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Heike Hahn 08.10.2014 05:01 Uhr
Red. ,

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Faszination Urlaub

Frankfurt (Oder) (MOZ) Blaue Flecken, durchgeschwitztes T-Shirt, hin und wieder den Schuh des Nachbarn im Mund. Und am Ende taub, heiser und glücklich - das ist nicht einfach nur die Beschreibung eines jugendgefährdenden Konzertes, sondern ein Lebensgefühl wahrer Punkrock-Fans.

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Ruhig und routiniert: Farin Urlaub behält den Überblick, während unter ihm die Menge tobt.

© MOZ/Martin Stralau

Tausend Farin-Urlaub-Jünger pilgern am Montagabend zum Kamea-Kulturbahnhof in Frankfurt (Oder). Von Weitem betrachtet, treffen sich dort dunkle Typen mit unerhörten T-Shirt-Aufdrucken und Piercings an Stellen, von denen man nicht ahnte, dass man sie piercen darf. Von Nahem betrachtet, sind die Fans von Farin Urlaub im Unterschied zu ihm nicht gealtert. Der Ärzte-Sänger lockt mit seiner Rockmusik und seinen Texten junge Fans an, nur vereinzelt deuten erschlaffende Tattoos und tiefe Augenringe auf die Anhänger von damals. Dass sie treu und anhänglich sind wie so mancher Dackel, verrät Urlaub selbst. "Ja, wir sehen uns bestimmt wieder. Ist ja nicht so, dass uns nicht immer zwei Busse von euch verfolgen würden", sagt er ironisch. "Verdammt, wegen euch muss ich mir ständig neue Ansagen einfallen lassen."

Man könnte meinen, der Punkrocker ist zahmer geworden über die Jahre. Doch eigentlich ist es wie immer: Urlaub spielt allein für seine Fans, routiniert und ruhig steht er oben auf der Bühne, während unter ihm die Menge tobt. Die Hitze flirrt, es wird mit jedem Song fünf Grad heißer. Pünktlich, wie es Künstler selten schaffen, beginnt er um 20 Uhr, in die Saiten zu greifen.

Zwei Stunden spielt er durch, und die Leute bekommen nicht genug. Sie murren, wenn er zu lange quatscht. Urlaub macht sich einen Spaß daraus, unterbricht ein Lied bestimmt sechs Mal, bevor er richtig loslegt. "Gucke mal, das versaut die ganze Stimmung, wenn man immer wieder dazwischenredet", erklärt er seinem Racing Team. Er bewegt sich so gut wie nicht, er unterhält allein mit Musik und Text. Das Racing Team in seinem Rücken besteht zum größten Teil aus Frauen. Zierliche, drahtige Gitarristinnen, eine Schlagzeugerin mit mächtig Power, vier Background-Sängerinnen. Allein die Bläser sind Männer, drei hat er mitgebracht.

Und auch der Luftraum über dem Publikum wird von Frauen dominiert. 80 bis 90 Prozent der Crowd-Surfer sind weiblich. Von hinten werden sie über Hände, Arme und Köpfe nach vorne getragen. Dort ziehen bullige, glatzköpfige Männer sie aus der Menge, bei manchen Liedern artet es in Fließbandarbeit aus. Zwischendurch, wenn diese Ärzte-typischen Ausraster in den Songs die Stimmung hochpeitschen, wird geschubst und geschoben, in die Luft und gegeneinander gesprungen.

Urlaub spielt die alten Bekannten seiner vier Soloalben, zwei neue Songs mischt er darunter. Doch selbst die können die meisten mitsingen. Die Beziehung zwischen Sänger und Publikum ist so gereift, dass man sich veralbert, ohne zu verletzen: "Man hat mir ein nettes Publikum versprochen, adrette, junge Leute und nun das", sagt Urlaub. Er spielt zwei Zugaben, insgesamt sechs Songs, obwohl die Fans so abgebrüht sind, dass sie kaum danach verlangen. Sie wissen sowieso, dass Farin sie nicht hängen lässt.

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