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Mathias Hausding 15.01.2015 19:49 Uhr

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Posse um "Nudelmesse" erreicht Landtag

Potsdam (MOZ) Ein bizarrer Streit um Straßenschilder, die in Templin (Uckermark) auf eine "Nudelmesse" verweisen, hat jetzt auch den Landtag erreicht. Hinter der Aktion steckt ein Satire-Verein - die Kirche des Fliegenden Spaghetti Monsters Deutschland.

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© dpa

Wer darf wo im Straßenraum welche Schilder aufstellen - das ist eine in Deutschland bis ins Detail geregelte Frage. Umso überraschender ist, dass in Templin in offizieller Anmutung auf eine jeweils freitags 10 Uhr stattfindende "Nudelmesse" verwiesen wird. Ein sechsbeiniges Ungetüm fungiert als Logo - das Fliegende Spaghetti Monster (FSM).

Was soll das?, fragen sich seitdem viele Bürger. So auch die SPD-Abgeordnete Klara Geywitz. Sie hat dazu eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gerichtet, deren Antwort nun vorliegt. Die delikate Aufgabe übernahm die Kulturministerin. "Sie hätte sich dazu gerne nicht geäußert", sagt Stephan Breiding, Sprecher des Kulturressorts auf die Frage, wieso Sabine Kunst (parteilos) über die Zulässigkeit von Schildern referiert. Aber irgendwie geht es um Religion, dafür ist sie zuständig.

Also erklärt Sabine Kunst, dass bundesweit seit 2008 "Kirchen und sonstige Religionsgemeinschaften" auf Gottesdienste und ähnliches hinweisen dürfen. Bis dahin durften das nur Katholiken und Protestanten. Auf dieser Basis habe die 2011 gegründete Spaghettimonster-Kirche beim zuständigen Landesbetrieb Straßenwesen die Schilder-Genehmigung beantragt. Mit Erfolg.

Aber sieht das Land in dieser selbst ernannten Kirche eine Religionsgemeinschaft im Sinne der Schilder-Regelung? Nein, sagt Sabine Kunst. "Es handelt sich um eine Religionsparodie ohne ernsthafte Substanz." Dem widerspricht freilich der Kirchenchef energisch. "Wir betreiben keinen Schabernack, sondern haben ernste gesellschaftliche Anliegen", sagt Rüdiger Weida, ein 63 Jahre alter früherer Jugend- und Sozialarbeiter aus Templin. Ziel des Vereins, der deutschlandweit 160 Mitglieder habe, sei die "Förderung wissenschaftlicher Weltanschauungen mit sachlich-satirischen Mitteln". Konkret gehe es darum, religiöse Privilegien abzuschaffen, also etwa Zahlungen des Staates an die Kirchen. "Und bis es so weit ist, wollen wir die gleichen Rechte wie die anderen Kirchen, um zu zeigen, wie ungerecht und sinnlos die Privilegien sind", sagt Weida. Weltweit habe die Bewegung der "Pastafari" großen Zulauf, ergänzt er. Die Ursprünge lägen in Kansas (USA), wo 2005 ein Physiker mit dieser Masche gegen Anti-Darwinisten zu Felde zog.

Aber zurück zu den vier Templiner Schildern, die jeweils an den Ortseingängen auf Landesstraßen stehen: Das Kulturministerium hält sie für unzulässig, verweist aber für alle weiteren Fragen zuständigkeitshalber auf den Landesbetrieb Straßenwesen. Dort gibt man sich zerknirscht. "Der örtliche Straßenmeister hat mit der Genehmigung der Schilder einen Fehler gemacht", erklärt Sprecherin Cornelia Mitschka. Man werde jetzt aber nichts unternehmen, denn zuständig sei die Kommune.

Templins Bürgermeister, Detlef Tabbert von den Linken, muss lachen, als er das hört. "Herr Weida von der Spaghettimonster-Kirche hat ein offizielles Schreiben des Landesbetriebs, mit dem ihm die Anbringung der Schilder gestattet wird", sagt er. Außerdem habe es im Dezember ein Treffen aller Beteiligten gegeben, in dem der Vertreter des Landesbetriebs für Weidas Wünsche erneut Zustimmung signalisiert habe, betont der Bürgermeister. Die Spaghettimonster-Kirche will nämlich künftig eigene Masten für ihre Schilder.

Den jetzigen Sinneswandel beim Landesbetrieb könne er sich nicht erklären, sagt Detlef Tabbert. "Wir sind eine tolerante Stadt und werden die Schilder nicht abmontieren lassen." Kirchenchef Weida stellt klar: "Als Weltanschauungsgemeinschaft ziehen wir im Kampf um die Schilder notfalls vor Gericht."

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