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Stolpersteine gegen das Vergessen

Bad Freienwalde . Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat am Donnerstag vor der Gesundbrunnenstraße 8 und vor der Königstraße 46 in Bad Freienwalde je zwei Stolpersteine verlegt. Mit der Aktion, die vom Bertolt-Brecht-Gymnasium initiiert und vorbereitet wurde, wird an jüdische Opfer des NS-Terrorregimes in Bad Freienwalde erinnert. Demnig hat seit 1997 mehr als 23 000 Stolpersteine unter anderem in Deutschland, Tschechien, Ungarn, Holland, Belgien und Italien verlegt. Bad Freienwalde ist die 542. Kommune, in der Stolpersteine verlegt wurden.

"Ich finde es erschreckend und absurd zugleich, weil man das Verbrechen nicht fassen kann, auch wenn das Projekt ein bisschen geholfen hat", sagte Nadine Schulz. Sie ist Schülerin der Klasse 13 des Bertolt-Brecht-Gymnasiums. Im Rahmen der Geschichts-AG unter der Leitung der Lehrerin Simone Suhr hat sie mit 15 weiteren Gymnasiasten zwei Jahre lang an dem Projekt mitgearbeitet, das jetzt mit der Verlegung der Stolpersteine einen ersten Abschluss fand. Sie hoffe, dass sich aus den folgenden Jahrgängen wieder Schüler finden, die daran arbeiten, dass weitere Stolpersteine in Bad Freienwalde verlegt werden können, ergänzte sie. Für Gunter Demnig, zuerst Maler, dann Bildhauer und Aktionskünstler, sind die Stolpersteine inzwischen zum Lebenswerk geworden. Zeit für andere Projekte findet der 63-Jährige, dessen Markenzeichen ein breitkrempiger Hut ist, kaum noch. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagte er.

Die ersten beiden Stolpersteine ließ Demnig vor der Gesundbrunnenstraße 8 in den Boden ein. Sie erinnern an Helene und Wolf Bilski, die dort lebten und in der heutigen Karl-Marx-Straße ein Bekleidungsgeschäft führten. Sie hatten ihre beiden Töchter nach Bolivien und ihren Sohn nach Südafrika geschickt, berichtete der Regionalhistoriker Reinhard Schmook. Besonders tragisch war, dass die Bilskis 1939 den Sohn im sicheren Südafrika besuchten und nach Deutschland zurückkehrten, weil sie ihren Besitz nicht zurücklassen wollten. 1942 wurde das Ehepaar deportiert und in Riga ermordet.

Bei den Stolpersteinen handelt es sich um Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf denen eine Messingblechplatte befestigt ist, in die der Name des Ermordeten, die Daten der Geburt, der Deportation und des Todes und der Ort der Ermordung eingraviert ist. Die Steine werden vor dem letzten selbstgewählten Wohnsitz verlegt.

Die beiden anderen Stolpersteine stehen für die Kaufmannswitwe Gerda Lewin und ihre Tochter Elsa, die ebenfalls von den Nazis deportiert und ermordet wurden. Sie wohnten in dem Haus in der Königstraße, das dem Brückenbau zum Opfer fiel, hatten aber in der Königstraße 46 ein Geschäft für Obertrikotagen.

Gymnasiasten und Schweitzer-Schüler hatten ein kleines Programm mit Musik, Texten und Gedichten vorbereitet. Zu den Besuchern gehörten neben Bürgermeister Ralf Lehmann und Lutz Amsel, 1. Beigeordneter des Landrates, auch einige Bürger wie Hartmut Raeck. "Das gehört zur Geschichte der Stadt. Man sollte nicht vergessen, was passiert ist", begründete er seine Teilnahme. Privatpersonen haben mit ihrer Spende das Projekt ermöglicht, denn jeder Stolperstein kostet 95 Euro.

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