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Zehnfacher Abstand zu Wohnbauten

Ines Rath / 16.07.2014, 04:01 Uhr
Alt Zeschdorf (MOZ) Käme die CDU in Brandenburg wieder in Regierungsverantwortung, würden Windräder - wenn überhaupt - viel weiter von Wohnbebauungen entfernt errichtet. Das hat CDU-Energieexperte Steeven Bretz in der spannungsgeladenen Debatte im Zeschdorfer Kulturhaus zur Energiepolitik im Land erklärt.

Fast eine Stunde lang hat Steeven Bretz die energiepolitische Misere im Land beschrieben. Zu der gehört, dass mehr als 3000 Windräder und Tausende Photovoltaikanlagen Unmengen an "grünem" Strom erzeugen - der nur zu einem Bruchteil genutzt wird, weil er nicht wegtransportiert werden kann. Bezahlt bekommen ihn die Anlagenbetreiber trotzdem. Sogar von abgeschalteten Windkraftanlagen nicht produzierter Strom wird bezahlt. Und wer denkt, dass die regenerative Energie den Braunkohlestrom ersetzt, irrt: Je mehr alternative Energie erzeugt wurde, desto mehr habe die Braunkohleverstromung zugenommen. Wegen der zu sichernden Grundlast, legte Bretz dar. Der CDU-Mann kam nicht umhin, mit seiner eigenen Partei "hart ins Gericht" zu gehen - der auf Bundesebene.

Die Energiewende sei "schlecht administriert", das EEG funktioniere nicht mehr. Statt umzusteuern würden weitere Ungerechtigkeiten produziert. Zum Beispiel in Form der "schizophrenen" Eigenproduktionssteuer für Solaranlagen. Das war nur ein Teil der Schelte, die Bretz an die Bundesregierung austeilte.

Die Rot-Rote Landesregierung in Potsdam kam nicht besser weg. Vor allem, was die Planung für die Erzeugung regenerativer Energien betrifft. Erst müssten die Netze ausgebaut und Speicherkapazitäten geschaffen werden, bevor weitere Wind- und Solarparks sowie Biogasanlagen genehmigt werden, forderte der Gast. Bretz verwies auf die einseitige Belastung der Brandenburger, die den Netzausbau im Land gemäß einer Bundesregelung allein bezahlen müssen und deshalb schon jetzt die höchsten Strompreise der Republik zahlen. Das schreckt Investoren ab, weiß der CDU-Landtagsabgeordnete.

Viele seiner etwa 20 Zuhörer, darunter neben Gastgeberin Kristy Augustin, der CDU-Kreisvorsitzenden und Landtagskandidatin auch mehrere SPD- und Linke-Politiker aus dem Landkreis und Vertreter von Windpark-Bürgerinitiativen, waren mit seiner Einlassung bis dahin nicht zufrieden: "Mir fehlt das Gegenkonzept Ihrer Partei. Deshalb bin ich hier", erklärte als erster Klaus-Dieter Titze-Burghurd von der Oderland Energiegenossenschaft aus Neuhardenberg.

Jörg Oldinski von der Alt Zeschdorfer Bürgerinitiative "Contra Windpark 47" wollte ebenso wie Rita Kosa von der Golzower Bürgerinitiative genau wissen, "wohin die energiepolitische Reise mit der CDU ginge". Schließlich habe es die ersten Windparks im Land, 500 Meter von Dörfern entfernt, schon mit der rot-schwarzen Landesregierung gegeben, erinnerte Kosa.

Steeven Bretz versicherte daraufhin: Mit der Landes-CDU werde die so genannte Länder-öffnungsklausel für den Windparkbau "sofort" kommen. Und damit die Festlegung, dass Windkraftanlagen nur noch im zehnfachen Abstand ihrer Gesamthöhe zu Wohnbauten errichtet werden dürfen. Wald soll für den Windradbau tabu sein.

