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Nadja Voigt 06.08.2014 19:40 Uhr

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"Verzicht auf Blei ist möglich"

Eberswalde/Prädikow (MOZ) Wissenschaftler der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (Barnim) haben eine umfassende Studie zur Verwendung von bleifreien Geschossen für die Jagd vorgelegt. Sie vereint Beobachtungen von Jägern und ballistische Daten.

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"Treffen ist Trumpf": Carl Gremse (37), wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fachgebietes Wildbiologie, Wildtiermanagement und Jagdbetriebskunde an der Eberswalder Hochschule,

© MOZ/Nadja Voigt

"Damit sind wir international ganz vorne mit dabei", sagt Carl Gremse. Seit Februar dieses Jahres liegt sein Bericht dem Bundeslandwirtschaftsministerium vor. Zentrales Ergebnis: "Ein Verzicht auf Blei als Geschossmaterial ist möglich." In einem weltweit einzigartigen Verfahren haben Carl Gremse und sein Chef, Professor Siegfried Rieger, das nachweisen können. Dazu wurden 11 371 Berichte zu Erlegungen von Schalenwild bundesweit erhoben. "Wir haben standardisierte Protokolle entwickelt, in der die Jäger angeben konnten, wie sie Tiere geschossen haben und womit, aus welcher Distanz und mit welchem Ergebnis", gibt er ein Beispiel. Verknüpft wurden die Beobachtungen dann mit Ergebnissen aus ballistischen Untersuchungsreihen. Darin wurden ausführlich die Wirkungen von bleifreier und bleihaltiger Munition dokumentiert.

Auch die Preise für die Geschosse wurden in dem Forschungsbericht gegenübergestellt. Mit dem Ergebnis, dass die bleifreie Munition im Mittel nur 60 Cent mehr pro Schuss kostet, wie Carl Gremse betont. "Ich finde es zentral, dass an dieser Stelle nicht gespart wird", sagt der 37-Jährige, der mit seiner Familie in Prädikow (Märkisch-Oderland) lebt und selbst Jäger und Schweißhundeführer ist. Als Wissenschaftler und Weidmann sind ihm Offenheit und Transparenz wichtig. "Uns und unser Handeln überprüfen, unsere Kenntnisse und Fähigkeiten schulen", nennt Gremse als zentrale Punkte auf die Frage, welcher Weg zu einer modernen Jagd führen könnte. Und sagt: "Treffen ist Trumpf. Das kann man üben." Die Jägerschaft müsse gut ausgebildet und informiert sein. "Wir müssen die Anliegen, die aus der Gesellschaft an uns herangetragen werden, diskutieren und ernst nehmen." Deshalb dürfe das Thema Besitzstandswahrung im Zusammenhang mit der Diskussion um den Wolf zum Beispiel auch nicht als erstes angeführt werden, findet Gremse, der seit 2005 an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist. Wildfleisch ist für den diplomierten Forstwirt und passionierten Jäger zudem eine attraktive Alternative zur Massentierhaltung, wie er sagt.

In seiner achtjährigen Forschungsarbeit im Auftrag des vormaligen Bundesverbraucherschutzministeriums - aufgrund veränderter Grenzwerte für das Schwermetall und seine gesundheitsschädliche Wirkung für Mensch und Tier - wurde zudem definiert, was ein Geschoss können muss. "Das Tierschutzgesetz besagt, dass eine Tötung von Wirbeltieren nur zulässig ist, wenn diesen dabei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen zugefügt werden", erklärt Gremse den Ausgangspunkt. Deshalb spiele der Zusammenhang zwischen Geschosswirkung und der zurückgelegten Fluchtstrecke des Tieres eine zentrale Rolle in seinem Bericht: Je mehr Energie abgegeben wird, desto kürzer ist die Fluchtstrecke. "Wir haben daraus Parameter erarbeitet, was ein Geschoss können muss", erklärt Carl Gremse. So muss es tief genug eindringen und zudem früh genug ausreichend Energie abgeben. "In welcher Form diese Parameter Eingang in die Richtlinie finden, die derzeit erstellt wird, entscheidet nun der Gesetzgeber." Die Arbeit, die nicht ohne die Mittel von Land und Bund oder die Beteiligung der Jägerschaft möglich gewesen sei, wie der Wissenschaftler betont, habe auch bei den Herstellern von Jagdmunition Interesse geweckt. Immerhin habe nun Schleswig-Holstein als erstes Bundesland flächendeckend den Einsatz von bleihaltiger Munition verboten. In Brandenburg ist es der Landeswald, in dem die Jagd mit bleihaltigen Geschossen untersagt ist.

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