MOZ Im April steht eine Sternenfigur im Mittelpunkt, die wohl die meisten Deutschen kennen: der sehr anschauliche Große Wagen. Drei Sterne bilden die Deichsel und vier den Wagenkasten oder die Vorder bzw. Hinterachse des Wagens. Typisch für den Monat April ist der Große Wagen allerdings nicht, denn man kann ihn in unseren Breiten zu jeder Jahres- und auch zu jeder beliebigen Uhrzeit am Firmament erblicken.
Der Große Wagen zählt zu den sogenannten zirkumpolaren Figuren. Sie gehen in unseren Breiten niemals auf oder unter, weil sie sich unweit des Himmelsnordpols befinden. Das ist jene Stelle am Firmament, auf die unsere Erdachse hinzeigt. Ganz in der Nähe jenes Punktes befindet sich der Polarstern, - ein wenig auffälliges schwach leuchtendes Objekt. Mitte April finden wir den Großen Wagen um 22 Uhr hoch über unseren Köpfen unweit des Zenits.
Der Große Wagen ist gar kein Sternbild
Eine weitere Besonderheit des Großen Wagen besteht darin, dass er eigentlich gar kein Sternbild ist. In einer Liste der 88 Sternbilder des gestirnten Himmels suchen wir vergebens nach ihm. Wohl aber finden wir die Große Bärin (lateinisch: Ursa majoris), - ein etwas komplizierteres und größeres Konstrukt, dessen hellste Sterne die Figur des Wagen bilden. Somit sind die Sterne des Großen Wagens ein Teil der Bärin. Auch anderen Völkern sind übrigens die sieben etwa gleich hellen Sterne stets aufgefallen. Die nordamerikanischen Ureinwohner sahen in ihnen eine Schöpfkelle, die Römer Sieben Dreschochsen.
Unsere Große Bärin stammt aus der griechischen Mythologie. Sie ist die schöne Nymphe Kallisto, die von Jupiter, dem höchsten aller Götter verführt wurde. Zur Strafe wurde sie in eine Bärin verwandelt und in den Himmelsraum emporgehoben. Der Große Wagen ist übrigens ein beliebtes Hilfsmittel zur Orientierung auf der Erde: Verlängern wir die hintere Achse des Wagenkastens etwa um das Fünffache, so treffen wir auf den Polarstern. Von dort gehen wir auf den Horizont und haben die Nordrichtung gefunden.
Auch unsere Sehfähigkeit können wir am Großen Wagen testen. Über dem mittleren Deichselstern Mizar befindet sich ein schwach leuchtendes Sternchen namens Alkor. Es steht etwa 700 Bogensekunden (rd. ein Sechstel Grad) von Mizar entfernt. Da ein normalsichtiges Auge selbst im ungünstigen Fall ein Auflösungsvermögen von 120 Bogensekunden aufweist, sollte Alkor also mühelos erkannt werden.
Die Große Bärin zeigt uns Sternhaufen
Die meisten Sterne der Großen Bärin gehören zu einem so genannten offenen Sternhaufen. Im Februar hatten wir als Beispiel eines solchen Objekts die Plejaden (Siebengestirn) kennen gelernt, die auch jetzt noch gegen 21 Uhr tief über dem Westhorizont gesehen werden können. Insgesamt schätzt man die Anzahl solcher offenen Sternhaufen innerhalb unseres Milchstraßensystems auf etwa zwanzigtausend. Jedoch kennt man nur einen kleinen Teil davon, nämlich etwa 1200 solcher Objekte. Die weitaus meisten liegen hinter Dunkelwolken verborgen oder auf der anderen Seite des Sternsystems, die von uns aus nicht direkt beobachtet werden kann.
Bei offenen Sternhaufen handelt es sich um lockere Ansammlungen von zehn bis tausend Sternen, die alle gleichzeitig entstanden sind. Man hat sie deshalb auch als "Schulklassen" von Sternen bezeichnet, denn die Mitglieder haben - wie die Schüler einer Klasse - alle etwa dasselbe Alter. Das hängt damit zusammen, dass Sterne nicht als Einzelobjekte, sondern gruppenweise aus größeren Gas- und Staubwolken entstehen.
Infolge der Rotation des gesamten Milchstraßensystems, aber auch durch die Einwirkung benachbarter massereicher Gas- und Staubwolken lösen sich diese Rudel vergleichsweise rasch wieder auf. Dennoch kennen wir offene Sternhaufen sehr unterschiedlichen Alters. Die ältesten von ihnen bestehen bereits seit etwa 8 Milliarden Jahren, die jüngsten sind erst etwa 10 Millionen Jahre alt.
Wie kommt es nun aber, dass wir das Siebengestirn deutlich als Sternhaufen erkennen, während die Sterne des Ursa-Major-Haufens weit über den Himmel verstreut sind? Das liegt ganz einfach daran, dass wir die Plejaden und andere offene Sternhaufen aus großer Entfernung betrachten, während wir uns beim Ursa Major-Haufen sozusagen mittendrin befinden. Daraus ergeben sich sehr große Winkelabstände der einzelnen Sterne.
Der Durchmesser des Haufens beträgt etwa 30 Lichtjahre. Am Himmel erstreckt er sich über ein Gebiet von 20 Grad oder 40 Vollmonddurchmessern. Selbst der hellste Stern des nördlichen Sternhimmels, Sirius, gehört zu diesem Haufen, obwohl er sich an einer ganz anderen Stelle befindet. Aber wie hat man dann die Zugehörigkeit der verschiedenen Sterne zu dieser astralen Schulklasse festgestellt? Genaue Beobachtungen über längere Zeit lassen erkennen, dass sie dieselben Bewegungen ausführen und auf einen Punkt im Sternbild Schütze zustreben.
Das etwa gleiche Alter der Mitgliedssterne von offenen Sternhaufen macht sie für die Forschung hoch interessant. Die einzelnen Sterne unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Sie haben beispielsweise unterschiedliche Massen und Temperaturen. Da sie aber alle gleich alt sind, können wir den Einfluss verschiedener Parameter auf ihre Entwicklung studieren. So haben Untersuchungen an offenen Sternhaufen wesentlich zu unseren heutigen Kenntnissen über die Sternentwicklung beigetragen.
Die anderen Bilder und die Planeten
Die Sternbilder des Vormonats sind inzwischen (immer auf die gleiche Uhrzeit bezogen) weiter nach Westen vorgerückt. So steht der Orion jetzt um 22 Uhr schon tief über dem Westhorizont und verabschiedet sich vom Nachthimmel. Der Löwe hingegen kann noch im Süden gesehen werden. Auch der Mars ist rechts (westlich) des Löwen noch immer zu erkennen. Er taucht erst gegen 4 Uhr unter den Horizont.
Venus bleibt Abendstern, steht jetzt deutlich höher als im Vormonat und wird damit noch auffälliger. Wir finden den Planeten nach dem Einbruch der Dunkelheit in westlicher Richtung. Durch ihre strahlende Helligkeit fällt die Venus dort sofort auf. Auch Saturn kann man weiterhin am Firmament finden. Nach Ende der Dämmerung steht er hoch im Süden.
Die Tageslänge nimmt weiter zu und beträgt zum Ende des Monats bereits rund. 15 Stunden.
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