Auf die Frage des Zeschdorfer Gemeindevertreters Frank Fries, ob die CDU "den Windpark-Planungsauftrag für die Regionalen Planungsgemeinschaften zurückziehen" werde, erklärte der CDU-Energieexperte: Er würde den Planungsgemeinschaften "die Zuständigkeit für die Ausweisung von Windparks entziehen wollen. Das sollte Landessache sein." Zeschdorfs Bürgermeisterin Margot Franke (SPD) befürchtete wie andere in der Runde, dass dann erst recht "über die Köpfe der Betroffenen vor Ort hinweg entschieden" werde.

Auf Frank Fries' Frage nach einer "Grundsteuer W", also Beteiligung der Gemeinden an den Gewinnen der Windrad-Betreiber, erklärte Steeven Bretz, dafür sehe er "keine Chance". Ebenso wenig wie für einen kurzfristigen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung.

Die Vorsitzende des SPD-Unterbezirkes und Landtagskandidatin Simona Koss erklärte auf Nachfrage von Rita Kosa, sie "habe verstanden", was die Bürgerinitiativen wollen. Ihre Mitbewerberin ums Landtagsmandat, Kristy Augustin, sprach sich dafür aus, die politischen Kräfte aus der Region gegenüber der Landesregierung zu bündeln. Über die CDU-Kreistagsfraktion wolle sie zudem Einfluss auf die Wahl der Regionalräte für die Regionale Planungsgemeinschaft nehmen, kündigte Augustin an.

Leserforum

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Sonnenmu(e)rkel 29.07.2014 - 14:08:28

Bauernschläue ist unübertreffbar!?

Jetzt betreibt doch wirklich ein Bauer sein Windrad mit "Solarstrom". So, wie die Sonne hinter den Wolken vorkommt, beginnt sich sein Windrad auch bei "befohlener" Windstille zu drehen. Aber anscheinend nur ein "Nach-Armer". Sollte sich mal die Merkel ansehen......"Kombination" der EE. Echt toll. Mal sehen, ab wann Scheinwerfer über den Solaranlagen aufgestellt werden, um den vielleicht gegebenen Windstrom auch für Solarstromgewinnung zu nutzen, natürlich nur nachts. Nichts ist unmöglich .....Toyota. Au Backe!!!!!

Till 28.07.2014 - 12:26:53

Danksagung und mehr

Zu erst einmal - ich danke @Mondlicht für seinen/ihren nachstehenden Hinweis. Für alle Mitleser folgt ein aktueller Hinweis zur Realität im Land, anzusehen unter: https://m.facebook.com/login.php?next=https%3A%2F%2Fm.facebook.com%2Fstory.php%3Fstory_fbid%3D241389456072266%26id%3D100006036399950&refsrc=https%3A%2F%2Fm.facebook.com%2Fstory.php&_rdr Meine Forderung bleibt - Keine Windräder in den Wald! Schließt Euch bitte alle an.

Mondlicht 27.07.2014 - 18:58:25

Hallo Till!

" Gibt es dazu ein Gutachten und wo ist es nachzulesen? Wer hat mitgewirkt?" Diese Frage ist gerechtfertigt. Auch, wenn man es nicht glauben will. Schon zu DDR-Zeiten hat man Gutachten Über die sinnvolle Nutzung von Wind und Sonne erstellt. Ergebnis: Aufwand ist viel zu groß und völlig unwirtschaftlich aufgrund des Windaufkommens und der effektiven Sonnenscheindauer. Spielzeug für "Reiche", nichts weiter, oder eben auch, um anderen ganz offiziell das Geld "wegzunehmen". Die Quelle ist leider für diese INFO versiegt, aber Merkels Bemerkung, dass Sonnenenergienutzung "Quatsch" ist, müßte noch im Internet zu finden sein. Oft sind jetzt bei 3sat Sendungen im Programm, wo man die Wahrheit nennt. Sie ist extrem ernüchternd

Till 27.07.2014 - 14:28:53

Alte Bauernweisheit: Erst denken, dann handeln!

