Bad Freienwalde . Die Benefiz-Box-Nacht im Jugendzentrum OFFI war ein Abend der Superlative. So viele Gäste wie am Samstagabend sieht man dort selten. Inszeniert wurde das Spektakel wie bei den Profis - mit Liveschaltungen aus der Kabine, spannenden Kämpfen und Aftershowparty.
Sylvester Stallone lässt grüßen. Das Intro von "Eye of the tiger", Titelsong von "Rocky III", dröhnt aus den Boxen. Den Jungs von "Pleasant Torture" macht es Spaß, das Publikum mit ihrem brachialen Metal-Sound auf den Boxkampf einzustimmen, der hier gleich stattfinden soll.
"Unsere Boxer sind heißer als Frittenfett!", ruft Tobias Köpernick unter dem Jubel der rund 400 Gäste ins Mikrophon. Gleich werde man sehen, wie sich "schlaffes Fett in Muskeln aus Stahl verwandelt" habe. Drei Monate lang haben vier Schüler des Bertolt-Brecht-Gymnasiums zweimal pro Woche beim Eberswalder Kampfsportverein San Da Kempo trainiert. Heute Abend gehen sie in den Ring, um die Abi-Ball-Kasse aufzufüllen.
Die Spannung steigt. Während sich Jakob Henschke (19) und Erik Kiel (20) warmmachen, erklärt Ringrichter Robert Pausch, zweifacher Kempo-Weltmeister, kurz die Regeln: Gekämpft wird über acht Runden, je anderthalb Minuten. Die Punktrichter - Sportlehrer Thomas Wieland sowie Dirk Rahmlow und Björn Breiter von San Da Kempo - entscheiden nach jeder Runde, wer der bessere Kämpfer ist. Wer hat die meisten Treffer gelandet? Wer kann den Gegner in Bedrängnis bringen? Wer ist aktiver und bestimmt das Geschehen? Der Rundensieger bekommt zehn, der andere neun Punkte. Erlaubt sind Schläge, bei Tritten oder beim Clinchen geht Pausch dazwischen.
Es ist so weit. Mit gesenktem Kopf bahnt sich Erik den Weg durch die Massen. Eine Kamera überträgt seinen Einmarsch in den Boxring live auf Leinwände im großen und kleinen Saal. Sein Gegner Jakob steht schon oben und hat sich soeben seines weißen Mantels entledigt.
Die Ringglocke läutet. Jetzt heißt es Daumen drücken. Der Saal brodelt, Fangesänge vermischen sich. "Jakob!", "Erik!", schallt es aus allen Ecken. "Sie sind eng befreundet", erzählt Anne Langner. Die 19-Jährige fiebert mit ihren Mitschülern mit. "Das ist schon ein komisches Gefühl. Schließlich ist das ihr erster Kampf", sagt die Altranfterin. Auch Eriks Mutter Andrea Kiel zittert mit. "Aber noch schlimmer wäre es, wenn ich nicht so viel zu tun hätte", sagt die Frau, die den Abend organisiert hat. Die erste Runde ist geschafft. Die Boxer ziehen sich in ihre Ecken zurück, Erik in die rote, Jakob in die blaue. Mundschutz raus, ein Schluck aus der Wasserflasche, den Schweiß abtrocknen. Nach einer Minute geht es weiter.
Als Sieger geht Jakob Henschke aus dem Kampf hervor. Beide Jungs reißen die Arme hoch und umarmen sich. "Für Anfänger haben sie gut und fair geboxt. Es kostet Mut, in den Ring zu gehen. Die Kämpfer stehen unter Druck, wollen was zeigen und sich nicht blamieren", resümiert Ringrichter Pausch, der mit seinen Vereinskollegen später noch eine beeindruckende Show abliefern wird. Der zweite Kampf zwischen Stefan Koch und Ferdinand Reiniger muss in der achten Runde wegen einer Verletzung abgebrochen werden. Mitfeiern können die beiden später trotzdem.
Auch Andrea Kiel ist stolz, dass die Schüler die Sache so ernst genommen haben. Dass der Abend so gut gelaufen ist, war auch zahlreichen Sponsoren zu verdanken: So wurde der Boxring von Firmen aus Fürstenwalde und Strausberg gebaut, für das Catering sorgten Bad Freienwalder Einzelhändler, die Bands "Pleasant Torture" und "Die rockenden Fünf" spielten umsonst, und auch vom OFFI kam viel Unterstützung. Wie viel Geld schließlich zusammengekommen ist, kann Andrea Kiel noch nicht sagen: "Aber eins steht fest: Die Schüler werden einen richtig tollen Abi-Ball haben!"
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