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Antje Rößler 05.05.2014 19:12 Uhr

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Cottbus zeigt Uraufführung aus „SoundLab“

Cottbus (MOZ) Das Programmheft ziert ein Foto der glitzernden Skyline von New York - beim siebten philharmonischen Konzert im Cottbuser Theater drehte sich alles um die Neue Welt. In Sachen Musik denkt man da an Jazz und Rock, deren Wurzeln im Blues liegen. Uramerikanisch wirkt daher die Blues Symphony von Gordon Sherwood, die bereits 2001 entstand, aber erst jetzt in Cottbus uraufgeführt wurde.

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Komponisten wie Sherwood, die in keine "Schublade" passen, haben es schwer, in die Konzertprogramme zu kommen. Sherwood war zudem ein wenig erfolgsorientierter Weltenbummler und Tagträumer. Er jobbte als Barpianist im Libanon und als Filmkomponist in Ägypten; dann wieder streunte er durch Goa, Kenia oder Costa Rica. In den Achtzigern strandete er in Paris, wo er jahrelang als Bettler lebte.

Seine Blues Symphony folgt im Ablauf einer klassischen viersätzigen Sinfonie - nur dass nicht thematische Entwicklung, sondern der Rhythmus das Stück vorantreibt. Die Riffs, Synkopen und Grooves wurden vom Orchester unter Evan Christ mit viel Freude, Temperament und der gebotenen Prise "dreckiger" Unsauberkeit interpretiert.

Am spannendsten ist der langsame Satz, in dem die gezupfte rhythmische Formel der Kontrabässe an einer Stelle mit Urgewalt auseinander bricht, so dass sich ein emotionaler Abgrund auftut - für einen Augenblick scheint in diesem ansonsten hemmungslos traditionellen Stück die Moderne auf.

Auf dem Programm standen auch zwei amerikanische Klassiker: George Gershwins "Rhapsody in Blue" mit der chinesisch-amerikanischen Pianistin Claire Huangci als Solistin sowie Aaron Coplands Ballettsuite "Appalachian Spring", die eine ländliche Ostküstenszenerie heraufbeschwört. Hier entlockte Evan Christ den Cottbuser Philharmonikern einen Farbenreichtum, sodass man winzige Vögel oder majestätische Gipfel vor dem inneren Auge sah. Mitreißend waren die rhythmisch aktiven Passagen, während die großen, elegischen Melodiebögen etwas zu schlaff wirkten.

Die Partitur zu "1441" des in Köln lebenden Portugiesen Luís Antunes Pena wurde gerade erst vor zwei Wochen fertig. Das zehnminütige Stück entstand als Auftragswerk im Rahmen des Projekts "Cottbus SoundLab", mit dem das Orchester sein Engagement für zeitgenössische Musik intensiviert. Im Herbst wurde der Komponist für vier Wochen zu gemeinsamen Proben nach Cottbus eingeladen.

Mit der Zahl 1441 wurde im Jahre 2003 jene Resolution der Vereinten Nationen nummeriert, die den Irak-Krieg rechtfertigte - eine Begründung, die, wie man heute weiß, an den Haaren herbei gezogen war. Der Komponist entfaltet hier Gedanken. Erstens bringen pochende Streicher und hauchende Bläser blutleere Knistergeräusche hervor; man vermeint das seelenlose Ticken der Bürokratie zu hören, die fern der Angriffsziele ihre Verwaltungsbeschlüsse umsetzt. Zweitens vernimmt man das weiße Rauschen eingeschalteter Megaphone, durch die aber nie gesprochen wird. Beim Hörer ruft das Unruhe und böse Ahnung hervor. Man darf "1441" wohl als Kritik an Amerikas Rolle als selbsternannter Weltpolizist verstehen. Das passte als Kontrapunkt zu den nostalgischen Klangidyllen von Copland bis Sherwood.

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