Düsseldorf . Egal, was Günther Uecker tut, vom Image des "Nagelkünstlers" kommt er nicht mehr los. Gerade im Augenblick sorgen die sensibel in Bildflächen getriebenen Reliefs aus Zimmermannsnägeln, mit denen sich der Bauernsohn aus Mecklenburg fest in der jüngeren deutschen Kunstgeschichte verankert hat, für neue Schlagzeilen. Wenige Wochen vor dem Geburtstag Ueckers, der an diesem Sonnabend 80 Jahre alt wird, hat ein "klassisches" Spitzenwerk des Künstlers auf einer Londoner Versteigerung den bis dahin undenkbaren Rekordpreis von rund 940 000 Euro erzielt.
Mit dem Auktionator-Hammer wurde gleich die gesamte deutsche Zero- Kunst, die Uecker mit den Künstlerkollegen Heinz Mack und Otto Piene vor gut 50 Jahren aus der Taufe gehoben hat, eindrucksvoll ins Licht des globalen Kunsthandels gerückt. Haben noch vor fünf Jahren gleich drei angesehene Berliner Ausstellungshäuser den Jubilar gewürdigt, halten sich die Museen mit Geburtstagswürdigungen dieses Mal allerdings merkwürdig zurück.
Sein internationales Ansehen verdankt der Wahl-Düsseldorfer, der seit über einem halben Jahrhundert am Rhein lebt, aber nicht den Moden des Marktes. Nach dem jugendlichen Geniestreich der Zero- Artisten, die mit ihren Etüden über Licht und Schatten Nachkriegsdeutschland künstlerisch belebt haben, ist Uecker seit langem ein unermüdlicher Reisender in Sachen Kunst. Ob Kairo oder Moskau, Südamerika und immer wieder Asien: Hier gilt der massige Mecklenburger, der so gern lacht, als begehrter Kultur-Import. Höhepunkt seiner Auslands-Ausstellungskarriere war 1988 eine viel beachtete Werkschau in Moskau.
Gern zeigt er den Mächtigen aber auch zornig die Zähne, wie zuletzt im usbekischen Taschkent, wo ein Teil seiner den Menschenrechten gewidmeten Werke im Hauptstadt-Museum abgehängt wurde. Schon 1994 legte er sich aus ähnlichen Gründen mit den Machthabern in Peking an.
Schon Ueckers Frühwerk "Das gelbe Bild" (1957/58), ein auf einer Kante stehendes, strahlend-gelbes und rundum benageltes Rechteck, erscheint wie eine "Sonne", die von einer Dornenkrone malträtiert wird. Damals hatte der aus der jungen DDR übergesiedelte Uecker gerade an der Düsseldorfer Akademie sein Studium bei dem pazifistisch engagierten Holzschneider Otto Pankok absolviert.
Für den in die weißen Werke hineininterpretierten Optimismus der Zero-Zeit scheint angesichts der großen Weltprobleme bald kein Platz mehr zu sein. Nach den poetischen, mit Licht und Schatten spielenden Nagelreliefs, die fern an die wogenden Weizenfelder der mecklenburgischen Heimat erinnern, wurde Uecker als einer der prominentesten deutschen Gegenwartskünstler immer politischer.
"Ich mache Aggressionen sichtbar und wandle sie poetisch um", sagt der Künstler, der in den vergangenen Jahren mit Skulpturen aus zersplitterten Nagelreliefs und mit Lappen umwickelten Hölzern auf Kriege und Gewalt in der Welt reagiert hat. Mit dem aggressiven Akt des Nagelns möchte er auf die Gewalttätigkeit des Menschen hinweisen, die er "als höchste Herausforderung verpflichtet ist zu befrieden".
Neue Materialien verdeutlichen dieses Anliegen des im Juni 2001 mit dem hoch angesehenen Orden "Pour le mérite" ausgezeichneten Bildhauers und Objektemachers, der immer wieder auf die Selbstgefährdung der Menschheit aufmerksam machen möchte. Wollte er früher vor allem "Licht artikulieren", stehen Asche und Erde heute als Aussage für Ende und Vergänglichkeit. "Nicht im Sinne des Bekennens, sondern Erkennens" fühle er sich vom christlich-jüdischen Denken angezogen, sagt Uecker und gestaltete folgerichtig für die Abgeordneten im Berliner Reichstag einen Andachtsraum.
Seine typische Bildsprache brachte der langjährige Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie auch auf die Theaterbühne etwa für Götz-Friedrich-Inszenierungen mehrerer Wagner-Opern. Seine 26 riesigen Skulpturen aus Baumstämmen und Steinbrocken für eine Tell- Aufführung auf dem historischen Schweizer Rütli fanden allerdings ein eher geteiltes Echo.
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