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Frankfurter mögen es lieber bunt

Klares Bekenntnis für ein weltoffenes Frankfurt: Am Rathaus feierten 200 Menschen ein Bürgerfest und ließen Luftballons in den Himmel steigen.
Klares Bekenntnis für ein weltoffenes Frankfurt: Am Rathaus feierten 200 Menschen ein Bürgerfest und ließen Luftballons in den Himmel steigen. © Foto: René Matschkowiak
Thomas Gutke und René Matschkow / 18.01.2015, 23:46 Uhr - Aktualisiert 19.01.2015, 09:57
Frankfurt (Oder) (MOZ) Für Toleranz, gegen Fremdenhass: 700 Menschen gingen am Sonnabend bei Veranstaltungen auf die Straße, um ein Zeichen für ein weltoffenes Frankfurt zu setzen. Anlass war eine Demonstration unter dem Motto "Stopp dem Asylmissbrauch", zu der etwa 250 Teilnehmer anreisten.

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Frankfurter demonstrieren gegen Fremdenhass

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Für Michael Genz steht fest: "Jeder soll in unserer Stadt willkommen sein!" Zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter, mit Nachbarn und Nachbarskindern machte er sich deshalb am Sonnabendvormittag auf den Weg zum Platz vor Kaufland, um für Toleranz und Vielfalt zu demonstrieren. Mit dabei hatten sie auch einen kleinen Bollerwagen - darauf stand: "Wir mögen's bunt".

Etwa 250 Rechtsextreme marschierten am Sonnabend durch Frankfurt (Oder). Dagegen hatte sich ein beites Bündnis gesellschaftlicher Kräfte formiert, das die Demonstration blockierte.
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Frankfurter demonstrieren gegen rechtsextremen Aufmarsch

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Zur Veranstaltung eingeladen hatte das Bündnis "Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder)". Rund 500 Menschen waren dem Aufruf gefolgt, darunter auch Landespolitiker wie Christian Görke und Helmuth Markov (Linke). "Es ist wichtig, dass wir hier heute ein geschlossenes Signal nach außen senden", sagte OB Martin Wilke (parteilos).

In Frankfurt feierten Einwohner ihr Fest Buntes Frankfurt es wurde aber auch gegen die Demonstration von der Gemeinschaft "Frankfurt wehrt sich" demonstriert.
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Bilder Bürgerfest Buntes Frankfurt und Blockade der Demonstration

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Nur wenige Hundert Meter entfernt, auf dem Bahnhofsvorplatz, begannen sich ab etwa 12 Uhr die Teilnehmer eines Aufmarsches unter dem Motto "Stopp dem Asylmissbrauch" zu sammeln. Im Gepäck hatten sie Deutschlandfahnen, Plakate und Transparente mit Sprüchen wie "Wir für Deutschland gegen Überfremdung." Ein Teilnehmer aus Frankfurt meinte, er sei hier, "um das Volk wachzurütteln." Vielen Asylbewerbern gehe es seiner Ansicht nach bei uns viel zu gut, "und unsereiner muss für alles erst hart arbeiten".

Gegen 14 Uhr setzte sich der Anti-Asyl-Aufmarsch in Bewegung. Begleitet von viel Polizei, darunter auch aus Berlin und Rheinland-Pfalz, ging es zunächst durch den Bahnhofstunnel. Die Teilnehmer skandierten "Wir wollen keine Asylantenheime" und "Wir sind das Volk". Über die Dresdener Straße kamen sie auf den Leipziger Platz. Vereinzelt lugten Anwohner aus den Fenstern. An einem Dach wehte eine große Deutschlandfahne.

Nach rechts abbiegen, wie geplant, konnte die Gruppe anschließend nicht. 500 Gegendemonstranten blockierten die Leipziger Straße. Der Aufmarsch zog deshalb die Große Müllroser Straße entlang. Über die Gubener Straße und den Ferdinandsberg ging es zurück zum Bahnhof. Zwischenzeitlich kam es immer wieder zu kleineren Konfrontationen. Etwa an der Gubener Straße, wo die Polizei überrascht vom plötzlichen Auftauchen der Gegendemonstranten schien.

