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"Ohne uns geht hier nichts"

. "Ich bin bloß froh, dass sie so lange durchhalten." Gerda Reichert, Neutrebbiner Gemeindevertreterin, gehörte zu den Hunderten Demonstranten, die gestern dem Ruf der Bürgerinitiative gefolgt waren, gegen die Genehmigung der Erkundung für ein Kohlendioxidlager in ihrem Ort zu demonstrieren. Zu den Songs, die der Harnekop-SternebeckerReinhard Rochlitz eigens für die Protestbewegung geschrieben und gesungen hat, strömten immer mehr Oderbrücher auf den Friedensplatz. Aus Neulewin, Bad Freienwalde, Golzow und Neuhardenberg - ähnlich wie bereits zu den Mahnwachen am Letschiner Kirchturm versammelten sich die Einwohner aus allen Teilen des Oderbruchs. Denn die Pläne des Vattenfall-Konzerns, in Neutrebbin ein Endlager zu schaffen, betreffen sie alle, wie sie auf ihren zum Teil sehr originellen Plakaten zum Ausdruck brachten.

Auf den Straßen aus Richtung Neufriedland und Alttrebbin tuckerten die großen Traktoren der Landwirtschaftsbetriebe heran, die auf jeden Fall verhindern wollen, dass unter ihrem Produktionsmittel, dem Boden, Industrieabfall gelagert wird. So sprach ihnen ihr Friedersdorfer Kollege, der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz, aus dem Herzen, als er dazu aufrief, die Heimat vor der Verschmutzung durch ein Industrieabfallprodukt zu schützen. Und auch die Landtagsabgeordneten der Linken, Bettina Fortunato und Marco Büchel, erklärten, gegen das Endlager zu sein. Ulf Stumpe von der Bürgerinitiative machte deutlich, dass die betroffenen Einwohner im Oderbruch bislang noch nichts darüber erfahren hätten, dass die Einlagerung von Kohlendioxid wirklich sicher ist und keine Lebensgefahr davon ausgehe.

Trotzdem habe des Landesbergamt bereits die Erkundung für die Endlagerung erlaubt. Dies sei, so Stumpe, in einer Nacht- und Nebel-Aktion erfolgt. Der Tierarzt verwies auf die mit der Endlagerung verbundenen weiteren Probleme für die Menschen im Oderbruch. "Es werden hier weniger Häuser verkauft, der Grundstückswert wird sinken, die Künstler, die vor allem aus Berlin in unser schönes Oderbruch kommen und das Leben hier bereichern, werden weniger", malte er aus, was viele der Demonstranten befürchten. Höhepunkt der Demo war der Auftritt von Olaf Wadewitz als Ministerpräsident Matthias Platzeck, der gemeinsam mit Vattenfall- und Bergamtsvertretern vor die Demonstranten trat. Mit dem Abspielen von Originalzitaten des Ministerpräsidenten machte die Bürgerinitiative deutlich, dass die Landesregierung in punkto Energiepolitik derzeit einen falschen Kurs fahre.

Ulf Stumpe hielt sich aber auch mit Selbstkritik nicht zurück. "Natürlich hat auch unsere Region geschlafen, als es vor einem Jahr darum ging, das Abbaggern weiterer Orte für neue Tagebaue in der Lausitz zu verhindern", wandte er sich an die angereisten Lausitzer. "Da gab es auch hier viel zu wenige Unterschriften. Aber es ist manchmal besser, drei Schritte zurückzugehen, wenn man vorankommen will", so Stumpe.

Die Sorge von Gerda Reichert allerdings, dass dem Widerstand gegen das Endlager die Luft ausgehen könnte, nahm Ulf Stumpe mit viel Zuversicht und Optimismus die Grundlage. "Ohne uns Einwohner hier im Oderbruch geht gar nichts. Heute sind wir rund 1000, und bald noch doppelt so viele", verwies er auf die nächsten Aktionen.

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