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Eine Stunde Flugplatzgeschichte

Flugzeuge aus der Nähe: Eberhard Hänisch (l.) vom Förderverein Flugplatzmuseum besucht nach dem Rundgang in der Ausstellung mit Gästen den historischen Hangar, in dem eine ganze Reihe von Maschinen steht, darunter ein Ex-Agrarflugzeug (r.), der Nachbau ei
Flugzeuge aus der Nähe: Eberhard Hänisch (l.) vom Förderverein Flugplatzmuseum besucht nach dem Rundgang in der Ausstellung mit Gästen den historischen Hangar, in dem eine ganze Reihe von Maschinen steht, darunter ein Ex-Agrarflugzeug (r.), der Nachbau ei © Foto: Uwe Spranger
Uwe Spranger / 08.02.2015, 23:26 Uhr
Strausberg (MOZ) Im Flugplatzmuseum sollen bis zum Stadtjubiläum im Juni noch einige Veränderungen vorgenommen werden. Das hat Eberhard Hänisch, Vorstandmitglied im Förderverein, am Wochenende bei einer Führung angekündigt. Die gut einstündige Tour durch Museum und Hangar fang guten Anklang.

Ein wenig Sorge hatte Eberhard Hänisch schon, ob sich denn bei dem nasskalten Wetter Interessierte von ihm die Sammlung erläutern lassen wollen. "Man kann das vorher nie sagen", erklärte er. In den Ferien sei einiges los, und im Sommer machten viele Radfahrer, die auf einer der Überland-Radrouten den Flugplatz passieren, einen Abstecher ins Museum, berichtete er.

Diesmal konnte er rund ein Dutzend Gäste begrüßen, eine Familie mit Kindern, Paare und einzelne Herren verschiedenen Alters. "Ich hatte früher mit der Fliegerei zu tun, war zur Eröffnung mal drin, aber seit der Umgestaltung noch nicht wieder", sagte einer der Älteren unter ihnen. Ein junger Thüringer wollte das Angebot "mal mitnehmen", weil er gerade hier in der Flugschule ist und auf einem anderen ostdeutschen Platz schon Ausbildungsstunden absolviert hatte. Jörg und Marina Heinel aus Petershagen-Eggersdorf hatten aus der Zeitung von der Führung erfahren und sich dann zum Flugplatz aufgemacht.

Frührentner Hänisch, der es nach eigener Aussage "in der Fliegerei bis zum Hauptmann der Reserve gebracht" hat, stellte allen die seit 2008 professionell aufbereitete Schau vor, die den Zeitraum von 1913 bis heute abbildet. Ausgangspunkt: der Strausberger Flugpionier Felix Schulz, der im März 1913 seine praktische Flugprüfung bestand und ein halbes Jahr später bei einem Testflug in Berlin-Johannistal verunglückte. Hänisch berichtete über die Anfänge der Fliegerei in Strausberg selbst in den 1920er-Jahren, als Segelflieger noch auf dem Schlächterberg in der Nähe des heutigen Kinderbauernhofs Roter Hof starteten - in die Luft gebracht mit Muskelkraft und Gummiseil.

Die geschichtlichen Fakten, die Besucher auf bebilderten Aufstellern und Klapptafel nachlesen können, garnierte er mit Anekdoten und Details. So erklärte, warum ein seinerzeit benutzter Segelflug-Schulgleiter den Spitznamen "Schädelspalter" hatte: Weil der Pilot bei diesem Modell eine Strebe der Konstruktion genau vor dem Kopf hatte und sich bei unsanfter Landung schon mal denselben kräftig daran stoßen konnte.

Von den Anfängen der Motorfliegerei über das Entstehen von Flugplatz und Navigationsschule im Norden der Stadt, die Friedrich-Flugzeugwerke an der Hegermühlenstraße inklusive Strausbergs Verbindung zu Beate Uhse sowie die DDR-Zeit mit Verbindungsfliegerstaffel und Kommando Luftstreitkräfte/Luftverteidigung spannte der 62-Jährige den Bogen bis in die Gegenwart. Alles, ohne irgendwann auf einen Zettel zu gucken. Die NVA-Zeit komme ihm persönlich ein bisschen kurz, sagte er. Es gebe im Verein dazu noch Diskussionen, ließ er durchblicken.

Und widmete sich dann ausgiebig den Flugzeug- und Hubschrauber-Modellen in den Vitrinen. Einen Teil davon hat der Hobby-Modellbauer selbst gebastelt. Darunter eine Transall C 160, die größte Maschine, die nach der Wende und seit der Überführung des Platzes in zivile Nutzung in Strausberg gelandet ist. Vertreten ist auch die AN 26, der größte zu DDR-Zeiten gelandete Flieger. Er habe Zwischenstation gemacht, um Utensilien für einen Jagdausflug der Oberen zu laden und blieb am Ende weit länger stehen als geplant, weil auch ein Volvo mit sollte, sich aber auf der steilen Rampe festfuhr, erzählte er.

Hänisch avisierte, dass bis zum Stadtjubiläum noch Veränderungen vorgenommen werden sollen. "Vielleicht an zwei oder drei Vitrinen", blieb er aber recht vage. Im Gespräch sei beispielsweise, Strausbergs Ehrenbürger Sigmund Jähn stärker zu würdigen, ließ er nur verlauten. Der erste Deutsche im All lebt seit den 1980ern in der Stadt.

Zum Schluss konnten sich die Gäste im historischen Hangar Flugzeuge anschauen, die aktuell in Strausberg starten und landen - von Ultraleichten bis zum Doppeldecker AN 2 und Kunstflug-Maschinen von Kathi Suthau. "Ganz großes Dankeschön", verabschiedeten sich Heinels am Ende, und die anderen stimmten mit ihnen überein.

Führungen sind immer am 1. und 3. Wochenende eines Monats, sonnabends 15 und sonntags 10 Uhr. Möglich sind auch andere Zeiten - nach Vereinbarung mit dem Vereinschef.

Kontakt: Tel. 033439 80504 oder 0171 7735477; E-Mail info@flugplatzmuseum-strausberg.de

Leserforum

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Wolfgang Hebold 09.02.2015 - 19:00:33

@Fichte

Gegenwärtig gibt es ja keinen Ruhm zu ernten, sondern nur als Vasall der USA hinterher zu dackeln. Wie peinlich!

Fichte 09.02.2015 - 18:33:06

Flugplatzgeschichte mit einem märchenhaftem Ende!

Und wenn sie nicht gestorben sind, so schwelgen alte Genossen noch immer in ruhmreichen NVA Erinnerungen….

Strausbergerin 09.02.2015 - 09:02:56

Immer die gleiche Leier..

Einen solchen Artikel über dieses abgedroschene Thema hab ich in den letzten Jahren in der MOZ schon gefühlte 20-mal gelesen. Gibt es denn wirklich nichts Neues oder Interessanteres aus Strausberg zu berichten?

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