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Mediator soll vermitteln / Ortswehrführer suspendiert / Wandlitzer als Übergangschef im Gespräch

Basdorfer Wehr erlebt schwere Krise

Derzeit steht die Drehleiter im Wandlitzer Depot, Gemeindewehrleiterin Anke Müller führt sie vor.
Derzeit steht die Drehleiter im Wandlitzer Depot, Gemeindewehrleiterin Anke Müller führt sie vor. © Foto: MOZ/Hans Stilll
Hans Still / 21.07.2014, 21:30 Uhr
Basdorf (MOZ) Mit einem Krisengespräch wird am Mittwoch versucht, die Probleme unterm Dach der Basdorfer Feuerwehr zu lösen. Im Beisein eines Mediators sollen die Beteiligten nach monatelangem Gegeneinander wieder zur Zusammenarbeit zurückfinden.

Früher verstanden sich die Feuerwehrleute als eine eingeschworene Gemeinschaft, heute ist die Ortswehr Basdorf ein Fall für den Mediator. Schwere Vorwürfe stehen im Raum: So wird dem bisherigen Ortswehrführer Robert Knauerhase seitens der Gemeinde vorgeworfen, die für eine Wehr wichtigen Qualifikationen der Kameraden aus dem Blick verloren zu haben. Auch habe ein Basdorfer eine Atemschutzübung im Feuerwehrtechnischen Zentrum Eberswalde absolviert, ohne die notwendige gesundheitliche Eignung und die Fachkenntnisse mitzubringen. Knauerhase wurde von der Gemeindewehrführerin Anke Müller vom Dienst suspendiert, gegen ihn und ein zweites Mitglied der Basdorfer Wehrführung läuft ein Disziplinarverfahren.

Doch damit nicht genug, denn auch die Einsatzbereitschaft der Wehr steht infrage. So wurde im Mai eine Übung am Verwaltungssitz in Wandlitz ausgerufen. "Für die Höhenrettung ist die Basdorfer Wehr zuständig, dort befand sich damals die Drehleiter. Aber bei der Übung mussten wir uns die Leiter selbst abholen", erinnert Anke Müller an den 21. Mai. "Erst 35 Minuten nach Alarmierung stand die Leiter am Gebäude, die Mitarbeiter wären bis dahin längst im Rauch umgekommen", so die Gemeindewehrführerin. Die vorgeschriebene Hilfszeit beträgt übrigens 15 Minuten. Zwei Tage später kam dann die Drehleiter von Basdorf ins Depot der Wandlitzer Wehr.

"Nach meinem Eindruck gibt es eine Faktenlinie der Verwaltung und eine emotionale Linie der Männer", so der Eindruck des Basdorfer Ortsvorstehers Peter Liebehenschel zur gegenwärtigen Situation. Er war beim ersten Krisengespräch dabei und will erst seit diesem Abend genauer von den großen Problemen in der Ortswehr erfahren haben. "Das hätte schon vor zwei Jahren kommuniziert werden müssen. Da hätte ich mich auch gern als Mediator angeboten. Ich will ja niemandem die Schuld zuweisen, aber mit etwas mehr Kommunikation wäre das alles vermeidbar gewesen", urteilt Ortsvorsteher Peter Liebehenschel heute.

Auch der suspendierte Ortswehrführer Robert Knauerhase erkennt fehlende Kommunikation und den Ton als eine der wesentlichen Ursachen. "Seitens der Gemeindewehrleiterin wurde mit uns in einer Form umgegangen, dass wir sogar bei einem Anwalt vorstellig wurden, um uns rechtlich beraten zu lassen." Auch eine Dienstaufsichtsbeschwerde eines Kameraden gibt es gegen die Gemeindewehrführerin. Sie habe, so Knauerhase, "die Übung in Eberswalde zum Anlass genommen, um uns Sachen anzuhängen". Der betreffende Kamerad habe demnach sehr wohl die gesundheitliche Eignung gehabt und auch an Fachlehrgängen zum Atemschutz teilgenommen. Da die Unterlagen dazu abhanden gekommen seien, hab er dies an Eides statt erklärt.

Gemeindewehrführerin Anke Müller und Bürgermeisterin Jana Radant werden am Mittwoch den Vorschlag machen, den stellvertretenden Gemeindewehrführer Tobias Looke vorübergehend zum Basdorfer Wehrleiter zu berufen. Dann soll auch bald die Feuerwehrdrehleiter nach Basdorf zurück, vorausgesetzt, die Wehr ist einsatzbereit.

