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Aug' in Aug' mit Falke, Adler und Schnee-Eule

Stolz wie Bolle: Sancho heißt der Schopfkarakara (ein Geierfalke), den Marko Loerke auf dem Arm hält und mit dem Kraulen seines Schopfes bei Laune hält. Die Tiere sind in Südamerika heimisch.
Stolz wie Bolle: Sancho heißt der Schopfkarakara (ein Geierfalke), den Marko Loerke auf dem Arm hält und mit dem Kraulen seines Schopfes bei Laune hält. Die Tiere sind in Südamerika heimisch. © Foto: Volkmar Ernst
Volkmar Ernst / 08.05.2014, 06:00 Uhr
Liebenwalde (MZV) Falkner zu sein, das ist für den Zehdenicker Marko Loerke nicht nur ein Beruf, sondern Berufung. Wer sich der Arbeit mit den majestätischen Vögeln verschreibt, der hat einen Fulltime-Job und dem bleibt keine Zeit für andere Hobbys.

"Ganz so ist es natürlich nicht", sagt Marko Loerke, während er in seinem Garten auf einer Holzbank Platz nimmt und die Arme vor der Brust verschränkt. "In meiner Freizeit bin ich viel in der Natur unterwegs. Vor allem gehe ich gern Klettern und Bergsteigen." Klar doch, denn nebenbei kann er dabei beobachten, wie Steinadler & Co. ihre Runden durch die Lüfte ziehen.

Jetzt aber ist Zeit zum Ausruhen. Denn der Wassertank aus Holz, den er gerade mit einem Schutzanstrich versehen hat, muss trocknen. Loerke lässt seine Augen über das kleine Refugium im Garten schweifen. Holzbänke stehen um eine Feuerstelle, weiter hinten Sitzpflöcke. Die sind für seine Greifvögel, wenn er zu Hause einer Schulklasse oder Behindertengruppe seine Tiere vorstellt und von der Falknerei erzählt. Denn Loerke ist einer von nur etwa 2 500 Falknern, die es in Deutschland gibt, und er gehört zu den knapp 60, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. "Reich werden kann man damit nicht", sagt Marko Loerke freimütig. "Aber dafür ich habe den tollsten Beruf der Welt."

Gelernt hat der 1964 in Halle geborene Loerke allerdings das Handwerk eines Offset-Druckers. "Junge, lern was Anständiges!", das bekam auch er von einen Eltern zu hören und beherzigte den Rat. Doch schon als Kind hat er sich gerne mit seinen Vögeln beschäftigt. Schmunzelnd berichtet er davon, wie er den Wellensittich seiner Eltern abrichtete. Damit dieser seine Runden im Zimmer drehen konnte, sollte er auf Zuruf seine Hand ansteuern. "Manchmal tat er das, manchmal auch nicht", sagt Loerke und lacht. Das Interesse für die Falknerei weckte bei ihm jedoch das Buch des englischen Autors Barry Hines. "Und fing sich einen Falken", in dem ein Junge sich einen solchen Vogel fängt und mit ihm trainiert. "Da wusste ich, das will ich auch machen, nichts anderes." Loerkes Stimme ist fest und lässt keinen Widerspruch zu, wenn er von dem Buch berichtet und seine Augen dabei den Horizont absuchen, so als warte er darauf, dass einer seiner Vögel gleich auf ihn zufliegt und auf seinem Arm landet.

Acht Vögel nennt Loerke sein Eigen: zwei Steinadler, zwei Wüstenbussarde, eine Schnee-Eule, einen Uhu sowie je einen Geier- und Wanderfalken. Eine stattliche Investition, denn schon für ein Wanderfalken-Küken werden 800 Euro fällig, für einen Adler sogar 5 000 Euro. Nach dem Kauf beginnt die Arbeit. "Vier Wochen je 24 Stunden am Tag" muss man mit den Tieren arbeiten, eigentlich sogar leben, erzählt der Falkner. Die Tiere müssen an den Menschen und an die Umgebung gewöhnt werden - zum Beispiel an einen Park, an eine Straße, auch an die Nacht und den Tag. Sie werden geschult, nicht dressiert. Dressiert ist ein Wort, das Loerke überhaupt nicht leiden kann, und dem Timbre seiner Stimme ist es anzuhören. "Greifvögel müssen lernen, wie gejagt wird, doch sie haben ihren eigenen Sinn. Wenn sie nicht auf den Arm zurückkehren wollen, dann tun sie es nicht. Sie kommen nur, wenn sie dem Falkner vertrauen und ihn als gleichberechtigt akzeptieren", erklärt Loerke seine Arbeit. Denn neben seinen Auftritten an Schulen oder Vorführungen auf Festen (wie am Sonntag, 18. Mai, von 10 bis 14 Uhr am Mühlensee in Liebenwalde), wird er auch tatsächlich gebucht, um mit seinen Vögeln auf Jagd zu gehen. Diese Woche war er mit einem Wanderfalken auf dem Gelände des ehemaligen Tempelhofer Flugplatzes im Einsatz. Die Hallen hatte die Firma VW genutzt, um Fahrzeuge zu präsentieren. Doch auch Tauben hatten die offenen Türen genutzt, um in die Hallen zu kommen. "Die müssen nun wieder vertrieben werden, und das mache ich mit dem Wanderfalken, da der ein Flugwildjäger ist", erklärt Loerke. "Im schlimmsten Fall verhungern die Tauben, wenn die Hallen lange nicht genutzt werden und die Tiere nicht rauskönnen."

Weitere Einsatzorte sind Flughäfen, da dort nicht geschossen werden darf, aber Vögel vertrieben werden müssen, damit sie nicht in die Triebwerke der Flugzeuge kommen. Wenn zu viele Kaninchen einen Stadtpark verwüsten, wird der Falkner gebucht. Sogar im Hafen von Rotterdam war er schon mit seinen gefiederten Freunden im Einsatz.

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