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Thomas Gutke und René Matschkow 18.01.2015 23:46 Uhr - Aktualisiert 19.01.2015 09:57 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

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Frankfurter mögen es lieber bunt

Frankfurt (Oder) (MOZ) Für Toleranz, gegen Fremdenhass: 700 Menschen gingen am Sonnabend bei Veranstaltungen auf die Straße, um ein Zeichen für ein weltoffenes Frankfurt zu setzen. Anlass war eine Demonstration unter dem Motto "Stopp dem Asylmissbrauch", zu der etwa 250 Teilnehmer anreisten.

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Klares Bekenntnis für ein weltoffenes Frankfurt: Am Rathaus feierten 200 Menschen ein Bürgerfest und ließen Luftballons in den Himmel steigen.

© René Matschkowiak

Für Michael Genz steht fest: "Jeder soll in unserer Stadt willkommen sein!" Zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter, mit Nachbarn und Nachbarskindern machte er sich deshalb am Sonnabendvormittag auf den Weg zum Platz vor Kaufland, um für Toleranz und Vielfalt zu demonstrieren. Mit dabei hatten sie auch einen kleinen Bollerwagen - darauf stand: "Wir mögen's bunt".

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Rechtsextreme Demonstration

Niedlich, weiß und wuschelig - Knut zog im Jahr 2007 die Berliner und später die ganze Republik in seinen Bann.  

Rechtsextreme Demonstration. Frankfurter Bürger protestierten dagegen. © MOZ / FM

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Zur Veranstaltung eingeladen hatte das Bündnis "Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder)". Rund 500 Menschen waren dem Aufruf gefolgt, darunter auch Landespolitiker wie Christian Görke und Helmuth Markov (Linke). "Es ist wichtig, dass wir hier heute ein geschlossenes Signal nach außen senden", sagte OB Martin Wilke (parteilos).

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Bilder Bürgerfest Buntes Frankfurt und Blockade der Demonstration

Niedlich, weiß und wuschelig - Knut zog im Jahr 2007 die Berliner und später die ganze Republik in seinen Bann.  

In Frankfurt feierten Einwohner ihr Fest Buntes Frankfurt es wurde aber auch gegen die Demonstration von der Gemeinschaft "Frankfurt wehrt sich" demonstriert. © MOZ / MOZ

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Nur wenige Hundert Meter entfernt, auf dem Bahnhofsvorplatz, begannen sich ab etwa 12 Uhr die Teilnehmer eines Aufmarsches unter dem Motto "Stopp dem Asylmissbrauch" zu sammeln. Im Gepäck hatten sie Deutschlandfahnen, Plakate und Transparente mit Sprüchen wie "Wir für Deutschland gegen Überfremdung." Ein Teilnehmer aus Frankfurt meinte, er sei hier, "um das Volk wachzurütteln." Vielen Asylbewerbern gehe es seiner Ansicht nach bei uns viel zu gut, "und unsereiner muss für alles erst hart arbeiten".

Gegen 14 Uhr setzte sich der Anti-Asyl-Aufmarsch in Bewegung. Begleitet von viel Polizei, darunter auch aus Berlin und Rheinland-Pfalz, ging es zunächst durch den Bahnhofstunnel. Die Teilnehmer skandierten "Wir wollen keine Asylantenheime" und "Wir sind das Volk". Über die Dresdener Straße kamen sie auf den Leipziger Platz. Vereinzelt lugten Anwohner aus den Fenstern. An einem Dach wehte eine große Deutschlandfahne.

Nach rechts abbiegen, wie geplant, konnte die Gruppe anschließend nicht. 500 Gegendemonstranten blockierten die Leipziger Straße. Der Aufmarsch zog deshalb die Große Müllroser Straße entlang. Über die Gubener Straße und den Ferdinandsberg ging es zurück zum Bahnhof. Zwischenzeitlich kam es immer wieder zu kleineren Konfrontationen. Etwa an der Gubener Straße, wo die Polizei überrascht vom plötzlichen Auftauchen der Gegendemonstranten schien.

Meist konnten die Gruppen aber auf Distanz gehalten werden. Das Bündnis "Kein Ort für Nazis" beklagte später, einige Polizisten seien dabei unverhältnismäßig hart vorgegangen. Laut Jannek Lassau, Sprecher der Initiative, sei unter anderem an der Großen Müllroser Straße eine Person im Lautsprecherwagen angegriffen und verletzt worden. Man wolle Anzeige erstatten.

Wesentlich friedlicher ging es am Rathaus zu. Dort begann um 13 Uhr das Fest "Buntes Frankfurt". Im Vorfeld hatte es Diskussionen gegeben, ob man mit einer weiteren Veranstaltung die Gegendemonstrationen nicht schwächen würde. Doch viele, die kamen, erklärten, ihnen gehe es darum nicht gegen, sondern für etwas zu demonstrieren. Unter den Teilnehmern waren viele Frankfurter und Vertreter aller Parteien, auch der AfD. Der Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt (CDU) sagte: "Frankfurt zeigt hier sein schönes Gesicht nach außen." Roswitha Dölves aus Lebus bekannte, dass das Motto "Ich bin Ausländer, fast überall" - das viele auf Pappschildern hochhielten - der Grund für ihr Kommen war. Ebenso für Christina Foltin: "Wir wollen uns nicht die Köpfe einschlagen, sondern miteinander für etwas sein". Nachdem der Chor "Gesang der Kulturen" einige Lieder angestimmt hatte, ließen die Teilnehmer blaue Luftballons mit Friedenstauben steigen. Anschließend machten sich viele zur Gegendemonstration an der Leipziger Straße auf. Allerdings nur, um den Teilnehmern aus dem rechten Spektrum ihre Schilder entgegenzuhalten.

Gegen 16 Uhr hatten die rechten Asyl-Kritiker ihren Aufmarsch am Bahnhof schließlich beendet. Das massive Polizeiaufgebot und die Verkehrseinschränkungen blieben den Frankfurtern aber noch einige Stunden erhalten. Die Bilanz aus Sicht der Polizei: Zehn vorläufige Festnahmen und zwei verletzte Polizeibeamte.

Der Linken-Landtagsabgeordnete René Wilke zog trotz der Auseinandersetzungen, die es teilweise gab, eine positive Bilanz: "Das war ein deutliches Signal für Toleranz, Weltoffenheit und Mitmenschlichkeit in Frankfurt". Aufgefallen sei ihm, dass es sich bei den rechten Demonstranten vor allem um "bekannte Neonazis" gehandelt habe. "Der Versuch der Neonazis, unter anderem Deckmantel Menschen zu instrumentalisieren und ihr Gedankengut zu verbreiten, ist gescheitert", betonte René Wilke.

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