Ob es dazu kommen wird, dass ein Wandlitzer Basdorfer Ortswehrführer wird, muss abgewartet werden. Knauerhase glaubt nicht daran. "Zunächst muss die Vergangenheit aufgearbeitet werden und das Vertrauensverhältnis wieder stimmen. Außerdem haben wir drei ausgebildete Gruppenführer, die könnten doch die Wehrführung übernehmen und sich qualifizieren." Knauerhase mahnt: Die Dienstbeteiligung habe schon zu 80 Prozent nachgelassen. Langgediente Kameraden hätten sich abgewandt.

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Felix Savon 25.07.2014 - 16:42:14

Linientreu

Immer toll, wenn die Leiter/Führer nicht altgediente und sich hochgearbeitete Kameraden aus den eigenen Reihen sind, sondern "Linientreue" der Mächtigen. Hört man irgendwie öfters und häufig sind die, die unter ihnen dann arbeiten müssen, damit unzufrieden. Der im Artikel beschrieben Einsatz mit der Drehleiter sollte vermutlich einfach auch mal ordentlich abgesprochen werden. Die Anschaffung der Drehleiter hielt ich damals schon für falsch - demnächst brauchen wir bestimmt auch noch ein Flugzeug!

Kerstin Berbig 23.07.2014 - 10:30:45

Wer trägt dieSchuld?

Es ist glaube ich zu einfach hier nur die Fehler bei Frau Müller als Gemeindewehrführerin zu suchen. Diese Dinge passieren nicht einfach über Nacht, sondern zeichenen sich lange vorher schon ab, da kann ich Herrn Börst nur Recht geben. Aus meiner Sicht ist die Arbeit die unsere Feuerwehrfrauen und Männer tun eine wichtige gesellschaftlich hoch anzusehende. Wir alle sollten bevor wir uns ein Urteil darüber erlauben was richtig und was falsch ist doch fragen wollen oder können wir das auch. Ich für mich muß sagen ich kann es nicht. Die Arbeit der Kammeraden der Freiwilligen Feuerwehr muß hoch eingestuft werden, den sie ist freiwillig. Man muß gerade bei diesen Differenzen Hilfe anbieten und nicht von oben herab Dinge "vorschreiben". Hier muß vermittelt werden um gerade in einer unserer größten Wehren Ruhe und Beständigkeit wieder herzustellen. Es ist niemanden damit gedient wenn bei Einsätzen nicht genügend Kammeraden da sind um diese auch abzusichern. Auch kann man von den anderen Feuerwehren der Gemeinde, und hier vo rallen die Wandlitzer Wehr, nicht erwarten das diese zu jeder Tages-und Nachtzeit ausrücken und die Einsätze zu übernehmen. Die Forderung nach einem Rücktritt löst das Problem auch nicht.

Max-Norbert Börst 22.07.2014 - 21:04:11

FF Basdorf- einst vorzeige Feuerweh heute dem Tode geweiht

Die FF Basdorf war im Amt Wandlitz eine Vorzeige FF auch noch nach der Gemeindegebietsreform. Erst nach dem Ortswehrwehrführer wechsel fing es in der OFW Basdorf zu rumoren an. Nun frage ich mich, liegt es an der neuen Ortswhrführung oder an der neuen Gemeindewehrführerin ? Fackt ist das eine Fremdverwaltung nicht gut gehen kann. Zu den Gemeindefeuerwehrtag habe ich gelesen, das Kam. Berbig die OFW leitet. Jetzt Soll Kam. Looke ran.Dies kann meiner Meinung nach nicht gut gehen. Eher sollte man einen ausgebildeten Gruppenführer aus Basdorf einsetzen und einen erfahrenen und alt gedienten Feuerwehrmann aus der Gemeinde Wandlitz als Berater hinzufügen.

Daniel S. 22.07.2014 - 12:24:43

Reine Willkür der Gemeindewehrführerin

Guten Tag, ich habe noch nie erlebt, mit welch einer Willkür in der Position einer Gemeindewehrführerin hier vorgegangen wurde, um eine Ortswehr nieder zu machen, wenn man dazu noch bedenkt, dass es immer noch "freiwillig" ist, was die Männer und Frauen der Basdorfer Wehr hier leisten. Der Gemeindewehrführerin der Gemeinde Wandlitz, kann man nur den sofortigen Rücktritt empfehlen, nicht das noch mehr Kameraden zu Schaden kommen. Mit freundlichen Grüßen

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