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Die Gestapo holte auch Otto Feldstein

Woltersdorf . Das Schicksal ehemaliger jüdischer Wolterdorfer steht im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts, dem sich derzeit eine Arbeitsgruppe des örtlichen Verschönerungsvereins widmet. Das Ergebnis sollen in einem neuen "Woltersdorfer Heft" der Öffentlichkeit präsentiert werden.

"2008 haben wir begonnen, sind nun mitten in den Recherchen.Und es ist erstaunlich, wie viel wir bereits gefunden haben", sagt die Woltersdorferin Anny Przyklenk die den Hut für die Arbeitsgruppe des örtlichen Verschönerungsvereins zur "Erforschung des Schicksals ehemaliger jüdischer Mitbürger" aufhat, in der auch Lothar Löwe und Siegfried Thielsch mitwirken. Die drei sind seit zwei Jahren nicht nur in Archiven und im Internet unterwegs, sie machten auch Zeitzeugen ausfindig, und es gelang sogar über Ländergrenzen hinaus - selbst bis in die USA - Kontakte zu Nachfahren ehemaliger jüdischer Woltersdorfer zu knüpfen. Für das geschichtsinteressierte Trio bekamen so Woltersdorfer Opfer nationalsozialistischer Verfolgung im Lauf der Zeit konkrete Namen. "Wir haben 25 Woltersdorfer im Gedenkbuch der jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945 - ,The list of murdered ' - und in der Liste der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem gefunden", berichtet Lothar Löwe. Zwei von diesen Menschen standen auf einer Transportliste der Nazis für den Januar 1942.

"Diesen Menschen muss damals kalt bis ins Herz gewesen sein", fügt Anny Przyklenk hinzu, die seit 1999 in Woltersdorf zu Hause ist und bald versuchte, sich auch mit der lokalen Geschichte vertraut zu machen. "Da gab es zwar allerhand, auch über antifaschistischen Widerstand, aber nicht über jüdisches Leben", sagt sie und fügt hinzu, dass diese Lücken in der Ortschronik für sie mit ein Grund gewesen seien, jetzt in der AG des Heimatvereins mitzuarbeiten.

"Auch auf Otto Feldstein sind wir bei unseren Nachforschungen gestoßen", nennt Siegfried Thielsch ein Beispiel von vielen. Feldstein sei seit 1914 in Woltersdorf zu Hause gewesen und wohnte in der damaligen Friedenstraße 2. "Er war 1943 von der Gestapo abgeholt worden, in den Unterlagen haben wir eine Liste seiner Habseligkeiten gefunden, darunter - wie es akribisch erfasst wurde - ein alter, sehr stark abgenutzter Mantel", so Thielsch. Dem 80-Jährigen geht es wie seinen Mitstreitern: "Auch wenn die einzelnen Schicksale sehr unterschiedlich sind - man ist erschüttert, was es für Gemeinheiten gegeben hat."

So habe schon Tage später, nachdem Feldstein sein Besitz auf perfide Weise entzogen worden war, ein Bürger ein Kaufangebot für das Haus seines jüdischen Mitbürgers abgeben ...

Die Forschungsergebnisse der Arbeitsgruppe sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, mit einer neuen Broschüre der Reihe "Woltersdorfer Hefte" des Verschönerungsvereins. Das Layout und die Gestaltung des Heftes will Marianne Liebermann übernehmen, ebenfalls Mitglied im Verschönerungsverein. Ein genauer Erscheinungstermin steht allerdings noch nicht fest.

"Für ein möglichst umfassendes Bild wäre es schön, wenn Leute aus der Region ihnen bekannte Fakten oder Dokumente und Erinnerungen beisteuern könnten", sagt Lothar Löwe. Wie hilfreich so etwas sei, habe sich im Mai vorigen Jahres gezeigt. "Da waren wir mit dem alteingesessenen Woltersdorfer Ehepaar Vosswinkel im Schleusengebiet unterwegs und konnten so herausfinden, welche jüdischen Bürger am Schleusenberg gelebt haben."

Das Ergebnis: Eine Fülle von Informationen. "Die nach unserer Recherche auch alle stimmen und nun in Fotos und Text dokumentiert vorliegen", ergänzt Siegfried Thielsch.

"Es ist Humanismus, der uns veranlasst, zu gedenken, zu erinnern, der uns verpflichtet, gegen Unmenschlichkeit Position zu beziehen", sagt Anny Przyklenk, die erst kürzlich, am 27. Januar, zu den Teilnehmern einer von den Woltersdorfer Linken initiierten Gedenkveranstaltung am örtlichen VDN-Denkmal gehörte.

"Ich war dort in guter Gesellschaft, aber eben in einer sehr kleinen, für diesen Anlass meines Erachtens zu kleinen", so Anny Przyklenk, die sich gewünscht hätte, dort auch mehr Gemeindevertreter zu treffen, "die ja das Forschungsprojekt zum Schicksal ehemaliger jüdischer Mitbürger wohlwollend unterstützen".

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Kontakt zur Woltersdorfer Arbeitsgemeinschaft "Erforschung des Schicksals ehemaliger jüdischer Mitbürger" unter Tel.: 03362 503727

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