Eines muss man allen "Vorschreibern" lassen, ein Körnchen Wahrheit ist bei allen dabei, aber der Punkt wird nicht getroffen. Der wäre erreicht, würde die gesellschaftliche Notwendigkeit von Verbrauch und Erzeugung auch einmal in Frage gestellt. Vom Gewinn hat der Stromabnehmer nichts, da er ihn bezahlt. Er braucht nur bedarfsgerechten Strom, mehr nicht. Bleibt die Frage: Wer wollte eigentlich eine Energiewende? Wo blieb in den Jahrzehnten zuvor der "Gewinn"? Wie hoch war er und wurde er ordentlich reinvestiert? Wurde er zur sozialen Verbesserung der Gesellschaft verwendet? Wurde er egoistisch nur durch wenige abgeschöpft? Wer sind die Nutznieser und wer ihre Günstlinge, die dieses System stützen und verteidigen? Wurde zu aller erst das Ziel der Wendung bestimmt und von wem? Wohin, wie schnell usw., kann man sich ohne Schaden zu nehmen "wenden"? Gibt es dazu ein Gutachten und wo ist es nachzulesen? Wer hat mitgewirkt? Mein Eindruck ist: Es geschieht alles ohne Antworten auf die allermeisten der gestellten Fragen. Man hat Seitens der Verantwortlichen nur eine populistische Wortblase in Umlauf gebracht, wie bei Wortschöpfungen "Erneuerbare Energie" oder "Bio-Gas", von denen in der Zwischenzeit inhaltlich alle enttartn wurden - Nur es stört kaum einen. Keiner dieser von allen genutzten Begriffe ist auch mit dem vermeintlichen Inhalt erfüllt und so muss nach meiner Auffassung die Grundauseinandersetzung erst noch geführt werden. Wir müssen wissen - was wollen wir wann und wie oder womit erreichen. Also - fangt in Euren kommenden Kommentaren damit an. Schließt Euch der Grundthese der BI "Hände weg vom Liepnitzwald" an - ein Paradigmentwechsel muss stattfinden: Schluss mit der Subventionierung von jeglichem Ressourcenverbrauch. Gefördert darf nur noch werden, was Verbrauch absenkt. Schluss mit einer Wende ins Nichts!

Frank 27.07.2014 - 11:44:30

Herr Discher

das Elektroauto ist genauso alt wie das benzingetriebene Automobil. Die Automobilkonzerne haben dann begriffen, die wartungsarmen und langlebigen E-Autos nicht weiter zu bauen. Warum das Elektroauto sterben musste https://www.youtube.com/watch?v=9r1W_kbJ7Zo

Helmu Discher 27.07.2014 - 10:14:41

Erneuerbare sind die Zukunft

Auch das Elektroauto wird kommen. Natürlich nicht von heute auf Morgen. Wer hätte vor zwanzig Jahren gedacht das es einmal ein Handy gibt oder einen Tv Flachbildschirm.

R.Ebeling 27.07.2014 - 10:14:40

Endlich wurden mal die Probleme benannt

Es wurden ja schon einige Mindestforderungen benannt, wie der Mindestabstand zur Wohnnutzung mit der 10fachen Gesamthöhe eines Windkraftwerkes und Windkraftwerke raus aus dem Wald. Nur das reicht nicht mehr. Es muss ein Aufstellungmoratorium für Windkarftwerke geben, und es sind die Regionalplanungen zum weiteren Winddradausbau zu beenden, weil: 1. ohne ökonomische Strom-Speicher ist der weitere Windradausbau nicht sinnvoll 2. es gibt zunehmend Akzeptanzprobleme nicht nur in Brandenburg mit über 55 Bi's sondern in ganz Deutschland. Nicht allein wegen der negativen Einflüsse auf Mensch und Natur, auch wegen der Zweifel an der Sinnhaftgkeit mit einem Anteil der Windenergie am Primärenergieverbrauch von 1,3% . 3. die Kosten laufen aus dem Ruder, durch Netzausbau, parallel laufend konventionelle Kraftwerke und EEG. Bei der Enregiwende sollte man sich auf die Sektoren Wärme und Verkehr konzentzrieren, da gibt es genug Baustellen. Also liebe Brandenburger-CDU, das wäre doch eine Herausforderung.Sie scheint mir noch die vernünftigste Partei.

