Schönfeld .
Von Eva-Martina Weyer
Das Pfarrhaus im Tantower Ortsteil Schönfeld sollte abgerissen werden. Seit Herbst 2009 steht es aber unter Denkmalsschutz. Nun darf die Kirche es nicht mehr abreißen und sucht einen Käufer oder Pächter. Einer schien gefunden. Doch der Gemeindekirchenrat hat eine Entscheidung am Mittwochabend vertagt.
Hintergrund für den Aufschub sind große Meinungsverschiedenheiten, die es im Dorf zum möglichen Pächter gibt. Einige Einwohner haben das ehemalige Pfarrhaus aufgegeben. Andere möchten es als ortsprägendes Objekt erhalten.
Dilemma für die Kirche: Sie hat weder Geld, das Pfarrhaus zu erhalten noch eine Verwendung dafür. Abreißen geht auch nicht. Pfarrer Matthias Tauchert sagt: "Wir sind interessiert, einen Nutzer zu finden."
Engagierte Einwohner suchten schon im vergangenen Frühjahr nach einem Ausweg zum Abriss. Sie baten das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF), sich das Haus anzusehen. Vielleicht könne eine Jugendeinrichtung entstehen, hofften sie.
Simone Lunow, Leiterin für stationäre Jugendhilfe beim EJF, erinnert sich: "Wir haben uns das Objekt angeschaut und können uns dort eine Wohngruppe für acht Kinder und Jugendliche vorstellen, die in der geschützten Atmosphäre von Schönfeld heilpädagogisch und therapeutisch betreut werden." Das EJF erarbeitete ein Konzept und stellte es auf der Sitzung der Gemeindevertreter im Januar vor.
Das Konzept zielt auf Kinder ab sechs Jahre und will jungen Menschen mit Selbstwertproblemen helfen, wie sie nach Vernachlässigung oder Missbrauch vorkommen können. Acht Einzelzimmer, Wohnküche und Wohnzimmer sowie Tischtennis- und Grillplatz könnten entstehen.
Obwohl die Kirche in ihrer Entscheidung frei ist, hatte der Gemeindekirchenrat beschlossen, zuvor die örtliche Gemeindevertretung zu hören. Nach kontroverser Diskussion entschieden sich die Gemeindevertreter mehrheitlich für die EJF-Pläne.
Der Tantower Bürgermeister Andreas Meincke sieht diese Pläne als vernünftig und nutzbringend für die Gemeinde an. Er hofft gar auf Arbeitsplätze. Auch Ortsvorsteherin Angelina Richter hat mit Ja gestimmt. "Wir haben viele Vereine im Ort, in deren Arbeit man die Kinder mit einbeziehen kann. Außerdem ist es ein Gebot der Nächstenliebe, diesen Kindern, die Opfer sind, zu helfen." Allerdings sei ihr aufgefallen, dass einige Bürger gar keine Argumente hätten, sondern forderten: Die wollen wir nicht. Die sind kriminell.
Andreas Meincke hat ebenfalls festgestellt, "dass es heftige Kritiker gibt, die sich scheinbar nicht mit dem Nutzungskonzept befasst haben." Sogar Unterschriften gegen die EJF-Pläne seien gesammelt worden, initiiert von der Feuerwehr. Auch Frank Weidemann hat unterschrieben, wollte sich aber der Zeitung gegenüber nicht weiter äußern. Wie der stellvertretende Bürgermeister Andreas Schwarze sagt, sollen 90 Unterschriften zusammen gekommen sein mit dem Tenor, Kriminelle wolle man im Ort nicht.
Der Gemeindekirchenrat hat auf diese Stimmung reagiert. Der Pfarrer fasst die Sitzung so zusammen: "Wir haben die Entscheidung vertagt, weil wir in Schönfeld Redebedarf erkennen. Wir wollen eine Entscheidung mit den Einwohnern. Deshalb gibt es eine Bürgerversammlung, auf der das EJF sein Konzept allen, die es wollen, vorstellt."
Andreas Schwarze ist zufrieden mit diesem Aufschub. "Einen Investor wie das EJF können wir uns nicht entgehen lassen. Ich habe mich informiert. Das ist ein erfahrener Träger von Jugendhilfeeinrichtungen. Er hat mein Vertrauen." Aus seiner Sicht bietet die Einwohnerversammlung die Chance, die Ängste einiger Bürger abzubauen. "Denn mancher wurde mit falschen Argumenten geblendet."
Auch Simone Lunow wundert sich, wie einige Leute ein Klientel bekämpfen, das im Konzept nicht genannt ist. "Wir sind hier in eine Rechtfertigungslage gekommen", bedauert sie. "Das EJF muss das Pfarrhaus ja nicht nehmen, zumal der Sanierungsbedarf enorm ist und wir das Dach vor dem Winter gern dicht gemacht hätten."
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