. Von Lea Sophie Lukas
Eine Vollbremsung kann manchmal das Schlimmste verhindern, wenn ein Kind auf die Fahrbahn und vor ein Fahrzeug läuft. Doch wie bremst man eigentlich richtig, wenn man selbst am Steuer sitzt und in die beschriebene Situation gerät? Erst aufs Gaspedal und dann die Kupplung treten - genau umgekehrt oder gar beides gleichzeitig? Sven Kussatz, Fahrlehrer und Fahrsicherheitstrainer in Eisenhüttenstadt, weiß die Antwort: "Sofort und nur auf die Bremse gehen. Alles andere ist Verschwendung kostbarer Zeit und Meter."
Neun Frauen waren gestern Vormittag zu der Aktion "Frauen-Verkehr-Sicherheit" ins offis gekommen, um die eigenen Kenntnisse in Sachen Fahrsicherheit aufzufrischen. Nach der theoretischen Einführung in den warmen Räumen des offis ging es raus auf den Nordparkplatz des City-Centers, auf dem Polizisten vom Schutzbereich Oder-Spree und Fahrlehrer Sven Kussatz einen Fahrparcours aufgebaut hatten: Slalomfahren um Verkehrskegel, Dreipunktwendung sowie vorwärts, rückwärts und parallel zum fließenden Verkehr einparken, standen auf dem Trainingsplan der Frauen.
Unter ihnen war auch Helga Tröger, die aus gesundheitlichen Gründen bereits seit Längerem nicht mehr Auto gefahren ist und das kommende Frühjahr für einen Neustart am Steuer nutzen möchte. "Ich habe 1964 meinen Führerschein gemacht und war jahrelang sowohl mit dem Motorrad als auch mit dem Auto unterwegs", sagte die 78-jährige. "Ich musste eine Weile pausieren, aber möchte jetzt wieder anfangen zu fahren. Da ist es natürlich gut, wenn man vorher nochmal so ein bisschen üben kann." Da ihr vor allem das Einparken parallel zur Fahrbahn schwer fiel, empfand sie die geduldigen Anweisungen des Fahrlehrers, der zu ihr ins Auto gestiegen war, als besonders hilfreich. Nach der Runde über den Parkplatz zeigte sich Helga Tröger zufrieden. "Diese spezielle Einparksituation ist mir noch einmal erklärt worden und ich habe sie gemeistert. Jetzt werde ich weiter üben."
Genau wie Helga Tröger gab auch Marie-Louise Hardell-Illgen zu, schon einmal an einer eigentlich ausreichend großen Parklücke vorbei gefahren zu sein, um eine andere zu finden, in der das Einparken leichter gefallen sei. "Eine Polizistin hat mir jetzt gesagt, dass ich das Lenkrad ganz stark einschlagen muss, wenn ich rückwärts in eine parallel zur Fahrbahn liegende Parklücke fahre. Und es hat ganz wunderbar funktioniert", sagte sie und freute sich sichtlich. Und Polizeiobermeisterin Andrea Rehfeld erklärte: "Das ist alles eine Frage der Übung und des eigenen Zutrauens. Die meisten Leute denken, sie sitzen in einem Laster, dabei haben sie nur einen normalen Wagen und brauchen gar nicht so viel Platz wie sie immer befürchten."
Eine Attraktion, an die sich die Fahrerinnen auf dem Parkplatz zunächst nur zögerlich heranwagten, war der Rettungssimulator, den die Polizei aufgebaut hatte. Fest angeschnallt und von mehreren Polizeibeamten gesichert, konnte sich, wer wollte, in einem Fahrzeug auf einem drehbaren Stahlgerüst kopfüber aufhängen lassen. Mit Hilfe der Polizisten gelang es den Frauen, die sich in den Simulator getraut hatten, sich sicher aus der so nachgestellten misslichen Lage nach einem Unfall mit Überschlag zu befreien. Auch Michaela Hänsel, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, traute sich und war hinterher außer Atem. "Man muss die ganze Zeit die Körperspannung halten, damit man nicht einfach runter und auf den Kopf fällt - das ist richtig anstrengend und ganz schön spannend", sagte sie nach der geglückten Rettungsübung.
Weil die Nachfrage groß ist, wird das Sicherheitstraining heute fortgesetzt. Ein Termin am Vormittag ist Grundschullehrern vorbehalten, am Nachmittag werden Senioren geschult.
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