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Vom Wir und Jetzt

Spezieller Freudentag: die Grenzöffnung in Hohen Neuendorf am 17. Februar 1990, festgehalten von dem Fotografen Frank Liebke.
Spezieller Freudentag: die Grenzöffnung in Hohen Neuendorf am 17. Februar 1990, festgehalten von dem Fotografen Frank Liebke. © Foto: Stadtverwaltung Hohen Neuendorf
Heike Weißapfel / 24.10.2014, 07:15 Uhr
Hohen Neuendorf (MZV) Der Fall der Mauer jährt sich am 9. November zum 25. Mal. In Hohen Neuendorf ist dies Anlass für eine Veranstaltungsreihe, die die Stadtverwaltung organisiert hat. Jetzt sind die Faltblätter dafür frisch aus der Druckerei gekommen.

"Dass wir das noch erleben dürfen!", war ein Ausruf, der im November 1989 auf beiden Seiten der Mauer, die Familien und Freunde auf einmal nicht mehr trennte, oft zu hören war. 25 Jahre später wird der Tag als Jubiläum begangen, und in drei Jahren wird die Mauer bereits solange weg sein wie sie gestanden hat. Eine Fußnote der Geschichte ist die Teilung deshalb noch nicht - aber sie bedarf mehr und mehr der Erklärung. Wer heute jung ist, dem erschließen sich Euphorie und Aufbruchsstimmung von damals nicht mehr unmittelbar.

In Hohen Neuendorf wird das Jubiläum zum Anlass für Erinnerung auf mehreren Ebenen genommen. Ausdrücklich soll dabei die Freude im Mittelpunkt stehen, auch wenn die Opfer nicht vergessen werden sollen. "Denn es ist ein sehr freudiges Ereignis für uns alle", betont Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung (Linke). "Unterm Strich hat es Deutschland nur Vorteile gebracht, selbst wenn für den Einzelnen nicht alles gut war." Schulbildung und Elternhäuser seien "deutlich im Verzug" im Hinblick auf diesen Teil der Geschichte, ist Hartungs Eindruck, der sich freut, dass die Schule zu dem Anlass Projekttage unternehmen.

Auf einen Antrag der CDU-Fraktion hin hat die Stadtverwaltung, ausgestattet mit 15 000 Euro an Haushaltsmitteln, ein breites Spektrum an Veranstaltungen zusammengetragen. So wird am Montag, 3. November, eine Ausstellung über den 17. Februar 1990 eröffnet. Es war der Tag, an dem die Mauer zwischen Hohen Neuendorf und Frohnau fiel. Der Fotograf Frank Liebke hat in vielen Bildern festgehalten, wie die Mauer verschwand und die Menschen zusammenkamen. Eine Auswahl daraus wird im Rathaus zu sehen sein. Walter Momper, damals Regierender Bürgermeister von Berlin, wird die Ausstellung um 17 Uhr eröffnen.

"Im Wir und Jetzt angekommen?!" ist das Podiumsgespräch überschrieben, das sich im Rathaus anschließt. Befragt von der Moderatorin Manuela Stamm, erzählen Gesprächspartner aus ihren Biografien: Bormeister, bis vor Kurzem SPD-Stadtverordneter, war zur Wendezeit Pfarrer in Hohen Neuendorf. Paul Aurin ist angehender Lehrer und engagiert sich in seiner Heimatstadt. Die Wissenschaftlerin und Autorin Dr. Christel Berger hat durch die politische Wende berufliche Umbrüche erlebt. Die Schriftstellerin Martina Rellin, die aus Hamburg stammt, war von 1994 bis 1998 Chefredakteurin der ehemals ostdeutschen Monatszeitschrift "Das Magazin". Von ihren Erfahrungen werden die Teilnehmer bei dem Gespräch ab 18 Uhr berichten.

Mithilfe von Filmen und Fotos soll am Sonnabend, 8. November, am Naturschutzturm der Deutschen Waldjugend erinnert werden. Ab 17 Uhr sollen auf der weißen Wand des Grenzturms die Bilder von damals zu sehen sein. Wer möchte, kann Fotos vom Grenzabschnitt zur Verfügung stellen und sie erläutern, lädt der Naturschützer und Stadtverordnete Marian Przybilla (parteilos) ein. In einem "Tiger-entenclub" von 2009, der wesentlich am Turm "spielt", wird Kindern die deutsche Teilung erklärt. Abends wird der Film "This ain't California - Dies ist nicht Kalifornien" gezeigt, ein Film, der sich an junge und junggebliebene Leute richtet.

Das zentrale Gedenken am Sonntag, 9. November, findet im ehemaligen Grenzstreifen in der Nähe des Herthamoores statt. In der Verlängerung der Glienicker Straße in Bergfelde werden in Form eines Dreiecks drei Bäume für die Einheit sowie ein weiterer für Europa gepflanzt. Die Idee stammt von Werner Erhardt aus einem Dialog mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Schwiegervater des Stadtverordneten Christian Erhardt-Maciejewski wird bei der Pflanzung ebenso anwesend sein wie der Generalsekretär des Ministerrates der EU, Dr. Uwe Corsepius.

Diese Veranstaltung ist eine gemeinsame Aktion der Stadt und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Oberhavel. Deren Vorsitzender Dirk Hartung lädt die Gäste ausdrücklich dazu ein, "diesen Tag zu ihrem ganz persönlichen Feiertag" zu machen. Mit einem Kulturprogramm, einer akustischen Collage sowie Suppe aus der Gulaschkanone und selbst mitgebrachtem Picknick soll die Stimmung von 1989 beschworen werden. So soll der Nachmittag gleichzeitig feierlich und wie eine Party begangen werden, wünscht sich Dirk Hartung.

Über die Mauer im Kopf hat die rbb-Radiomoderatorin Anja Goerz ein Buch geschrieben, das sie am Sonntag, 9. November, in der Stadtbibliothek vorstellt. Sie stellt darin Unbekannte und Prominente vor und hat festgestellt: "Ossi-Sein" ist keine Frage von Generation und Beruf, sondern - Vorurteil oder nicht - eine innere Haltung.

Die ausführlichen Flyer liegen ab den kommenden Tagen in den öffentlichen Einrichtungen der Stadt sowie in ausgewählten Geschäften aus. Der Eintritt ist zu allen Veranstaltungen frei.

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waldstromi 25.10.2014 - 00:36:16

Drei Bäume für die Einheit

gut so .Aber wo ist eigentlich die Eiche ,die die CDU Bürgermeisterin kurz nach der Grenzöffnung unter großer Anteilnahme der Medien,am ehemaligen Grenzübergang pflanzte ?

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