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Deutlich weniger Schüler lernen Polnisch

Dietrich Schröder / 03.09.2014, 06:18 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Zahl der Brandenburger Schüler, die Polnisch lernen, hat deutlich abgenommen. Das ist eines der überraschenden Ergebnisse einer Umfrage, die die Deutsch-Polnische Gesellschaft vor der Landtagswahl unter den Parteien zu den Beziehungen zum Nachbarland gemacht hat.

Sieht man einmal von der Grenzkriminalität ab, dann bilden die Beziehungen zu Polen allenfalls ein Randthema im derzeitigen Wahlkampf. Vor diesem Hintergrund hat die Deutsch-Polnische Gesellschaft des Landes gemeinsam mit der Europa-Union insgesamt 31 Fragen als Wahlprüfsteine an die bisher im Landtag vertretenen Parteien formuliert. "Es hat zwar etwas gedauert, aber nach zwei, drei Wochen erhielten wir von den Fraktionsvorständen auch die Antworten", sagt Martin Kujawa, der Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft.

Trotz der häufig präsentierten Erfolgsbilanzen auf diesem Gebiet ist die Entwicklung keinesfalls nur positiv. Insbesondere die Tatsache, dass die Zahl der Brandenburger Schüler, die Polnisch lernen, trotz des EU-Beitritts des Nachbarlandes und des Wegfalls der Grenzkontrollen gesunken ist, kommt überraschend. Lernten im Schuljahr 2007/08 noch 2368 Schüler Polnisch, so waren es nach letzten vorliegenden Daten nur noch 1800. Und nur an 15 Schulen in der Grenzregion wird die Sprache überhaupt noch als Wahlfach angeboten. In Sachsen ist die Tendenz umgekehrt.

"Insbesondere die Linke muss sich fragen lassen, warum dies so ist, hatte sie doch als Oppositionspartei immer mehr Unterstützung für den Polnisch-Unterricht gefordert", so Kujawa. Die Linke räumt in ihrer Antwort denn auch einen "wachsenden Handlungsdruck ein" und erklärt, dass das Thema "zentraler Bestandteil einer Brandenburg-Polen-Strategie sein" müsse, die allerdings erst noch erarbeitet werden soll. Auch bei der SPD heißt es ausweichend: "Es ist wichtig, wieder verstärkt für das Erlernen der polnischen Sprache zu werben". Die CDU dagegen erklärt: "Der Spracherwerb von Schülern allein ist nicht die Voraussetzung, um eine Zusammenarbeit mit anderen Völkern zu entwickeln". Die FDP meint, der Bevölkerung müsse "ein konkreter Mehrwert" aus dem Erlernen von Polnisch skizziert werden, etwa "die beruflichen Perspektiven im Nachbarland". Und die Grünen beklagen, dass "Brandenburg viel zu wenig Polnischlehrkräfte ausbildet".

Bei der Frage nach dem Zustand der Zugverbindungen über die Grenze verweist die SPD wortreich auf die Verantwortung des Bundes etwa für den Ausbau der Strecke nach Stettin, der jedoch erst bis 2020 geplant ist. Auch die CDU konstatiert: "Leider zieht sich die Deutsche Bahn immer weiter aus den Fernverbindungen nach Polen zurück." Die FDP spricht gar von einem "inakzeptablen Niveau". Doch selbst für Nahverkehrsverbindungen, wie etwa die Erhöhung der Taktzahl bei der recht erfolgreichen Buslinie zwischen Frankfurt und Slubice, stehen nach Ansicht von SPD und Linken derzeit keine zusätzlichen Landesmittel zur Verfügung. Ziel müsse es sein, weitere EU-Fördermittel einzusetzen.

Dass gegenwärtig nur ein Prozent der sozialversicherten Beschäftigten in Brandenburg aus Polen kommt, stellt alle Parteien vor die Frage, wie der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt und die Gewinnung von Fachkräftenachwuchs weiter entwickelt werden können. Durch alle Antworten zieht sich die Linie, dass zunächst die Wirtschaftskammern und Unternehmen selbst gefordert sind, ihre Kooperationen zu erweitern. Die Politik könne dies bestenfalls unterstützen.

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Isenhagen 09.09.2014 - 08:02:17

nee, das erschließt sich wirklich nich

wozu braucht man in der östlichen Grenzregion die polnische Sprache nur??? Um sich mit seinen Nachbarn zu unterhalten, das kann doch nicht so schwer sein....... Es ist doch völlig unnatürlich und pervers, dass sich Menschen auf den beiden Seiten eines Flusses nicht verständigen können. Hasen Füchse und Wildschweine habenda wesentlich weniger Probleme. Woran liegt das nur? Doch eigentlich nur daran, dass Könige und Kaiser durch egoistische Grenzziehungen die Menschen von einander abgrenzen und über lange Zeit ihrem Grenzregime unterwerfen. Die Menschen beiderseits des Flusses brauchen dieses Regime im Grunde nicht. Sie müssen dafür sorgen, dass es nie wieder aufleben kann. Dann werden sich die Menschen annähern und die Sprache auch.

27841662416 04.09.2014 - 13:37:33

Grenzregionen

Nicht jedem erschließt sich wofür die polnische Sprache im weiteren Lebenslauf eines jungen Menschen nützlich sein soll ! Selbst Latein wäre da auf jeden Fall vorteilhafter. Englisch als 1 Fremdsprache, ist klar, da gäbe es nichts zu rütteln. Was sollen die Vorteile sein ? Urlaub zählt nicht, da hilft Latein in Spanien auch :-)

Th. Scheuch 03.09.2014 - 10:36:38

Bildungspolitik

Wir würden unserer Tochter gern diese Sprache näher bringen, zumal sie es im Urlaub immer wieder braucht. Aber in Fürstenwalde gibt es diese Möglichkeit leider nur am OSZ.

Andreas Schwarze 03.09.2014 - 08:42:45

Es gibt auch "Leuchttürme"...

in Sachen POLNISCH LERNEN: An der Evangelischen Salveytalgrundschule zu Tantow im Amtsbereich Gartz (Oder) im LK Uckermark (www.schuletantow.de) wird Polnisch ab der 1. Klasse bereits angeboten. Ebenso wie Polnisch als Muttersprache (...und das nunmehr schon seit fast 6 Jahren). Sie ist die einzige Freie Schule die dies im Amtsbereich anbietet! Da ist an den Staatl. Schulen wirklich noch großer Nachholbedarf!

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