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Angela Kowalick 11.06.2014 03:45 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Es darf auch mal eine Lupe sein

Schönow (MOZ) Ein geheimnisvoller Künstler, was Kinder von ihren Eltern nicht übernehmen und mitreißender Chorgesang - Kunst fürs Auge, Ohr und Herz gab es im Rahmen der 14. Schönower Cool-Tour-Tage in der Galerie im Hühnerstall zu erleben.

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Auf der Schaukel: In dem urigen Garten von Wilfried Staufenbiel finden sich stets besondere Flecken. Auf einer Schaukel macht es besonders viel Spaß, in den Gesang des Galeriechores einzustimmen.

© Angela Kowalick

Der bekannte Musiker und Künstler Wilfried Staufenbiel hatte wieder einmal in seinen großen Garten eingeladen, der schon allein durch seine Gestaltung zum Wohlfühlen einlädt. Unter Obstbäumen dirigierte Staufenbiel den Galeriechor, der die Besucher mit einem kleinen Konzert begrüßte. Mitsingen war wie immer erwünscht. "Die Gedanken sind frei" war nur eines der Lieder, die auf die weiteren Programmpunkte einstimmten.

Mit großer Freude eröffnete Galerist Wilfried Staufenbiel die Ausstellung "Lupenreine Miniaturen eines Autodidakten". Der Autodidakt Marten Wustlich hatte vor zehn Jahren schon einmal hier ausgestellt und meldet sich dieser Tage mit ganz neuen, anderen Werken zurück. Die einstigen klaren Acrylmalereien sind nun einem neuen Stil gewichen. Wustlich arbeitet mit französischer Ölkreide und einer Kratz- und mehrschichtigen Auftragetechnik. Die etwa 20 mal 20 Zentimeter großen Bilder sind farbenfroh und symbolträchtig. In den Symbolen erkennt man konkrete Motive. "Unheimlich aufwendig", staunte ein Besucher. "Man sieht, dass da viel Mühe hinter steckt."

Ein Bild wird auch als vergrößerter Kunstdruck gezeigt. "Man sieht mehr bei der Vergrößerung, aber es geht künstlerisch viel verloren", bemerkt Wilfried Staufenbiel. "Man muss beim Original mit der Lupe rangehen, um die vielen Details zu erkennen. Deshalb heißt die Ausstellung ja auch ,Lupenreine Miniaturen'." In der Galerie im Hühnerstall können die Bilder am kommenden Wochenende noch einmal gesehen werden.

Wustlich wurde 1982 im Ostteil Berlins geboren und lebt für seine Kunst. Der große Durchbruch ist ihm bisher zwar noch nicht gelungen, doch wer auf ihn aufmerksam wird, ist beeindruckt. Er gibt sich etwas geheimnisvoll. Um ihn kennenzulernen und zu verstehen, braucht es wohl ebenso wie bei seinen Werken etwas Zeit und eine Lupe.

Anja Maier, hauptberuflich Parlamentskorrespondentin der "taz", hatte sich Zeit genommen, um den Gästen der Galerie aus ihren beiden Büchern vorzulesen. "Lassen sie mich durch, ich bin Mutter" heißt das viel diskutierte Buch, in dem Anja Maier von den Latte Macchiato-Müttern des Prenzlauer Bergs berichtet. Angefangen hatte alles mit kurzen Kolumnen, die zum Teil so stark kommentiert wurden, dass die 48-jährige - selbst mehrfache Mutter und ehemalige Prenzlbergerin - beschloss, ein Buch zu schreiben. Kurzzeitig zog sie aus dem Berliner Umland zurück in den Kiez, um aufzuschreiben, was sie sah. Im Buch erzählt sie von Erziehungsmethoden, Durchsetzungskraft und Selbstbewusstsein der Frauen, die sich nur noch über das Muttersein zu identifizieren scheinen. Die Anekdoten, die sie las, waren absolut hörenswert. Das Publikum kicherte zustimmend und konnte es manchmal gar nicht fassen, was da in Prenzlauer Berg passiert.

Nun hat jede neue Elterngeneration die Tendenz, alles anders machen zu wollen als die eigenen Eltern. Den daraus entstehenden Konflikt thematisiert Anja Maiers neues Buch "Als Oma bist Du ja ganz nett", das sie gemeinsam mit ihrer Tochter Hanna geschrieben hat, die selbst vor zwei Jahren Mutter wurde. In einem Kapitel bekennt Anja Maier, eine ausgeprägte Namensmacke zu haben. Dass das arme Enkelkind am Ende "nur" den Namen Sophie tragen sollte, wollte sie nicht verkraften. Ein zweiter Vorname erzähle doch erst die Geschichte. Tochter Hanna antwortet mit der Sorge, ihre Tochter Sophie werde irgendwann darunter leiden, keinen zweiten Vornamen zu tragen. Doch der Mutter/Großmutter musste man schließlich Einhalt gebieten.

Die Lesung fesselte das Publikum im Hühnerstall. Am Ende des Abends war jedenfalls klar: Anja Maiers Enkelin Sophie hat vielleicht keinen zweiten Vornamen, aber eine Geschichte dazu gibt es trotzdem.

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