. Angermünde Seit rund 160 Jahren gibt es eine Lokalpresse in der Uckermark. Der Angermünder Zeitung und Kreisblatt folgte zu DDR-Zeit der Neue Tag. Und vor genau 20 Jahren entstand die Märkische Oderzeitung. Zum Geburtstag stürmten treue Leser, Gratulanten und viele Gäste die Redaktion in der Rosenstraße.
Irgendwie blieb auf wundersame Weise eine große Kiste mit alten Fotos über 20 Jahre lang erhalten. Für eine Zeitungsredaktion, in der man grundsätzlich an den morgigen Tag denkt und weniger an den gestrigen, ist das immerhin eine beachtliche Leistung. In den Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Presse-Fotografen und Redakteure, die mehrere Umzüge überlebt haben, steckt die Geschichte des Altkreises Angermünde. Sie wurden gestern wieder lebendig.
Die Märkische Oderzeitung, genau am 17. März 1990 gegründet, hat seitdem alle wichtigen Ereignisse abgelichtet und begleitet. Keine Dokumentation des politischen und Alltagslebens könnte ausführlicher sein. Die Kameras klickten, als Bürgermeister und Amtsdirektoren Wahlen gewannen. Geradezu legendär sind die Fotos von der Riesendemonstration zum Erhalt des Krankenhauses. Roland Resch als Bildungsminister, Wolf-Hugo Just als Bürgermeister in Begleitung von Regierungsdelegationen, Ministerpräsident Manfred Stolpe bei einer Beisetzung nach einem tragischen Todesfall in Greiffenberg, die Gründung des Behindertenverbandes, die Einweihung neuer Tierparkgehege, das eingerüstete Rathaus, der frühere Landrat Schenk, die Eröffnung der Wolletzklinik - die Zeitung brachte jeden Tag die wichtigsten Ereignisse auf den Frühstückstisch.
Nicht immer glücklich mit den Schlagzeilen war Bürgermeister Wolfgang Krakow, vor allem wenn es Kritik hagelte. "Aber im Grunde fehlt mir was, wenn ich ohne Zeitung morgens ins Bad gehe", so Krakow, der als einer der ersten Gratulanten gestern Vormittag in die Redaktion kam und ein Zitat von Philip Rosenthal auf seine Glückwunschkarte druckte: "Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein."
Leserin Inge Hessler brachte eine MOZ-Sektflasche zum Geburtstag mit. Die hatte sie einst von der Zeitung zum Jahrtausendwechsel mit extra MOZ-Aufdruck erhalten und seit nunmehr zehn Jahren ungeöffnet aufbewahrt. Am Mittwoch erhielt jeder Gratulant auf der Lokalredaktion ein neues Glas zum Anstoßen.
Mit dem Original-Zeitungsband vom März 1990 erschien Stadtarchivarin Margret Sperling. Sie hütet in ihren Magazinen jede einzelne Zeitungsausgabe seit Mitte des 19. Jahrhunderts und zeigte, wie sich die Zeitungslandschaft, das Erscheinungsbild und die technischen Bedingungen verändert haben.
Mit einem gerahmten Foto in der Hand und einem Ehm-Welk-Zitat gehörten Gisela und Horst Wolf zu den ersten Besuchern. Als leitender Redakteur der Vorgängerzeitung Neuer Tag ist Horst Wolf vielen Menschen bis heute auch unter dem Pseudonym Emil Kiekemal in Erinnerung geblieben.
Die mit einem MOZ-Logo verzierte Geburtstagstorte, die unter den Gästen verteilt wurde, trug Bäcker Klaus Schreiber über die Rosenstraße herüber. Redaktion und Geschäft liegen sich direkt gegenüber. Nicht nur als Bäcker, sondern auch als Stadtverordneter erschien Klaus Schreiber häufig im Bild auf den Lokalseiten der MOZ.
Ehemalige Mitarbeiter, langjährige Leser, Familienangehörige, die uckermärkische Literaturgesellschaft, der Brandenburgische Seniorenverband, Ortschronisten, Angestellte der Stadtverwaltung und Abgeordnete machten am Mittwoch aus den ansonsten mit Papier übersäten Redaktionsschreibtischen einen regelrechten Blumenladen. Uckermark-Redaktionsleiter Dietmar Rietz bedankte sich bei allen treuen Lesern, die schon seit Jahrzehnten nicht ohne ihre Lokalzeitung auskommen.
Einige von ihnen fanden sich auf den alten Pressefotos wieder - als sie noch keine grauen Bärte trugen, als das Haar noch dichter war, der Bauch etwas schlanker. Die neuen Fotos, die am Mittwoch entstanden, werden in zehn Jahren wieder Geschichte sein.
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