to_top_picture
Anmelden
Anmelden

Montag, 25. September 2017
ABO-ButtonePaper-ButtonKONTAKT-Button


Sie haben 8 von 10 Gratis-Artikeln gelesen.
x
Registrieren Sie sich jetzt und lesen Sie im Monat bis zu 20 Artikel kostenlos.
Jetzt kostenlos registrieren
Bereits registriert? Bitte anmelden

Heike Weißapfel 09.11.2014 21:15 Uhr
Red. Oranienburg, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

artikel-ansicht/dg/0/

Ein Denkmal, das wächst und gedeiht

Bergfelde (MZV) Die Stadt Hohen Neuendorf hat nun ein offizielles Einheitsdenkmal. Es wurde am Sonntag im Rahmen einer Feierstunde zum Maueröffnungs-Jubiläum in den alten Grenzstreifen zwischen Herthamoor und Naturschutzturm gepflanzt und dazu eine Tafel enthüllt.

artikel-ansicht/dg/0/1/1344960/
 

Die Buche kam zuerst in die Erde: Uwe Corsepius, Oliver Schworck, Vorsitzender der SDW Berlin, Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung, CDU-MdB Uwe Feiler, Christian Graf und Dirk Walther von der SDW sowie Werner Ehrhardt (hinten, v. l.) packten mit an.

© Heike Weißapfel

Die Wiese am Eingang des Moors füllt sich am Sonntagmittag nach und nach mit Menschen. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Oberhavel und die Stadt haben zu diesem Einheitsfest eingeladen, und etwa 350 Einwohner wollen dabei sein, darunter auch zahlreiche Stadtverordnete aller Fraktionen.

Einige haben Picknick dabei. Gefragt sind aber vor allem die wärmende Erbsensuppe der Freiwilligen Feuerwehr und die Wildgulaschsuppe der Schutzgemeinschaft. Symbolträchtig machen ein paar Kinder mit Bananenstückchen und Kinderschokolade im Korb die Runde.

Berühmt gewordene "Zitate" der DDR-Funktionäre hallen, eingespielt vom Band, über die Wiese, bevor der eigentliche Festakt beginnt.

Die Mauer werde in 50 oder 100 Jahren noch stehen, beschwört da etwa Erich Honecker die Beibehaltung eines Zustands, der nun zum Glück seit 25 Jahren Geschichte ist. Noch weiter reicht die Propaganda zurück. Doch die Leute auf dem Platz nehmen sich die Freiheit, sich mit ihren Tischnachbarn zu unterhalten; manch einer möchte die SED-Songs auch für den Rest seines Lebens einfach nicht mehr hören. Bei den Trompetenklängen von Carsten Gabriel von den Berliner Symphonikern wird es stiller.

Torsten Werner, SDW-Mitglied und Gemeindevertreter der Grünen in Birkenwerder, moderiert die Veranstaltung. Für ihn ist es schon die zweite Feierstunde. Denn am Vormittag haben in Birkenwerder Zeitzeugen über ihre Erfahrungen in der DDR und mit der friedlichen Revolution berichtet. Für ihn ist der Tag eine "Revue der Glücksgefühle". "Jede einzelne Geschichte berührt uns immer wieder", sagt er. Diese Geschichten müssten auch den Jüngeren erzählt werden. Das Sinnbild, dass nun auf dem Todesstreifen ein Einigungsdenkmal entsteht, "das sollten wir zum Anlass nehmen, uns in die Zivilgesellschaft einzubringen - denn nichts passiert von alleine."

Der Schauspieler und Synchron-Sprecher Michael Pan erzählt von seiner Ausreise aus der DDR mit Familie samt Hund im Mai 1989. Damals nannte man den "Tränenpalast" an der Friedrichstraße noch "Tränenbunker", sagt er. Dass er als letzte DDR-Amtshandlung ein Verfahren wegen Valuta-Vergehens bekam, weil er fünf DDR-Mark dabei hatte, um nicht schwarz S-Bahn fahren zu müssen, fällt heute in den Bereich der Anekdoten.

Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung (Linke) spricht in seiner Rede von der Mauer, die unbewusst in vielen Köpfen auch nach 25 Jahren noch vorhanden sei und fallen müsse, auch wenn sie zuweilen nur 20 Zentimeter hoch sei. Hartung erinnerte auf dem Todesstreifen auch an jene, die bei dem Versuch, die Mauer zu überwinden, ihr Leben gelassen haben sowie an die Juden, die in der Reichspogromnacht 1938 "dem schwarzen Mob" zum Opfer fielen.

Wie ein Dach, das alle Bürger dieses Landes beschützt, möge das Einheitsdenkmal wachsen und gedeihen, sagt Werner Erhardt. Er ist Initiator der Idee, die unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht und in ganz Deutschland schon 165 mal umgesetzt worden ist. Doch gibt es in Hohen Neuendorf zwei Besonderheiten. Gedacht als gleichseitiges Dreieck mit Eiche im Norden, Buche im Westen und Kiefer im Osten, ist es in Bergfelde durch eine Linde, die die Verbundenheit mit Europa symbolisiert, trapezförmig geworden. Für den "Europa-Baum" hatte die SDW den Generalsekretär des Ministerrats, Dr. Uwe Corsepius, der in Hohen Neuendorf wohnt, zu Gast.

Die Bäume wurden von der Firma Fielmann gespendet, die bundesweit bereits 45 Baumdenkmäler gestiftet hat. Es wurden am Sonntag nur drei Bäume gepflanzt. "Die Kiefer stand schon da", sagt der SDW-Vorsitzende Dirk Hartung. "Wir haben sie einfach ins Denkmal einbezogen." Eine aus Baumstämmen geformte Bank soll künftig zum Verweilen einladen.

Nach dem Festakt sitzen einige noch beim Glühwein zusammen, andere zieht es vielleicht doch noch zum Feiern nach Berlin. Bürgermeister Hartung schwingt sich auf sein Fahrrad und fährt zum Stolpersteine-Putzen des Geschichtsvereins, um der jüdischen Familie Jacks Tribut zu zollen. Denn diese Geschichte gehört eben auch zu jedem 9. November in Deutschland.

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

Artikel kommentieren   Lesezeichen setzen   Nachricht an die Redaktion   Druckversion

Regionalnavigator

Landkreiskarte Brandenburg Ostprignitz-Ruppin Potsdam-Mittelmark Brandenburg/Havel
MOZ

Ort, PLZ oder Redaktion