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Flüchtlingsalltag im Hotel

Verständigung: Ahmed AlMohammad und Sohn Ruzan Asadwllah ganz ohne Dolmetscher im Gespräch mit Karsten Knobbe, Lutz Amsel, Mohamed Mahozada und Verena Lange (v. l.)
Verständigung: Ahmed AlMohammad und Sohn Ruzan Asadwllah ganz ohne Dolmetscher im Gespräch mit Karsten Knobbe, Lutz Amsel, Mohamed Mahozada und Verena Lange (v. l.) © Foto: MOZ Gerd Markert
Irina Voigt / 20.12.2014, 02:21 Uhr
Hoppegarten (MOZ) Zurzeit leben 159 Asylbewerber im Hotel Hoppegarten. Bis Ende des Jahres sollen es 240 sein. Ihr Alltag besteht darin, die Umgebung kennen zu lernen, Formalitäten zu erledigen und vor allem Deutsch zu lernen. Dabei bekommen sie vielfältige Unterstützung.

Das Dorf in der Nähe der syrischen Stadt Kobane, aus dem Mohamed Mahozada vor zwei Monaten floh, gibt es nicht mehr. Was aus den 364 Einwohnern geworden ist, weiß er nicht. Viele kamen um, einige schafften die Flucht in die Türkei. Dort, so hofft er, ist auch seine Familie in Sicherheit. Der Arzt ist in dieser Woche in Hoppegarten angekommen. Er ist einer von 159 Asylbewerbern, die hier bereits eine Unterkunft gefunden haben. In perfektem Russisch kann sich - wie Mahozada - auch Ruzan Asadwllah verständigen. Der Junge ist acht Jahre alt, mit seinem Vater, einem Apotheker, und seinem Bruder wohnt er jetzt hier. "Russisch ist in Syrien eine gängige Fremdsprache", sagt Verena Lange. Sie ist eine der betreuenden Sozialpädagogen und spricht ebenfalls flüssig russisch.

"Nachdem Donnerstag ein Bus mit 40 Asylbewerbern ankam, erwarten wir am 29. Dezember die nächsten 80", sagt Michaela Schreier, Programmgeschäftsführerin beim Internationalen Bund, der die Flüchtlingsunterkunft betreibt, bis die Ausschreibung durch ist. Dann sei die maximale Zahl von 240 Asylbewerbern erreicht, sagt sie.

Im Augenblick leben hier 145 Männer, die meisten zwischen 25 und 35 Jahre alt, 14 Frauen und fünf Familien mit insgesamt acht Kindern. Die weitaus meisten sind Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien. Untergebracht sind sie in Drei- und Vierbettzimmern. Gemeinschaftlich wird gefrühstückt, gibt es zu festen Zeiten Mittag- und Abendessen, 22 Uhr ist Nachtruhe.

"Zugegeben, der Anfang war überstürzt und wir hatten wenig Zeit für die Information der Bürger", sagt Landratsstellvertreter Lutz Amsel, in dessen Ressort die Ausländerbehörde gehört. Die Entscheidung, wo Asylbewerber untergebracht werden, sei nicht leicht. Viele gewerbliche Einrichtungen würden sich melden, um sie aufzunehmen, aber nicht jede sei geeignet, sagt Amsel. Es müsse auch die restliche Infrastruktur passen, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen und Kitas erreichbar und die ärztliche Versorgung gewährleistet sein, denn Asylbewerber gelten mit ihrer Anmeldung als Einwohner.

"Am 7. Januar treffen wir uns mit Ärzten der Umgebung, um die Versorgung zu sichern." Dabei gehe der Landkreis ungewöhnliche Wege. "Wir schließen dafür mit jedem Arzt einen Vertrag", sagt er. Eine Lösung auf Landesebene stehe noch aus. Die Unzufriedenheit mit der Bundespolitik ist dem stellvertretenden Landrat anzumerken. "Der Kreis hat 1,5 Millionen Euro für die Flüchtlingsarbeit eingestellt, Nur ein Zehntel davon bekommen wir vom Bund zurück."

Bürgermeister Karsten Knobbe berichtet, wie sich die Gemeinde auf den Einwohnerzuwachs einstellt. Zum einen gebe es einen Internet-Link mit Informationen auf der Gemeindeseite, zum anderen sollen die politischen Weichen gestellt werden, um eine zusätzliche Sozialarbeiterstelle zu schaffen. Probleme mit Kita- und Schulplätzen sieht Knobbe nicht.

Derweil läuft eine Welle der Hilfsbereitschaft der Hoppegartener, aber auch Fredersdorfer und Schöneicher an. Die Asylbewerber pilgern zum Haus der Generationen, wo Spenden gesammelt und sortiert werden. Hier können sie sich mit warmen Wintersachen einkleiden. "Die sind wirklich nötig. Gebraucht werden vor allem Männerkleidung, Kosmetikartikel sowie Spiel- und Sportgeräte", sagt Michaela Schreier. "Keine technischen Geräte", fügt sie hinzu. Und es werden dringend Deutschlehrer gesucht, die ehrenamtlich helfen. "Denn 50 Leute in einem Kurs sind zu viel. Und die Sprache ist die wichtigste Voraussetzung, hier zu bestehen."

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*** 29.12.2014 - 18:15:28

Der Unterschied zwischen veröffentlichter und erlebter Realität besteht darin, dass ...

... in der veröffentlichten Realität immer nur syrische Familien und "Fachkräfte", die vor Islamisten fliehen, hier ankommen und in der erlebten Realität sind es dann junge islamische Männer aus Nordafrika. Wo genau die Metamorphose geschieht, habe ich bisher noch nicht in Erfahrung bringen können. :-(

Ali 29.12.2014 - 16:24:38

Max Mütze

Diese alleinresenden Herren kommen in der Minderzahl aus Syrien. Meist handelt es sich um Nordafrikaner, die bei der Einreise die Papiere fortwerfen und zur Verhinderung von Fingerabdrücken die Fingerkuppen mit Säure abbeizen.

MaxMütze 29.12.2014 - 10:15:23

Bei allem Hin und Her.....

.....verstehe ich jedoch eines ganz und gar nicht, das ich schon zig Mal auch bei Nachrichten über andere Asylbewerber gehört habe - wie kann man Verständnis dafür haben, dass sich hier in D Männer in Sicherheit bringen und die Hoffnung äußern, dass es ihre Familie in Syrien oder sonstwo auch schafft......muss ich das als dortige Kultur akzeptieren, dass man seine Familie im Stich lässt? Sorry, da komme ich nicht mit......

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