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Stricken hat Suchtpotenzial

Keine Oma im Lehnstuhl hinterm Ofen: Doch auch Sascha Uetrecht macht es sich beim Stricken gemütlich. Manchmal sagt er sogar Termine ab, um in Ruhe die Maschen aufnehmen zu können.
Keine Oma im Lehnstuhl hinterm Ofen: Doch auch Sascha Uetrecht macht es sich beim Stricken gemütlich. Manchmal sagt er sogar Termine ab, um in Ruhe die Maschen aufnehmen zu können. © Foto: Petra Wolf
Petra Wolf / 29.01.2015, 08:00 Uhr
Schildow (MZV) Stricken liegt im Trend. Ob im heimischen Wohnzimmer, an der Uni oder im öffentlichen Raum - Selbstgestricktes hat Hochkonjunktur. Allerdings werden die alten Klischees noch immer handfest bedient: Es sind vor allem Frauen, die diesem kreativen Hobby frönen. Und doch gibt es männliche Ausnahmen. Eine von ihnen ist Sascha Uetrecht.

Vielleicht hat der Mann aus Schildow ein Faible für Frauenberufe? Denn bevor er mit dem Stricken begann, war er Friseur, und zwar ein mobiler, immer auf Reisen. "Ich ging von Haustür zu Haustür und fragte, wer die Haare geschnitten haben möchte", erzählt er. "Doch irgendwann hat mich das nicht mehr erfüllt. Ich habe es nicht mit Herz gemacht."

Eines Tages fragte ihn sein Neffe, ob er auch stricken könne. Maschen aufnehmen, wie ging das noch mal? Sascha Uetrecht probierte es aus und strickte seinen ersten Pullover. Das war vor etwa sechs Jahren. "Seitdem hänge ich an der Nadel. Ich habe eine Passion gefunden." Er besuchte Strickkurse und wurde immer individueller und kreativer. Mitunter kam es schon soweit, dass der 43-Jährige andere Termine absagte, um stricken zu können.

"Stricken hat Suchtpotenzial", meint Sascha Uetrecht. "Es ist entschleunigend und entspannend, und man kann anderen eine Freude machen." Tatsächlich wurde in Studien herausgefunden, dass Stricken wirksam gegen Bluthochdruck und Stress sein kann - stricken als das neue Yoga sozusagen, als eine "Medikation ohne Nebenwirkungen".

Am liebsten strickt Sascha Uetrecht Tücher, Schals und Strickjacken für sich, die Familie und seinen Mann, Fabian Fiedler. Der strickt nicht, ist jedoch auf andere Weise kreativ. Er ist Musiker und leitet in Berlin eine Musikschule. "Ich bin ganz froh, dass Fabian nicht strickt. Er hat nämlich einen Hang zur Perfektion", schmunzelt Sascha Uetrecht. "Würde er erstmal damit anfangen, könnte er es womöglich bald besser als ich."

Sascha Uetrecht macht ebenfalls Musik - als Schlager-DJ "Supa Sushi" in der "Hafenbar" in der Berliner Chausseestraße. Hier legt er bereits seit 15 Jahren auf und kann seine Leidenschaft für die Schlager der 70er- und 80er-Jahre ausleben. "Zu Hause höre ich die aber nicht", betont er. Wie es zu seinem ungewöhnlichen DJ-Namen kam, ist schnell erklärt: "In der Hafenbar muss jeder DJ einen Namen haben. Sie heißen Lars Vegas, Flora Soft oder Claire Grube. Je bescheuerter, desto besser. So ist aus "Super Sascha", was auch nicht so toll klingt, "Supa Sushi "geworden."

Zu seinen Reisefriseurzeiten war Uetrecht als "Herr U" unterwegs, jetzt ist er es im Internet, unter anderem als Co-Autor bei schwatzkatz.com, einem Blog für Selbstgemachtes.

Vor zwei Jahren hat Sascha Uetrecht sein Hobby schließlich auch zum Beruf gemacht. Er ist als Filialleiter im "Wollrausch"-Laden in Schildow angestellt. Hier werden neben Wolle in den unterschiedlichsten Farben und Qualitäten auch Strickkurse angeboten.

Wer Lust hat, kann bei "Wollrausch" montags von 17 bis 19 Uhr und donnerstags von 18.30 bis 20.30 Uhr die hohe Kunst des Strickens erlernen. Anmeldungen sind dazu nicht erforderlich. Der Laden ist in der Hauptstraße 18 in Schildow zu finden.

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