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Jugendamt des Landkreises und Eisenhüttenstädter Krankenhaus vereinbaren noch engere Zusammenarbeit

Gemeinsam für gefährdete Kinder

Stefan Lötsch / 26.08.2014, 21:13 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Das städtische Krankenhaus in Eisenhüttenstadt und das kreisliche Jugendamt haben eine Kooperationvereinbarung geschlossen, um den Schutz von gefährdeten Kindern noch weiter zu verbessern. Unter anderem hat sich am Krankenhaus ein Kinderschutzteam gebildet.

Ein Kind kommt mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Am Körper sind blaue Flecken, es wirkt verwahrlost. Ein Fall für das Jugendamt? "Es gibt Untersuchungen, dass zehn Prozent der Verletzungen Folgen von Gewalt gegen Kinder sind", sagt Dr. Frank Horinek, Kinderchirurg am Krankenhaus in Eisenhüttenstadt. Die Gefährdung des Kindeswohls sei leichter festzustellen, wenn beispielsweise Verletzungen sichtbar sind, erklärt Elke Purps vom Qualitätsmanagement des Krankenhauses. Die Mehrzahl der Fälle sei aber nicht leicht zu erkennen. Um das wichtige Projekt "Kinderschutz", wie Hannelore Guschel, Geschäftsführerin des Krankenhauses, es nannte, noch weiter voranzubringen, wurde am Dienstag eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt geschlossen.

Die Kooperation dient nicht zuletzt dem Erfahrungsaustausch. Gerade wenn es um Kinder geht, sei sehr große Emotionalität mit im Spiel, sagte Martin Isermeyer, Leiter des kreislichen Jugendamtes. Da gebe es die sehr engagierten Menschen, die unreflektiert dem Kind helfen wollen oder, das andere Extrem, der Arzt, der nur die Verletzung sieht, eine Gefährdung nicht meldet. Da zu differenzieren, auch nachzuvollziehen, warum das Jugendamt in einem Fall einschreitet, im anderen nicht, dazu dient auch diese Vereinbarung. Das Jugendamt habe auch die Eltern und die Familie mit im Blick, so Isermeyer.

Das Krankenhaus selbst hat in diesem Zusammenhang ein Kinderschutz-Team gebildet, sagte Elke Purps, um eine möglichst objektive Einschätzung zu erhalten. Dem Team gehören Ärzte aus der Kinderklinik, der Frauen- und Geburtshilfe, der Kinderchirurg, Gesundheits- und Krankenpfleger, die Kinderärztin aus dem medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) sowie Elke Purps, Qualitäts- und Risikomanagerin des Krankenhauses, an. Gerade letzteres, dass auch Nicht-Mediziner mit beteiligt sind, findet Kerstin Pohle, Pflegeleiterin der Kinderklinik gut, weil der Umgang mit Kindern eben oft mit hoher Emotionalität besetzt ist. Schwestern haben nun auch im Krankenhaus feste Ansprechpartner, wenn ihnen etwas auffällt. "Das Kinderschutzteam bewertet Untersuchungsergebnisse und leitet in Abstimmung mit dem Jugendamt erforderliche Maßnahmen ein", so Elke Purps . Kerstin Ilte, Teamleiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes in Eisenhüttenstadt, lobt diese Initiative. "Das Kinderschutzteam finde ich hervorragend. Was sich innerhalb kurzer Zeit entwickelt hat, ist faszinierend."

Für Elke Purps soll die Hilfe des Krankenhauses in gewisser Weise über den stationären Aufenthalt hinausgehen. "Es ist ein hehres Ziel, auch Angebote zu schaffen, wenn die Kinder wieder nach Hause gehen." Allerdings gibt es auch Grenzen bei der Hilfe, die ein Krankenhaus bieten kann. "Die Schwierigkeiten für das Krankenhaus bestehen darin, dass eine stationäre Behandlung nur möglich ist, wenn eine entsprechende Behandlungsbedürftigkeit besteht", so Elke Purps.

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