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Rattle und Barenboim kämpfen für Musikunterricht

09.03.2010, 15:43 Uhr
Berlin () Berlins Dirigenten und Intendanten, allen voran Sir Simon Rattle und Daniel Barenboim, haben gegen den weiteren Abbau des Musikunterrichts an den Hauptstadt-Schulen protestiert. In einem offenen Brief an Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) forderten sie am Dienstag einen Musikunterricht von mindestens 1,5 Stunden in der Woche.

Seit 1993 seien die Musikstunden der Sekundarstufe I von zwei auf 1,5 Stunden oder sogar auf nur eine Stunde gekürzt worden. Seit diesem Jahr könne Musik sogar zugunsten von Kunst abgewählt werden. "Dies hat in unseren Augen eine fatale Wirkung auf die Musikkultur unserer Stadt", heißt es in dem Brief.

Damit werde der Verlust kultureller Möglichkeiten und Traditionen in Kauf genommen und das Allgemeinwissen auf naturwissenschaftliches und ökonomisches Wissen beschränkt. "Es kann nicht sein, dass es Schüler gibt, die in den Klassen 7-9 (also drei Jahre lang!), überhaupt keinen Musikunterricht in der Schule haben", schrieben die Künstler. Es sei ein Rätsel, wie man so ein nachwachsendes Publikum heranziehen solle.

Zu den Unterzeichnern gehören neben Barenboim (Staatsoper Unter den Linden) und Rattle (Berliner Philharmoniker) die Chefdirigenten Donald Runnicles (Deutsche Oper), Carl St. Clair (Komische Oper), Lothar Zagrosek (Konzerthausorchester), Ingo Metzmacher (Deutsches Symphonie-Orchester Berlin) und Marek Janowski (Rundfunk Sinfonieorchester Berlin).

Dem Protest schlossen sich die Intendanten Pamela Rosenberg (Berliner Philharmoniker), Kirsten Harms (Deutsche Oper), Andreas Homoki (Komische Oper), Sebastian Nordmann (Konzerthausorchester), Gernot Rehrl (Rundfunkorchester- und chöre GmbH) und der Direktor der Staatsoper, Ronald Adler.

An den Gymnasien falle der Musikunterricht in der 11. Klasse sogar komplett weg, heißt es in dem Brief. Durch die geringe Berührung mit diesem Fach scheuten viele Schüler Musik als Leistungs- oder Grundkurs. In der neuen Sekundarschule sei ab 2010/2011 nur noch eine Musikstunde pro Woche verbindlich. Der Unterricht sollte daher auf dem bisherigen Niveau der Realschule mit jeweils 1,5 Stunden für alle Klassenstufen erhalten werden. Gemeinsam mit dem Verband Deutscher Schulmusiker sollte Zöllner nach Lösungen suchen, damit die musikalische Allgemeinbildung nicht verbannt wird.

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