Seelow/Letschin . Ihr Rücktritt kam überraschend, wie ein Paukenschlag: Nach drei Monaten im Amt ist Jutta Lieske gestern als Landwirtschafts- und Infrastrukturministerin zurückgetreten. Der Grund: akute gesundheitliche Probleme. Bereits seit Wochen soll es der SPD-Politikerin schlecht gehen. Ihre Genesung wird wohl noch Wochen dauern.
Die ersten Reaktionen auf die Nachricht in der Region: Sprachlosigkeit und Betroffenheit - sie zeigte sich auch bei Landrat Gernot Schmidt. "Ich bedaure außerordentlich, dass Jutta Lieske zurückgetreten ist", sagte er gestern. "Aber wie ich sie kenne, wird sie sich den Schritt reiflich überlegt haben." Viel wichtiger als ein Amt, so der Landrat, sei in jedem Falle die Gesundheit. "Niemand kann verurteilen, wenn sich jemand aus gesundheitlichen Gründen zu so einem Schritt entscheidet." Der Landrat hatte gestern mit Jutta Lieske telefoniert und ihr gute Besserung gewünscht.
Auch in Letschin, wo Jutta Lieske zu Hause ist, hat niemand mit dem Rücktritt gerechnet. Günter Fetting, Gemeindevertreter und Fraktionsvorsitzender der SPD, reagierte ebenfalls überrascht und betroffen als er davon hörte. Er wollte sich gestern nicht weiter dazu äußern, sondern müsse die Nachricht zunächst einmal verarbeiten. Aber auch er hoffe vor allem, dass die Letschinern so schnell wie möglich wieder gesund wird.
Als Gemeindevertreterin von Letschin war Jutta Lieske im November zwar zurückgetreten. Kreistagsabgeordnete ist sie aber nach wie vor. Der Vorsitzende des Kreistages, Wolfgang Heinze, hatte die Nachricht am Morgen im Radio gehört. Er wollte es zunächst nicht glauben, sagte er gestern. Auch er wünschte ihr gute Besserung. "Sie hat eine schöne Aufgabe übernommen, die auch für uns als Kreis mit viel Hoffnung verbunden war. Aber ihre Behörde umfasste auch eine riesige Bandbreite. Selbstverständlich berührt es mich und geht mir nahe, dass sie aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste. Aber die Gesundheit steht an erster Stelle." Wolfgang Heinze ist sich sicher, dass Jutta Lieske mit ihrer Energie und ihrem Fleiß politisch noch sehr viel bewegen wird, sobald es ihr wieder besser geht.
Ebenfalls aus dem Radio hatte Bad Freienwaldes Bürgermeister von dem Rücktritt der SPD-Politikerin erfahren. "Für uns als Stadt ist es sehr bedauerlich, dass Jutta Lieske zurückgetreten ist", so Ralf Lehmann. "Es wäre sicher künftig für die Region noch mehr möglich gewesen, wenn sie weiterhin Ministerin geblieben wäre", meinte er. Aber er verstand auch ihren Entschluss: "Manchmal muss man sich eingestehen, dass es vielleicht zu viel ist." Er hoffe, dass sie nach ihrer baldigen Genesung ihr Mandat als Landtagsabgeordnete wieder wahrnehmen werde.
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