlich auf der ihm eigenen Weise die Gäste in der Kirche. So erfuhr das Publikum, dass die lautstarken Ausstattungsstücke, die über die Dächer des Dorfes hallen, in der Bibel so gut wie gar nicht vorkommen. Dafür in Gesangbüchern und vielen Volksliedern aus jüngerer Zeit. "Glocken der Heimat" als "Stimmen der Sehnsucht" trug dann auch der Chor vor. Oder "Wenn ich ein Glöcklein wär".

Am 03.05.2014 wurde das  elektromagnetische Glockengeläut in der Berkholzer Kirche eingeweiht. Es sang der Criewener Chor. Anschließend hatten die Besucher die Möglichkeit, auf den Glockenturm zu steigen.
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Weihe des Glockengeläuts in der Berkholzer Kirche

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"Ordentlich Krach machen und böse Dämonen vertreiben", das war wohl eine der wichtigsten Aufgaben der Glocken. Und natürlich zum Gebet rufen, an Gott erinnern, bei Feuer und Sturm Alarm schlagen bzw. auch die Zeit anzeigen.

In Berkholz geht nach 125 Jahren die Ära der Handarbeit zu Ende. Eine der letzten Kirchen, in denen die Glocken manuell betätigt wurden, hat nun auch ein automatisches Läutewerk, sogar ein elektromagnetisches. Das soll die Schwingungen dämpfen. Je weniger die Glocke ruckeln muss, desto länger hält die Konstruktion. Fast 10 000 Euro haben sich das Kirchengemeinde, Dorfverein, Sparkasse Schwedt und private Spender kosten lassen.

Früher, so berichteten Einheimische, mussten Leute aus der Kirchgemeinde per Hand läuten. Das ist schwieriger als gedacht. Wer stark genug war, konnte unter Umständen auch zwei der insgesamt drei Glocken gleichzeitig anstimmen. Sie wurden im Gegensatz zu den meisten ihrer uckermärkischen Schwestern nicht aus Bronze, sondern im Jahre 1925 aus Stahl gegossen. Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erforderte diese Form der Edelmetalleinsparung. Nichtsdestotrotz erhebt sich ein stimmgewaltiger Klang über die Dächer von Berkholz. Was dazu führt, dass einige Einwohner beim Start um 18 Uhr etwas despektierlich vom "Sportschau-Läuten" sprechen.

Der Pfarrer nimmt es schmunzelnd zur Kenntnis, weiß er doch, dass die Einwohner ihre Glocken lieben. Drei Jahre lang hat man Geld gesammelt. Die Hälfte der Summe überwies der drängelnde Dorfverein. Verantwortlicher Glöckner - heute sagt man Glockensachverständiger - ist Bernd Bibrack. Er muss regelmäßig die Funktion der teuren Vorrichtung kontrollieren. Ansonsten funktioniert alles elektrisch. Rein offiziell durften die Geldgeber zur Einweihung den symbolischen Knopfdruck "in der Besenkammer" unter dem Turm betätigen. Anschließend ließ Pfarrer Ehrlich die Gäste zur Besichtigung die Treppen erklimmen.

Der Gemeindekirchenrat hat eine Läuteordnung verkündet. Bei Hochzeiten erklingen die mittlere und die kleine Glocke. Gunter Ehrlich erinnert aber auch an die Symbolwirkung: "Der Ruf der Glocke ist immer auch ein Ruf nach Frieden."

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