Meist konnten die Gruppen aber auf Distanz gehalten werden. Das Bündnis "Kein Ort für Nazis" beklagte später, einige Polizisten seien dabei unverhältnismäßig hart vorgegangen. Laut Jannek Lassau, Sprecher der Initiative, sei unter anderem an der Großen Müllroser Straße eine Person im Lautsprecherwagen angegriffen und verletzt worden. Man wolle Anzeige erstatten.

Wesentlich friedlicher ging es am Rathaus zu. Dort begann um 13 Uhr das Fest "Buntes Frankfurt". Im Vorfeld hatte es Diskussionen gegeben, ob man mit einer weiteren Veranstaltung die Gegendemonstrationen nicht schwächen würde. Doch viele, die kamen, erklärten, ihnen gehe es darum nicht gegen, sondern für etwas zu demonstrieren. Unter den Teilnehmern waren viele Frankfurter und Vertreter aller Parteien, auch der AfD. Der Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt (CDU) sagte: "Frankfurt zeigt hier sein schönes Gesicht nach außen." Roswitha Dölves aus Lebus bekannte, dass das Motto "Ich bin Ausländer, fast überall" - das viele auf Pappschildern hochhielten - der Grund für ihr Kommen war. Ebenso für Christina Foltin: "Wir wollen uns nicht die Köpfe einschlagen, sondern miteinander für etwas sein". Nachdem der Chor "Gesang der Kulturen" einige Lieder angestimmt hatte, ließen die Teilnehmer blaue Luftballons mit Friedenstauben steigen. Anschließend machten sich viele zur Gegendemonstration an der Leipziger Straße auf. Allerdings nur, um den Teilnehmern aus dem rechten Spektrum ihre Schilder entgegenzuhalten.

Gegen 16 Uhr hatten die rechten Asyl-Kritiker ihren Aufmarsch am Bahnhof schließlich beendet. Das massive Polizeiaufgebot und die Verkehrseinschränkungen blieben den Frankfurtern aber noch einige Stunden erhalten. Die Bilanz aus Sicht der Polizei: Zehn vorläufige Festnahmen und zwei verletzte Polizeibeamte.

Der Linken-Landtagsabgeordnete René Wilke zog trotz der Auseinandersetzungen, die es teilweise gab, eine positive Bilanz: "Das war ein deutliches Signal für Toleranz, Weltoffenheit und Mitmenschlichkeit in Frankfurt". Aufgefallen sei ihm, dass es sich bei den rechten Demonstranten vor allem um "bekannte Neonazis" gehandelt habe. "Der Versuch der Neonazis, unter anderem Deckmantel Menschen zu instrumentalisieren und ihr Gedankengut zu verbreiten, ist gescheitert", betonte René Wilke.

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Egal 22.01.2015 - 11:51:56

Aufmarsch

die mit OPR-Bussen mit Steuergeldern herangekarrten Berliner Antifa-Störer feierten dagegen ein gemütliches Beisammensein.

Iche AS 22.01.2015 - 11:16:37

@Buntes Frankfurt

Nun haben Sie mich aber enttäuscht!!! Ein blau ballontes und singendes kleine Völkchen ist natürlich aussagekräftiger als viele Menschen, die einen Naziaufmarsch blockieren wollen bzw. blockierten. Das wäre dann ihr Pipi Langstrumpf Syndrom ... ich male mir die Welt, wie sie MIR gefällt (am Besten blau). Besseres Programm in Frage stellend, wirksamer ....?? Ich persönlich hätte bunte Ballons für "Buntes Frankfurt" aussagekräftiger gefunden. Nur fürs nächste Mal. Es war ein toller Tag in GANZ Frankfurt (Oder). Es geht ja um die gemeinsame Sache und nicht darum, wer sah besser aus, wer organisierte besser, wer sang besser oder wer hatte das bessere Programm. Schade das Sie es als Wettkampf sehen.

Buntes Frankfurt 19.01.2015 - 18:25:28

@ Mitläufer

Sie haben recht, deswegen war die kleine Zusammenkunft am Rathaus noch das bessere Programm.

ordnungshüter 19.01.2015 - 18:17:52

Rene Wilke

Bleiben Sie als Landtagsabgeordneter bei Ihren Vorwürfen gegen die Polizeieinsatzkräfte? benennen Sie konkrete Vergehen und überzogene Handlungen der Polizeieinsatzkräfte! Sollten Sie dies -öffentlich-schuldig bleiben, sind sie für mich ein Scharfmacher und Polizeihasser, welcher diese gegen linke Gewalt nicht verteidigt!