obi wahn 27.07.2014 - 09:50:25

Sogenannte "Erneuerbare Energien" werden dennoch nicht die Zukunft sein

"Seit Jahrzehnten wird die Fusion versprochen. Und trotz großer Förderungen ist da bisher nichts Brauchbares erschienen." Es ist halt Neuland welches man mit der Kernfusion betritt, aber die meiner Meinung einzig energetische Hoffnung - Energie im Überfluss - wenn man nicht wieder ins Mittelalter zurück fallen möchte. Selbst die USA sind damals noch auf den Zug in Greifswald aufgesprungen: http://phys.org/news/2011-07-wendelstein-x-fusion.html http://www.welt.de/wissenschaft/article128188692/Experiment-zur-Kernfusion-vor-dem-Start.html

maulwurf 27.07.2014 - 09:08:19

@hermann 1

"Weil man die Konzerne nicht verärgern will? Das sollte man dann aber schnell ändern und mit jeden 1000 MW neu installierter PV oder Windwahnleistung eines dieser Dreckschleudern abschalten. Das wäre, wenn ich Sie richtig verstanden habe, der richtige Weg, oder?" Nur mal so am Rande bemerkt: Wind gibt es zu 1/4 der Gesamtjahreszeit... allerdings dieses Jahr schon mal extrem wenig, fast keinen.. Sonne idealer Fall zu 10% der Gesamtjahreszeit, im Winter keine. Die Bauern haben doch nur Schwein im diesem Jahr, weil sie eine gute Ernte einfahren. Ansonsten würde sie Insolvenz anmelden müßten, wenn man Herrn Karcher folgt: "Die Bauern brauchen Windräder, um zum überleben" Fragt sich bloß auf welchem Planeten. Die Windräder rosten ja langsam fest. Superwetter heute. "Alle stehen still und machen keinen Krach und belästigen niemand"

Hermann 1 27.07.2014 - 01:11:07

Unde deren Gewinnmargen nicht drücken will?

Zitat:" wir haben ja nun 85 millionen solarmodule verbaut und 38500 windkrafträder 25 gezeitenkraftwerke etc errichtet was will der bürger denn noch" prinzip verfallen, wenn 25km weiter immer noch atommeiler stehen oder 70 km weiter immer noch kohle abgebaut wird weil man ja die konzerne nicht verärgern will und deren gewinnmargen nicht drücken will." Zitat Ende Weil man die Konzerne nicht verärgern will? Das sollte man dann aber schnell ändern und mit jeden 1000 MW neu installierter PV oder Windwahnleistung eines dieser Dreckschleudern abschalten. Das wäre, wenn ich Sie richtig verstanden habe, der richtige Weg, oder? Wer sind denn DIE Konzerne? In vielen Fällen sind doch die vielen Stadtwerke als Aktionäre an RWE und Co beteiligt, sogar die Länder halten Anteile. Wollen sie Kraftwerke, die für 50-60 Jahre gebaut wurden nach 30 Jahren Betriebsdauer stilllegen? Das wäre Vernichtung von Volksvermögen. Zudem benötigen wir diese Kraftwerke doch, oder wollen Sie wie heute Mittag geschehen, mit 400 MW Windwahneinspeisung 30.000 MW herkömmliche Kraftwerksleistung vom Netz nehmen? Es gibt viele Träumer in diesem Land

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