Beeskow . Wenn tief in der Nacht auf der Burg Beeskow noch das Licht gebrannt hat, soll er geschrieben worden sein, der Roman "Der Sturz des Friedrich Voss". Das jedenfalls behauptet der Autor Ralph Hammerthaler: "Das Buch ist nahezu vollständig hier entstanden". Man glaubt es ihm. Der 44-jährige Berliner war als Burgschreiber 2008 oft in der Stadt und jeder wusste, er schläft lange, arbeitet aber bis der Morgen graut. Am Freitagabend stellte er seinen neuesten Roman in seiner ehemaligen Wirkungsstätte vor.
Es sind Auszüge aus einer Wendegeschichte, die Hammerthaler vorliest. Er weiß, dass der Anspruch hoch ist, sich diesem Thema, an dem sich viele versucht haben, zu widmen. Die Geschichte sei nicht ausgedacht, die Geschehnisse sollen sich in einer bekannten Arztfamilie in dieser Dramatik abgespielt haben. Ein Freund habe sie ihm am Kneipentisch erzählt, sagt Hammerthaler: "Das war so aufregend, das musste ich aufschreiben."
Wie einer, der soziologische Interviews führt, hat Hammerthaler vor Ort in einem Ostseebad namens S. recherchiert, mit den Einwohnern gesprochen, seine Fantasie und psychologischen Kenntnisse spielen lassen. Es geht um die Arztfamilie Voss, konkret um Friedrich Voss, den ärztlichen Direktor des Krankenhauses, der nach der Wende von seinem Kronprinzen gestürzt wird und nicht fertig wird mit diesem Leben, in dem er Macht, Ansehen, Autorität und Bedeutung eingebüßt hat. Friedrich Voss nimmt sich schließlich das Leben, mit einem Jagdgewehr zerschmettert er seinen Kopf. Sein entsetzter Sohn findet ihn. Spannend schildert Hammerthaler Situationen, wie sie sich in der Familie, die aus Siegern und Verlierern besteht, abgespielt haben. Dann wieder lässt er in Monologen die Beteiligten über sich und ihre Sicht auf die Dinge erzählen. Der Wechsel der Zeiten - Hammerthaler geht bis in die 50er-Jahre zurück, als Voss und seine Frau sich kennenlernten -, der Wechsel von Monologen und Dialogen verlangen ein großes Maß an Aufmerksamkeit beim Lesen.
Es ist der dritte Roman aus Hammerthalers Feder. Der in Berlin lebende Autor schreibt auch Theaterstücke und Libretti, der vierte Roman ist in Arbeit. Diesmal geht es um Künstler.
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