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Das Ensemble "musica mensurata" präsentiert in der Schönower Dorfkirche Mittelaltermusik

Vielschichtig wie die gotische Architektur

Wilfried Staufenbiel, Holger Marks, Judith Simonis mit Glockenspiel, Gesine Nowakowski, Egbert Schimmelpfennig mit Fidel und Hans-Martin Meckel (v. l.)
Wilfried Staufenbiel, Holger Marks, Judith Simonis mit Glockenspiel, Gesine Nowakowski, Egbert Schimmelpfennig mit Fidel und Hans-Martin Meckel (v. l.) © Foto: Angela Kowalick
Angela Kowalick / 25.08.2014, 21:30 Uhr
Schönow (gea) Musik der etwas anderen Art gab es in der Schönower Dorfkirche zu hören. Das Ensemble "musica mensurata" präsentierte den rund 100 Zuhörern gotische, mehrstimmige Musikstücke aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Im Gegensatz zu den bekannten Spielleute-Melodien, wie man sie von Mittelaltermärkten und -filmen her kennt, handelte es sich hierbei um höchst anspruchsvolle, höfische Musik.

Kurze Erläuterungen halfen dem Publikum, diese Form von Musik zu verstehen. Denn Wilfried Staufenbiel, Veranstalter der stets gut besuchten Schönower Cool-Tour-Tage, macht Kultur nicht nur erlebbar, sondern auch verständlich. Um alles über die gotische Polyphonie, also die mittelalterliche mehrstimmige Musik zu erklären, "bräuchten wir ein Wochenseminar," betonte Staufenbiel.

So vielschichtig und kompliziert wie die gotische Architektur sei auch die Musik dieser Zeit. "Das ist Augenmusik", schwärmte Staufenbiel. "Das sieht auf dem Papier schön aus. Aber es zu spielen, ist schwer." Während Notenblätter heute eindeutige Spielweisen vorgeben, sind die des Mittelalters so aufwendig zu lesen wie lateinische Sprache. Dort kann ein Wort für sich allein vieles bedeuten, erst im Satzzusammenhang ist es eindeutig. Mit den gotischen Noten verhält es sich genauso. Ob man eine Note so oder anders spielen soll, erschließt sich nur nach genauer Studie des ganzes Liedes.

Die mehrstimmigen Lieder hatten nicht wie heute Haupt- und Hintergrundstimmen. Es war üblich, über ein bestehendes Lied ein zweites zu legen. So überdeckten sich mitunter mehrere Melodien, während eine Stimme auf Latein über das Leben und eine zweite auf Französisch über die Liebe sang. "Heute wäre so etwas urheberrechtlich bedenklich", bemerkte Staufenbiel.

Er gründete die Gruppe "musica mensurata" 1979 mit einigen Musikerkollegen. Anfänglich bauten sie ihre Instrumente noch selbst. Später fanden sich Instrumentenbauer, die dem Ensemble Drehleiern, Fideln und ein Portativ, eine tragbare Orgel, fertigten. Gemeinsam mit professionellen Sängern entfaltete "musica mensurata" einen zauberhaften Klangteppich in der Schönower Kirche, der nach einer Zugabe verlangte. "Das war mal ein Erlebnis der besonderen Art. So etwas erlebt man nicht alle Tage. Großartig", lobte ein älterer Schönower die Vorstellung. Leider war das Musizieren mit den alten Instrumenten auf den hinteren Plätzen in der Kirche nicht zu sehen.

Im Anschluss an das Konzert eröffnete die Malerin Inge H. Schmidt in der Galerie im Hühnerstall gemeinsam mit ihrer Schülerin Gela die Ausstellung "Sammelsurium von kleinen Kunststückchen". Für die international agierende Künstlerin Inge H. Schmidt war diese Mini-Ausstellung eine interessante neue Erfahrung, auch weil sie in der Galerie nur kleine und mittlere Formate zeigen konnte, obwohl ihre Gemälde meist drei bis vier Meter messen. Zu sehen waren Portraits und Stadtansichten, die zwar manchmal etwas düster, aber immer kräftig und fesselnd sind.

Als krasses Gegenstück hingen an der gegenüberliegenden Wand Bilder ihrer Schülerin Gela. An deren Arbeiten schätzt Schmidt den "unverdorbenen, heiteren Blick auf die Welt". Tiere, vor allem Insekten, seien ein beliebtes Thema von Gela.

Am nächsten Wochenende sind die Werke noch einmal zu sehen.

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