Mitläufer 19.01.2015 - 17:48:57

Die Frage ist von wem man sich als Bürger mehr distanzieren sollte!?

Also mal ehrlich so wirklich wohl habe ich mich nicht gefühlt. Zwischen DKP Anhängern, extrem linken mit eben so einseitigen Argumenten und Weltbild wie die unbelehrbaren. Ein Grund warum relativ wenig Frankfurter Bürger sich dieser Gegenveranstaltung angeschlossen haben. So gesehen war es zahlenmäßig ein Desaster. Gezielte Propaganda kam von beiden Seiten durchs Megafone und sorgte bei einigen für Aggressivität. Die sich dann auf dem Gelände der Buchdruckei entlud. Wenn 50-80 man auf den Hof rennen und auf dem Boden was zum schmeißen suchen ist der Bogen weit überspannt. Dann braucht man sich nicht wundern wenn die Polizei Pfefferspray einsetzt. Da kann man als normaler Bürger nur die Flucht ergreifen um sein eigenen Leib zu schützen. Der linke Mob erschien mir als organisiert. Es gab vermutlich einen Kundschafter mit Fahrrad, der Stellen zu suchen schien an dem die Ordnungskräfte nicht vorbereitet waren. Einer gab laut stark das Kommando was die Gruppe zu tun hätte. Da Frage ich mich schon ob die Veranstalter nicht in der Lage sind solche Gruppen mit Hilfe der Polizei daran zu hindern Straftaten zu verüben. Vielleicht hilft es das sie für solche Kollateralschäden mit verantwortlich sind. Den Bürgern hat dieser Mob einen großen Dienst erwiesen. Die Polizei wird ihr Einsatzkonzept überdenken und Absperrungen noch weiter entfernt aufbauen. Herzlichen Glückwunsch kann ich nur sagen. Friedlich,Kreativ war dieser Veranstaltung nicht.

Käsereifachverkäuferin 19.01.2015 - 17:35:16

@Cat950

Gegendemonstranten , auch einige Wenige auf Demonstrationsseite.

Cat950 19.01.2015 - 17:16:08

@Käsereifachverkäuferin

Mit den Frankfurter Bekanntschaften sind die Demonstranten oder gegen Demonstranten gemeint?

Rosa Linde 19.01.2015 - 17:11:54

Darüber lässt sich streiten

Für Michael Genz steht fest: "Jeder soll in unserer Stadt willkommen sein!" Zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter, mit Nachbarn und Nachbarskindern machte er sich deshalb am Sonnabendvormittag auf den Weg zum Platz vor Kaufland, um für Toleranz und Vielfalt zu demonstrieren. Bezugnehmend auf diesen Satz muss ich mich fragen, ob man weiß was man tut. Jeder weiß, dass es bei dieser Art von Demonstration und Gegendemonstrationen zu gewaltsamen Zwischenfällen kommen kann. Wie kann ich da meine Kinder wie zu einem Volksfest mitnehmen. Hier können immer radikale Rechte und Linke aufeineander treffen und zwischendrinn die Polizei. Ich erinnere mich daran, das vor nicht allzu langer Zeit über einfache Brandschutzübungen hier im Portal diskutiert wurde. Brandschutzübungen würden/können ja eine Trauma bei Kindern auslösen . Hier verstehe ich auch nicht die FF- Stadtverwaltung, welche mit blauen Luftballons lockt. Aber das alles ist eben Ansichtssache ...meine Kinder würde ich dieser Gefahr nicht aussetzen.

Buntes Frankfurt 19.01.2015 - 17:01:17

Äh

Das schrieben die "Frankfurter" die sich wehrten auf FB: "Die Freunde aus verschiedenen Bundesländern sind bei uns eingetroffen, die Plakate und Transparente schnell zusammengebaut und dann bewegten wir uns langsam in Richtung Bahnhof."

Käsereifachverkäuferin 19.01.2015 - 16:45:19

@Cat950

Ich habe dort sehr viele Frankfurter Bekanntschaften gesehen. Wahrscheinlich kamen von den Demonstranten prozentual sogar mehr von außerhalb - auch sie hatten auf Facebook überhaupt erst aufgerufen !

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