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In der Galerie am Kietz verschaffen sich zehn Maler eine "Neue Sicht auf alte Bilder" / Cora Vries entdeckt PCK-Schätze

Neue Sicht auf alte Bilder

Eva-Martina Weyer / 18.07.2014, 06:58 Uhr - Aktualisiert 24.07.2014, 19:45
Schwedt (MOZ) Zehn Maler und Grafiker sind zum diesjährigen Künstlertreffen in die Galerie am Kietz gekommen. Zwei Wochen lang arbeiten sie nach dem Motto "Neue Sicht auf alte Bilder". Cora Vries aus den Niederlanden gehört zu ihnen. Sie ist im Schaffensrausch.

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Damit sie die Zeit nicht vergisst, hat Cora Vries ihre Armbanduhr mit Klebestreifen an der Wand befestigt. In der Galerie am Kietz hat sie, wie neun andere Künstler aus Deutschland, Polen, den USA und Großbritannien, ihr Atelier eingerichtet. "Es sprudelt in mir. Ich muss mich fokussieren, denn wir haben nur zehn Tage Zeit", sagt Cora Vries.

Am Dienstag hat sie die PCK-Kunstsammlung im Original gesehen. "Ein wahrer Schatz", sagt die 58-Jährige. "Die Bilder anzusehen, ohne die Geschichte der DDR im Kopf zu haben, ist unmöglich."

Besonders inspiriert haben sie die Bilder "Aufbau Düngemittel" von Franz Nolde, das eine Baustelle und Kräne zeigt, sowie "Kleiner Besuch" von Lothar Zimmermann. Darauf hebt ein Schweißer seinen kleinen Sohn in die Luft. Beide Werke stammen aus den frühen 1960er-Jahren. Die Originale im PCK betrachten zu können, das hat sie sehr berührt. Eine Bilder-Schau am Computer hatte sie dank Zusendung aus der Raffinerie schon in den Niederlanden gesehen.

In der Abschlussausstellung, die am 25. Juli eröffnet wird, möchte Cora Vries die Bilder von Nolde und Zimmermann neben ihre eigenen Werke hängen. "Der Betrachter soll sehen, was mich inspiriert hat. Dann kann er verstehen, wie ich über die DDR-Zeit nachgedacht habe und wie unsere Kollegen damals gearbeitet haben."

Cora Vries denkt viel über die Entstehungszeit jener Kunstwerke nach, die das PCK meist in Auftrag gegeben oder angekauft hat. Sie empfindet es als interessanten Kontrast, die starken, schwarzen Striche auf dem Nolde-Bild zu sehen und dann die Zärtlichkeit auf dem Bild "Kleiner Besuch". Dieses Werk symbolisiert für sie Menschlichkeit. "Ich möchte den harten Gegensatz zeigen zwischen der Realität und der Zartheit des sozialistischen Traums. Der Traum war gut. Die Realität war es nicht immer."

Außerdem hat sich die Künstlerin von einer großen Steingussarbeit eines unbekannten Bildhauers inspirieren lassen. Sie ist eine Büste und heißt "Feliks E. Dzierzynski". Cora Vries hat beim Rundgang durch die PCK-Kunst erfahren, dass Dzierzynski Gründer der sowjetrussischenGeheimpolizeiTscheka war. Ihre Ideen für eine eigene Arbeit dazu, quasi als Kommentar, sind noch ganz frisch und formen sich gerade in ihrem Kopf. Sie will der Steingussarbeit das Symbol von Facebook gegenüber stellen. Wie wird der Betrachter darüber nachdenken?

"Wir werden auch heute ausspioniert. Das ist schlimm und hochaktuell", findet die Künstlerin. In diesem Sinne könne Kunst politisch sein, als Reaktion auf das Leben in der Gesellschaft. Die für Sonnabend angesetzte Podiumsdiskussion zum Thema "Wie politisch ist Kunst heute?" erwartet sie voller Spannung.

An dieser Diskussion will auch Karin Knobloch teilnehmen. Sie ist Mitglied im Schwedter Malkreis, der den Namen Franz Nolde trägt. Am Donnerstag hat Karin Knobloch allen Künstlern in der Galerie am Kietz bei der Arbeit zugeschaut. "Es ist wunderbar, dass wir hier einfach so herein dürfen", sagt sie.

Ihre Begleiterin Gerlinde Faatz ergänzt: "Es ist schön, dass der Kunstverein Schwedt und das PCK auf diese Weise ein Erinnern an die Aufbaujahre von Schwedt möglich machen. So erfahren die Kunstwerke wieder mehr Aufmerksamkeit. Schade, dass so viel DDR-Kunst in Archiven verschwindet."

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